Home Nach oben Inhalt / Suche Copyright Impressum Datenschutz
Friedhofskapelle
 

 
Das Buch:

Das Buch: Johannisburg in Ostpreußen. - Für weitere Infos hier klicken!

Johannisburg in Ostpreußen

 
Videos aus Masuren und dem Kreis Johannisburg. - Für weitere Infos hier klicken!
Masuren-Videos

Kreisgemeinschaft richtet Friedhofskapelle
auf dem Stadtfriedhof Johannisburg her

"Bürger der Stadt Johannisburg, Besucher dieser Kapelle! Diese Gedenkstätte, der sie umgebende Park und der Ehrenfriedhof gefallener Soldaten, ist als Kulturstätte unter Denkmalschutz gestellt. Die Fläche dieses Parks diente in der preußischen, deutschen und polnischen Zeit den Bewohnern der Stadt Johannisburg als Begräbnisstätte. Bewahrt dieser Stätte die angemessene Würde. Sie möge ein sichtbares Zeichen dafür sein, daß die Nationen in einem freien Europa miteinander in Frieden leben wollen. Erweist der Geschichte ihre gebührende Achtung."

Diese Inschrift trägt die an der Friedhofskapelle eingemauerte Tafel. Die Worte sind in deutscher und polnischer Sprache geschrieben. Kapelle und Tafelinschrift sollen unsere nachfolgenden Generationen, aber auch die jetzt dort wohnenden Bürger an die Vergangenheit und geschichtliche Wahrheit erinnern. Friedhof, Jahrhunderte für die Bürger Johannisburgs, letzte Ruhestätte für gefallene deutsche und russische Soldaten des ersten Weltkrieges und Friedhof für deutsche Soldaten des zweiten Krieges. Dieses war die Situation nach dem letzten Krieg. Die beerdigten Soldaten des ersten Krieges, ob Deutsche oder Russen, haben ewiges Ruherecht. Welches Schicksal den Gräbern des zweiten Krieges noch bevorstand, war damals noch nicht entschieden.

So entschied die Woywodschaft (Bezirksregierung) Suwalki das Gebiet aller Begräbnisstätten unter Naturschutz zu stellen. Die Kreisgemeinschaft Johannisburg hatte zunächst keine Kenntnis davon. Unserem Johannisburger Heimatfreund Hans Linke ist zu danken, daß er alle ihm zur Verfügung stehenden Wege und Mittel und die Unterstützung der Kreisgemeinschaft einsetzte, um das gesetzte Ziel zu erreichen. In Zusammenarbeit mit dem Volksbund für Kriegsgräberfürsorge führte er mehrmals mit internationalen Jugendgruppen Einsätze zur Pflege des Johannisburger Soldatenfriedhofs durch. Es entstanden gute Beziehungen zum Bürgermeister Puchalski und zum zuständigen Referenten der Woywodschaft Macziewitz. Diese beiden Herren zu überzeugen, wie auch Tote der Kriegsgegner eine würdige Ruhestätte erhalten, ist Hans Linke gelungen. Er ermöglichte ihnen die Teilnahme an zwei Exkursionen. Einmal in Belgien und Nordfrankreich, wo bis zu 80.000 gefallene deutsche Soldaten in einer gepflegten Friedhofsanlage ihre letzte Ruhestätte fanden. Die zweite Informationsfahrt mit den Herren Puchalski und Macziewitz führte nach Dänemark: Hier die Gräber der während der Internierung verstorbenen deutschen, vorwiegend ostpreußischen Flüchtlinge, die noch während der deutschen Besatzung dort untergebracht wurden. Hans Linke und der damaligen Gruppe Junges Ostpreußen ist für ihren Einsatz in Dänemark besonders zu danken.

Durch mehrere Einsätze der Jugendgruppen wurden die Gräber des ersten Krieges in einen würdigen Zustand versetzt. Ein Hochkreuz weist auf die Ruhestätte hin. Eine Tafel in deutscher, russischer und polnischer Sprache, gibt Auskunft, daß hier deutsche und russische Soldaten beerdigt sind. Die deutschen Soldaten des zweiten Krieges sind umgebettet worden. Sie fanden auf der großen Friedhofsanlage in Bartossen Kreis Lyck ihre letzte Ruhestätte. In einer gut entwickelten Rasenfläche, die von Feldsteinen umrandet ist, sind kleine Betonkreuze eingelassen worden. Und nun war die Kreisgemeinschaft Johannisburg an der Reihe den Friedhof und die Kapelle der Bürger Johannisburgs dem gepflegten Teil des Soldatenfriedhofs anzugleichen. Zerbrochene Grabumrandungen, ob Stein oder Eisen, umgestürzte Grabsteine, eingefallene Gräber waren im jahrzehntelangen Wildwuchs kaum zu finden. An der Kapelle beschädigt oder völlig unbrauchbar Treppe und Tür, Fußboden und Wände, am Dach die gesamte Holzkonstruktion, Eindeckung und Dachrinnen, Fenster und anderes mehr. Keine Umzäunung der gesamten Anlage. Stadtstreicher und Alkoholiker trugen zum würdelosen Bild des Friedhofs bei. Auch Hunde waren nicht auszuschließen. Die Gründung und erfolgreiche Arbeit des deutschen Kulturvereins "Rosch" unter der Führung von Mira Kreska gaben der Kreisgemeinschaft eine große Hilfe und Unterstützung. Aufgrund ihrer guten Verbindung zu den polnischen Behörden, besonders zu Bürgermeister Puchalski, konnten viele Fragen und Probleme vor Ort im persönlichen Gespräch erörtert und geklärt werden. Mira Kreska hielt die Verbindung zur Kreisgemeinschaft und zu Hans Linke. Alle notwendigen Vorbereitungen waren getroffen und aus welchem Grunde ging es nicht weiter? Für unsere Kreisgemeinschaft, die eine ansehnliche Summe für die Renovierung der Friedhofskapelle bereitzuhalten hatte, war erste Voraussetzung ein neuer massiver Zaun um das gesamte unter Denkmalschutz gestellte Gelände, dieses war Aufgabe der Stadt Pisz-Johannisburg. Bürgermeister Puchalski erklärte, daß die Stadt kein Geld dafür hatte. Bei den Seminaren der internationalen Jugendgruppen in Bad Pyrmont fanden wiederholt Gespräche zwischen Bürgermeister Puchalski und seinen Begleitern einerseits und Kreisvertreter Wippich, Kreispräsident Petersen, Wilhelm Czypull und Hans Linke statt. Diese Gespräche führten auch zu keinem Ergebnis. Die Deutsch-Polnische Stiftung für Zusammenarbeit in Warschau war uns eine neue Hoffnung. Am 14.10.2000 stellten die Stadt Pisz-Johannisburg und die Kreisgemeinschaft gemeinsam einen Antrag an die Stiftung um Bezuschussung. Der Antrag wurde angenommen. Leider waren die zur Verfügung stehenden Mittel bis 2001 bereits verplant. Für 2002 wurden 50.000 Zloty in Aussicht gestellt. Die Geduld nicht verlieren und weiterwarten. 2001 wurde der Antrag durch die Stadt und durch die Kreisgemeinschaft wiederholt. Im Frühjahr 2002 kam die Bewilligung und bald auch das Geld. Die Stadt konnte die Arbeiten für den neuen Zaun vergeben. Der erstellte Zaun entspricht unseren Vorstellungen. Stadtseits steht ein Eingangstor. Eine Tafel, deutsche und polnische Sprache, weist darauf hin, daß diese Anlage durch die Deutsch-Polnische Stiftung mit finanzieller Hilfe der Deutschen Bundesregierung erstellt ist. Die Stadt erstellt einen Kostenvoranschlag. Er war uns Grundlage für die Angebote der die Arbeit ausführenden Firmen. Zu den in diesem Bericht bereits aufgeführten Arbeiten kamen ein die Kapelle umgebender eiserner Zaun und die Tafel mit dem zu Beginn dieses Berichtes aufgeführten Text in deutscher und polnischer Sprache. Wilhelm Czypull, der von Kreisvertreter Gerhard Wippich die Vollmachten hatte, und Frau Mira Kreska unterschrieben mit Bürgermeister Puchalski und seinem Stellvertreter die erforderlichen Verträge. Auch die Vereinbarung mit den ausführenden Firmen und dem Steinmetz wurde erledigt. Mit den Arbeiten wurde bald begonnen. Anfang November 2002 waren die Arbeiten, abgesehen von einigen Nachbesserungen, durchgeführt. Das Finanzielle wurde im vollsten Einverständnis erledigt.

Wilhelm Czypull hat viele Wege nach Johannisburg machen müssen. Verhandlungen mit Polen, gleich welchen Standes, sind nicht immer leicht. Besonderer Dank an Frau Mira Kreska, die nicht nur ein hervorragender Dolmetscher war, sondern auch eine hervorragende Beraterin und Stütze. Vorgesehen ist noch ein Granitkreuz, das in der Mitte der Kapelle seinen Platz findet. Der Auftrag ist schon vergeben. Gedenkstätte und Park unter Denkmalschutz. Das ist auch ein besonderes Hervorheben des dortigen Deutschen Kulturvereins Rosch". Es ist anzuerkennen, daß es noch der Erlebnisgeneration gelungen ist, dieses Werk trotz aller Schwierigkeiten zu vollenden. Eine würdige Einweihung ist für den 10. Mai 2003 geplant. Dazu sind alle früheren Bürger des Kreises herzlich eingeladen. Wilhelm Czypulls angeschlagene Gesundheit machte es erforderlich, daß die weitere Verantwortung auf eine andere Schulter gelegt wird. Willi Reck, jetzt stellv. Kreisvertreter, hat diese Arbeit übernommen. Er hat auch bei den letzten Verhandlungen im November Wilhelm Czypull sehr unterstützt.

Quelle:
Ein Bericht von Wilhelm Czypull im Johannisburger Heimatbrief 2003, Seite 27-31

Über den Stadtfriedhof wurden 1996 und 2003 Videofilme erstellt.
zur Film-Bestell- und Preisinformation

________________________________________________
weitere Informationen zur Einweihung
 Preußische Allgemeine Zeitung, (www.ostpreussenblatt.de), 14.06.2003, Seite 13:
Wie in Johannisburg aus einem Friedhof mit Leichenhalle eine Gedenkstätte mit Park wurde.
(rechtliche Hinweise beachten)

Familienforschung
S c z u k a

 

Kriegsgräberanlage Friedhofskapelle Gedenkstätte Der Friedhof lebt auf

www. S c z u k a . net

Copyright © 1999-2018  W e r n e r   S c h u k a

Stand: 22. Juni 2018