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Die Dienstgüter im Kreis Johannisburg

Die Dienstgüter oder Freigüter waren weniger kolonisatorische Neugründungen des Ordens, sondern bei der Verleihung der Handfesten an ihre Besitzer handelt es sich zumeist um die Fixierung schon bestehender Besitzverhältnisse, um ihre Umlegung zu deutschem Recht. Jedes Freigut erhielt dazu eine geschlossene, der Anzahl der verliehenen Hufen entsprechende große und in groben Umrissen nach außen hin abgegrenzte Gemarkung. Das siedlerische Ziel, das in der restlosen Erschließung der Gemarkung gipfelte, konnte je nach der Lage der Dinge nur mit einem größeren oder geringerem Ausmaß an sorgsamer Rodearbeit erreicht werden, für das die Anzahl der Freijahre einen Anhaltspunkt gibt.

Das Merkmal eines ordentlichen Dorfes, das Amt des Schulzen mit seinen Gerechtsamen, fehlte diesen Siedlungen. Auch kannten sie keinen Flurzwang. Als selbständige Wirtschaftseinheiten lagen die einzelnen Gutshöfe nebeneinander. Jeder Hof hatte seine geschlossene Feldmark und stand unmittelbar unter der Landesherrschaft. Eine gemeinsame Mark gab es nicht. So zeigen denn die Gemarkungsgrenzen dieser älteren Siedlungen des Kreises Johannisburg bis in unsere Zeit zumeist recht krumme und unregelmäßige Formen, wie z. B. die Grenzen von Richtwalde (Kowalewen), Falkendorf (Sokollen), Turau (Turowen), Richtenberg (Skarzinnen) usw. Ihre Entstehung aus den einzelnen Feldmarken der selbständigen Gutshöfe ist noch klar er sichtlich.

Die auf den Dienstgütern angesetzten Freien hatten die Pflicht zur "Reise", dem auswärtigen Kriegsdienst also und mußten dem Orden zu jeder Zeit auf schwerem Hengst in schwerer Rüstung zum Kriegsdienst zur Verfügung stehen. Die verhältnismäßig hohe Zahl der Großgrundbesitze - über 10 Hufen oder 600 preußische Morgen - im Johannisburger Gebiet lässt erkennen, wie wichtig dem Orden damals in der Zeit dauernder Händel und Wirren mit Polen aus Gründen der Landesverteidigung die schollenmäßige Bindung möglichst vieler "reisiger Kriegsleute" erschien. Die Anreihung der meisten Güter in unmittelbarer Nähe der Landesgrenze, besonders der größeren Besitzungen mit mehreren Diensten - 1428 Drugen (Lissaken), Falkendorf (Sokollen), Richtwalde (Kowalewen); 1429 Turau (Turowen); 1435 Fischborn (Dlottowen), Kölmerfelde (Kosuchen), Mikutten (Mykutten), Paulshagen (Pawlozinnen), Plachten; 1445 Gehsen; 1452 Brödau (Bogumillen), Richtenberg (Skarzinnen) -, hatte durch die damit an der Grenze konzentrierten Wehrkraft einen gewissen Limescharakter erhalten.

Der Johannisburger Raum als Grenzgebiet bedurfte damals, besonders nach 1410, stärkster militärischer Sicherung. Mangel an eigenen Streitkräften zwang den Orden zu immer stärkerem Zurückgreifen auf die masowischen Einwanderer, vor allem auf die Schlachzitzen, den Bauernadel der Masowier, die sich in den ersten Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts in Form von Sippenweilern im Johannisburger Gebiet niedergelassen hatten, weil sie eben meist zu ganzen Sippen und Freundschaften über die Grenze kamen. Dem Vertrauenswürdigsten, oft mehreren Brüdern oder Verwandten, wurde das Land als Freigut verschrieben.

Hinsichtlich der rechtlichen Ausstattung der Siedlungen, die der Orden im Johannisburger Raum anlegte, unterscheiden sich die Dienstgüter wesentlich von anderen Gründungsformen.

Schon die ersten Gutsverschreibungen 1428 und 1429 sind durchweg mit der großen Gerichtsbarkeit versehen. Auch bei dem wechselnden kölmischen und magdeburgischen Recht im Johannisburger Gebiet nimmt im Verlaufe des 15. Jahrhunderts die Verleihung der großen Gerichtsbarkeit ständig zu. Wenn auch die große Gerichtsbarkeit nicht an die Größe der Güter gebunden gewesen ist, so war sie doch vor diesem letzten Zeitabschnitt seltener vergeben worden und im wesentlichen ein besonderes Merkmal der Grundherrschaft. Als nach 1466 die Fülle der Verschreibungen einsetzt, erhalten fast alle diese kleinen Güter das große Gericht. An den Verhältnissen des 14. Jahrhunderts gemessen, steht diese Entwicklung nach Riel "in gar keinem Verhältnis zu der wirtschaftlichen Position des Belehnten, zumal wenn man bedenkt, daß diese 10-Hufengüter oft 2, 3 ja auch mehreren Masuren gemeinsam gehörten". Riel nimmt daher an, daß der Besitz des großen Gerichts nur einen ideellen Wert darstellt: "Die kleinen Freien wollten gern den Grundherren gleichgestellt sein und wurden es auch". Bei den weitgehenden Freiheiten, die der masowische Kleinadel der Schlachzitzen genoß, ist es wohl zu verstehen, daß der Orden diesen Leuten, wenn sie nach Preußen einwanderten, ähnliche Freiheiten gewähren wollte.

Die Anwendung aller dieser günstigen rechtlichen Siedlungsgrundlagen auf die bereits ansässige masowische Bevölkerung im Johannisburger Gebiet hat zweifellos auf die Bewohner des benachbarten Masowiens einen starken Anreiz ausgeübt. In immer größerer Zahl boten sie dem Orden, besonders nach 1466, ihre Dienste an und erhielten dafür ihre Freigüter. So erreicht bis 1525 die Zahl der an Masowier ausgegebenen Freigüter im Raume Johannisburg den Anteil von annähernd 90 v. H. aller ordensritterlichen Ortsgründungen.
 

Quelle:
Der Kreis Johannisburg, Holzner Verlag Würzburg, 1964, Seite 55-57

 
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