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Pissowoda-Wiesen
 

Pissowodda-Bruch

 
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Die Pissowoda-Wiesen (Galinde-Wiesen)
im Kreis Johannisburg

Von Waltraut und Hans-Heinrich Timmann

Die eiszeitliche Terrassenbildung prägte den südlichen Teil des Kreises Johannisburg. Der Abfluß der großen Seen durch die Galinde oder wie sie früher hieß, Pissek, ließ große Moorwiesenflächen entstehen. Hierzu gehörten auch die Galinder oder Pissowoda-Wiesen (1). In früheren Zeiten hieß es das Pissowodda-Bruch. Seine Größe war etwa 2.500 ha. Es reichte von Lupken im Norden bis nach Dreifelde (Kallenzinnen) - Ottenberge (Sawadden) im Süden mit Ausläufern bis zum Brödauer Fließ (Planquadrate 2397 und 2497). Es ist eingeschlossen von den Ortschaften Borken, Balkfelde (Jegodnen), Babrosten, Gutten und Wiesenheim (Pietrzicken) und hatte seinen Abfluß über die Galinde (Pissek). Durch dieses Bruch fließt der Sparker Fließ, der Gutter Fließ, der den Sury Fließ aufnimmt und dann zum Borker Fließ wird. In alten Zeiten hieß der Sury Fließ Stephanstok, und der Gutter und Borker Fließ waren das Fließ Pissowoda. Der Pissek ist fast allein die Entwässerungsmöglichkeit, mit der der Kreis Johannisburg aus seinem Anteil der masurischen Seenplatte zum Narew hin das Oberflächenwasser ableiten kann.

Besonders in der Zeit der Schneeschmelze ist er sehr wasserreich und führt dem Narew große Wassermassen zu. Als Sammelbecken dient der Roschsee, der den ganzen Osten des Kreises Johannisburg entwässert.

Es ist außer Zweifel, dass in früheren Zeiten der Wasserspiegel bedeutend höher war. 1424 in einem Bereisungsprotokoll heißt es wörtlich: "Ouch so leit eyn sehe Pissewode genant und noe dobey czwene kleyne Sehe ..." Dieser Sehe Pissowda ist ohne Zweifel das Gebiet der Pissowoda-Wiesen, von dem dieser Bericht handelt. Der Wasserspiegel der Galinde war zur Ordenszeit etwa doppelt so breit wie 1945 (Johannisburger Heimatbrief 1981, Seite 45 ff). 1424 wird, wie schon erwähnt, von noch einem See berichtet. Aber bereits 1453 in der Verleihungsurkunde von Adl. Rakowen wird nur noch von einem Bagno Pissowoda (Sumpf) geschrieben. Durch die Regulierung des Pissek 1795 ist der Wasserstand wahrscheinlich noch weiter gefallen. So entstanden große Moorwiesenflächen.

1907 hatte der Kreis Johannisburg fast 11% solcher Moorwiesenflächen. Die größten Flächen waren nach einer Aufstellung von 1907:
 

bulletdas Schwenzekbruch
bulletdas Konopkabruch    
bulletdas Pogobierbruch   
bulletdas Snopkerbruch     
bulletdas Barlochbruch      
bulletdas Pissowoddabruch
mit    700 ha
mit    700 ha
mit    800 ha
mit    800 ha
mit 1.500 ha
mit 2.500 ha

Alle diese Brüche waren laut Niekammer's Adreßbuch Torfbrüche. Dazu kam noch als Moosbruch das Kullickerbruch.

Doch bereits 1766 wurde mit der Urbarmachung der Pissowoda-Wiesen begonnen. Es wurden Bäume und Sträucher ausgerodet, und die Fläche des Pissowoda-Bruches wurde vermessen, eingeteilt, begrenzt und dann versteigert. Wörtlich heißt es in den alten Akten: "Nachdem das königliche Bruch Pissowoda genannt, zwischen Borken, Jegodnen, Babrosten, Gutten und Pietrzicken im Amte Johannisburg gelegen, vorher mit Sträuchern verwachsen gewesen, fortnachher aber zu Wiesen ausgerodet, und vom Landt-Bau-Meister von Schlieting anno 1766 vermeßen, mit Schüttungen gehörig begrentzet und nach geschehener Publication von den Canzeln bey der am 6ten Juny 1768 a Deputate Camerae gehaltenen Licitation, diese gerodeten Wiesen von nachfolgenden plus Licitanten gegen einen gewißen an das Königl. Amt Johannisburg zu zahlenden Erblichen Wiesenzins angenommen worden als aus dem Dorf ..."

Es folgen dann die Namen der neuen Besitzer.

Diese Versteigerung war am 6. Juni 1768. Die Erbverschreibung ist datiert:

Gumbinnen, d. 1. Febr. 1775. Das Grundbuch 1828/30/34/36 zeigt uns die Aufteilung der Pissowoda-Wiesen. Es geht vor allen Dingen daraus hervor, welche Dörfer und Bauern Privilegien erworben hatten.

Bei Gutten war der erste Privilegieninhaber Fritz Pissowotzki, der den Anteil an andere "Wirthe" weiterverteilte. Bei anderen Gemeinden erwarben teils die Bauern, teils die Dörfer ihre Anteile. Diese Anteile der Dörfer waren noch 1945 vorhanden, wie z.B. die Ribittwer Wiesen bei Gutten und die Kessler Wiesen.

Es folgt jetzt eine Liste der Anteile der Pissowoda-Wiesen aus dem Grundbuch 1828/1836. Diese Liste zeigt nicht den ganzen Bezirk der Pissowoda-Wiesen. 1898 ist z. B. die Domänenfiskalische Pissowoda Wiese mit der Gemeinde Kumllsko (Morgen) vereinigt worden. Die Größe der Fläche blieb uns unbekannt. (Anm.: Kumilsko hatte 1895 eine Fläche von 995 ha, 1930 eine Fläche von 1.076 ha)

Liste der Anteile der Pissowoda-Wiesen 1828/1836
 

Gemeinde    Größe  Datum
alter Name neuer Name
Gentken
Bogumillen
Baginsken
Dziadowen
Kucklen
Kumilsko
Lissacken
Lisken
Mikutten
Poseggen
Thurowen
Babrosten
Gursken
Gutten
Jegodnen
Schloß Johannisburg
Kallenzinnen
Gr. Kessel
 
Sparken alias Lissöwen
 
Masten
Mnich
Pietrzicken
Ribittwen
  
Wnenta
 
Brödau
Lehmannsdorf
Königstal
Kuckeln
Morgen
Drugen



Turau



Balkfelde

Dreifelde





U F Mnich
Wiesenheim
Ribitten
 
unbebaut

Morgen

Qu-Routhen
17
148
119
1
43
17
2
58
5
63
64
20
8
32
32
5
37
24
368
?
 
27
9
55
5
249
4
79
149
152
145
130
154
145
42
50
14
149
162
130
152
18
84
68
137
59
?
 
69
64
50
147
-
59
 des Privilegs
  1. Febr. 1775 Gumbinnen
  1. Febr. 1775 Gumbinnen
  1. Febr. 1775 Gumbinnen
  1. Febr. 1775 Gumbinnen
  1. Febr. 1775 Gumbinnen
  1. Febr. 1775 Gumbinnen
  1. Febr. 1775 Gumbinnen
  1. Febr. 1775 Gumbinnen
  1. Febr. 1775 Gumbinnen
  1. Febr. 1775 Gumbinnen
  1. Febr. 1775 Gumbinnen
  1. Febr. 1775 Gumbinnen
  1, Febr. 1775 Gumbinnen
  1. Febr. 1775 Gumbinnen
  1. Febr. 1775 Gumbinnen
  1. Febr. 1775 Gumbinnen
  1. Febr. 1775 Gumbinnen
  1. Febr. 1775 Gumbinnen
24. Febr. 1780 Just. Prot.
  8. Aug.  1780 Just. Prot.
                       Frederichhoff
  1. Febr. 1775 Gumbinnen
  1. Febr. 1775 Gumbinnen
  1, Febr. 1775 Gumbinnen
  1. Febr. 1775 Gumbinnen
11. Apr.   1780 Justiz Prot.
  7. Apr .  1780 Just. Prof.

Die 368 Morgen 59 QuR von Gr. Kessel werden von den "Einsaßen" im Verhältnis ihres Besitzes genutzt. Die Wiesen von Wnenta sind hauptsächlich in der Gemarkung von Jegodnen zu finden. Das Gut oder Dorf Wnenta, das erst zwischen 1714 und 1723 eine neue Berahmung (Ansiedlungsvertrag) erhalten hatte, ist wahrscheinlich eingegangen, da das Gebiet in der PT 22 (Anm.: PT = Praestation-Tabelle = Steuertabelle) als unbebaut eingetragen ist. Die Randgebiete der Pissowoda-Niederung wurden aber auch schon in früheren Zeiten als Wiesen genutzt. Bereits 1579 hatte der Pfarrer aus Johannisburg eine Wiese zur Heugewinnung am Pissowoda-Fließ. Durch diese sumpfigen Wiesen führten einige Wege, z.B. von Jegodnen nach Masten und Borken, die man Winterwege nannte, weil sie nur im Winter oder in trockenen Jahren benutzt werden konnten.

Die Hauptentwässerung der Pissowoda-Wiesen war der Borker Pließ. In einer alten Schrift steht: Zitat: '"Ein Fließ Pissowodde kommt auß den Pietrziker königl. Bruch, fließt durch die Gutter Wiesen undt fallet bey Borken ins Flies Pisse". Die Sicherstellung der Entwässerung wurde besonders unter König Friedrich-Wilhelm IV. durch das Vorflutedikt und das Gesetz für das Aufgebots- und Präklusions-Verfahren vom 23.01. 1846 gewährleistet.

Diese Wiesen wurden im Laufe der Jahrhunderte gutes Weide- und Heuland. Noch bis zum Kriegsende wurde eine gute Entwässerung aufrechterhalten. Soweit unsere kurze Chronik der Pissowoda-Wiesen.

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(1) In alten Dokumenten sind unterschiedliche Schreibweisen anzutreffen. Vielfach schrieb man so wie man sprach oder es verstand, z.B. heißt es in einem alten Grundbuchauszug von Dez. 1900: Pishawodda-Wiesen.
 

Quellen:
Text: Waltraut und Hans-Heinrich Timmann, Bielenberg 17, 25377 Kollmar,
veröffentlicht in: Johannisburger Heimatbrief 1995, Seite 117-119;
Karte: Chronik des Dorfes Gutten J, Waltraud und Heinrich Timmann, 1989, Seite 190

 
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