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Johannisburg in Ostpreußen

 
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Heimat — umgeben von Wäldern und Seen
Fast 900 Aufnahmen vermitteln ein umfassendes Bild
der Stadt und des Kreises Johannisburg

Es ist etwas Schönes, anhand von Bildern aus früherer Zeit, sei es allein oder im Kreis der Familie, sich dem Zauber einer vertrauten Landschaft, die uns Heimat ist, hinzugeben, in Gedanken dorthin zurückzukehren, wo man einst glücklich war, sei es Land oder Stadt, oder beides zugleich.

Eine neue Möglichkeit bietet sich dafür an, hat jetzt doch auch die Kreisgemeinschaft des Kreises Johannisburg einen Bildband hergestellt und herausgegeben, zusammengestellt von Gerhard Bosk: "Kreis Johannisburg. Heimat, umgeben von Wäldern und Seen." Die Fülle der gebotenen Ansichten ist überwältigend. "Der Kreis Johannisburg", schreibt der Verfasser in einem Vorwort, "ist von den vielen historisch und wirtschaftlich natürlich gewachsenen Kreisen Ostpreußens ein Kreis besonderer Art. Nicht nur als Grenzkreis, sondern ebenso als ein weites Naturgebiet, umgeben von Wäldern und Seen, ragt es aus der Vielfalt aller anderen Naturparadiese heraus. Die Johannisburger Heide ist zum Inbegriff eines Teiles der großen Wald- und Seenlandschaft Ostpreußens geworden."

Ein Porträt auf Seite 34, das den bis zur Vertreibung amtierenden Landrat Herbert Ziemer zeigt, gibt uns Anlaß, in seinen Aufzeichnungen über sein Amtsgebiet zu blättern. Da heißt es zum Beispiel:
"Die Stadt Johannisburg mit rund 7.500 Einwohnern bot das Bild einer hübschen, ländlichen, typisch östlichen Kleinstadt. Sie war, wie auch eine Anzahl der Landgemeinden, 1914/1915 beim Russeneinfall zum Teil zerstört worden. Der Wiederaufbau wurde schon während des Weltkrieges begonnen und war 1918 zum großen Teil durchgeführt, ein besonderes Ruhmesblatt für die alte preußische Verwaltung. 1937/1938 wurde an das Hauptgebäude des Landratsamtes unter völliger baulicher Überholung desselben und Beseitigung der baufälligen Nebengebäude ein großer Flügel angebaut (wie ein Bild auf Seite 13 zeigt, d. Verf.), ein Werk des leider zu früh verstorbenen Meisters in seinem Fach, Kreisbaumeister Kaiser.

Besonders geglückt war auch der Erweiterungsbau des Kreiskrankenhauses (ebenfalls auf Seite 13 abgebildet, d. Verf.) und die völlige Modernisierung desselben. An beachtlichen öffentlichen Gebäuden in der Kreisstadt mögen noch neben der Evangelischen Kirche das Rathaus, die neue Landwirtschaftsschule und das anläßlich des Wiederaufbaus in das Eigentum des Kreises übergegangene Hotel 'Graf Yorck' erwähnt sein."

Apropos Graf Yorck: Als Major war er 1797 zum Chef eines in Johannisburg liegenden Füsilierbataillons ernannt worden. Das abgelegene Städtchen inmitten riesiger Wälder bot Yorck und seiner Familie nicht einmal ein Haus, wie er es brauchte, um seinen Offizieren den Aufenthalt während des Winters erträglich zu machen. Das Haus wurde dann mit Unterstützung von König Friedrich Wilhelm III. gebaut, lag in einem freundlichen Garten und wurde später das ebenfalls fehlende Amtsgericht.

Da nun der Griff in die Vergangenheit einmal geschehen ist, darf man eines Mannes gedenken, der auf ganz andere Weise Berühmtheit erlangt hat und dessen Ursprung im Kreis Johannisburg liegt: Erich von Drygalski, der berühmte ostpreußische Geograph, der von 1901 bis 1903 mit einem Dreimast-Marssegel-Schoner mit Dampfhilfsmaschine die berühmt gewordene Südpolar-Expedition unternahm. Die Drygalskis sind eine ostpreußische Familie, ihr Stammsitz war Drigelsdorf. Im Jahre 1438 gründete Martin Drigal bei der Besiedlung der Wildnis den nach ihm benannten Ort Drigelsdorf (im späteren Kreisgebiet Johannisburg). Der Name wandelte sich im Verlauf der Zeit. Aus Drigelsdorf wurde Drygallen (bis 1938) und aus Drigal Drygalski. Ein Pfarrer Drygalski betätigte sich im 18. Jahrhundert als Heimat- und Kirchenforscher. 1798 wurde die Familie in den Adelsstand erhoben. Zahlreiche Geistliche, Ärzte und Pädagogen sind aus ihr hervorgegangen. Ein Sproß der Familie gelangte nach Königsberg, wahrscheinlich als Student an der Albertina. Er wurde Direktor des Kneiphöfschen Gymnasiums, und am 9. Februar 1865 wurde ihm ein Sohn geboren: Erich von Drygalski, der Südpolforscher.

Geschichtlich gesehen verdankt Johannisburg seine Entstehung dem Wirken des Deutschen Ordens. Spät erst ging dieser an die Besiedlung der "Großen Wildnis". Die dichten Wälder und ausgedehnten Sümpfe boten Schutz vor dem Feind, bargen aber auch Gefahren in sich, da der Anmarsch des Feindes nicht leicht zu orten war. Jedoch schon um die Mitte des 14. Jahrhunderts war die Johannisburger Gegend als "erobert" zu betrachten. 1345 legte Hochmeister Heinrich Dusemer von Arffberg die Feste Johannspurgs am Pissek an, zunächst als festes Holzblockhaus, mit Wall und Graben umgeben. Achtzehn Kilometer nördlich von ihr wurde 1360 als Flankensicherung gegen die damals recht häufigen Einfälle der Litauer das "Feste Haus" Eckersberg an der See-Enge zwischen Spirding- und Tirklosee errichtet. Die Johannisburg, am Ausfluß des Pissek aus dem Roschsee gelegen, sicherte den Flußübergang und war ein Stützpunkt an der alten Handelsstraße, die von Rastenburg über Rhein — EckersbergArysJohannisburg am Pissek entlang nach Polen führte. Vermutlich war sie eine alte Bernsteinstraße, auf der das "Gold des Samlands" bis an die Küste des Schwarzen Meeres befördert wurde. In den Wäldern südlich des Spirding und am Pissek betrieben Beutner eifrig Bienenzucht, und der Fischreichtum der Seen gab manchem Fischer ein gutes Auskommen. Die günstige Handelslage und das Pflegerhaus als Absatzmarkt ließen bald vor der Johannisburg eine Ansiedlung von Fischern, Beutnern und Jäger entstehen, die am 10. November 1367 von Ulrich Fricke, Komtur von Balga, ihre erste Handfeste erhielt.

Erst nach dem Frieden am Molno-See (1422), wobei die Jahrhunderte überdauernde Grenze zwischen Ostpreußen und Polen festgelegt und bestätigt wurde, begann der Orden damit, das umliegende Land um Johannisburg planmäßig mit Dörfern zu besiedeln. Damals, um das Jahr 1428, entstanden als Zinsdörfer Belzonzen, Bialla, Drygallen, Kumilsko, und als Freidörfer Kowalewen, Lissaken und etliche andere mehr. Im späteren Nordteil des Kreises wurden die Dörfer Gregersdorf, Arys, Seegutten und Lissuhnen, Eichendorf und Eckersberg gegründet; damals noch häufig bestehende altpreußische Siedlungen hat der Orden zu Zinsdörfern erhoben und durch die Ausstellung einer Handfeste privilegiert.

Als erste Siedlung schein Johannisburg selbst schon bald nach der Anlage des Ordensschlosses seinen dörflichen Charakter verloren zu haben, denn die Beutner- und Fischersiedlung am Fuße des Festen Hauses wuchs durch Zuzug von Händlern und Bauern verhältnismäßig schnell an und war bald zu einem "ansehnlichen Flecken" geworden. Aber erst mit dem Gründungsprivileg des Großen Kurfürsten, das vom 9. November 1645 datiert ist, erhielt Johannisburg Stadtrechte. Die anderen beiden Städte des Kreises, Bialla (Gehlenburg) und Arys, wurden 1726 von Friedrich Wilhelm I. zu sogenannten lmmediatstädten erhoben. Damit verfolgte der König das Ziel, das bis dahin wenig bekannte Johannisburger Gebiet dem Handel und Verkehr zugänglich zu machen und in die Gesamtwirtschaft Ostpreußens einzugliedern.

Südlicher Wind trug den Duft von Kiefern heran
und ein kräftiger Nordost fächelte Kühlung herbei

Das alles mag vielleicht manchem Leser im Augenblick als unwichtig erscheinen oder ihn gar langweilen. Aber ich meine, daß es immer gut ist, den Anfängen dann und wann nachzugehen, um dabei festzustellen, was preußischer Fleiß und preußische Ordnung aus der einstigen Wildnis geschaffen hat: Eine wunderschöne, paradiesisch anmutende Landschaft. Damals, vor der Vertreibung, brauchte man nur nach Süden hin über die Landesgrenze zu schauen, um den Kontrast festzustellen von hüben und drüben.

Und was die Stadt, was Johannisburg selbst betrifft, sei an dieser Stelle noch einmal an Graf Yorck erinnert, der — als er 1799 die Stadt wieder verließ, als eine wichtige Aufgabe auf ihn wartete — beim Abschied erklärte, hier sei ihm die schönste und glücklichste Zeit seines Lebens vergönnt gewesen. Und ist nicht danach noch alles viel schöner geworden? Denken wir nur an die sauberen, breit angelegten Straßen? Und darüber hinaus: Wer in seinem Innern besonders dem Wasser zugetan ist, wird sagen, Johannisburg sei von einem Kranz von Seen umgeben. Andere werden den Wald in den Vordergrund rücken, der die Stadt wie ein weiter Mantel umgibt, See und Fluß und Bäche, sonnenflirrende Flächen, monddurchtränkte Wunder der Nacht in sich bergend. Die Atmosphäre der Stadt wurde von beidem bestimmt. Südlicher Wind trug im Sommer den Duft von Kiefern heran, und ein kräftiger Nordost fächelte vom Roschsee Kühlung herbei, durch die Straßen, die Gärten, über den Markt.

Doch genug der beschreibenden Zeilen. Das vorliegende neu geschaffene "Bilderbuch" gibt eine viel bessere, anschaulichere und faszinierende Möglichkeit her, das Auge zu erfreuen und das Herz zu erwärmen, mit einer überwältigenden Zahl von Bildern gefüllt, daß man sie kaum auf einmal zu durchblättern oder gar zu zählen vermag. Im ersten Moment betrachtet, mögen es für einen Bildband zu viel auf einmal sein. Aber welche Möglichkeit böte sich uns sonst an, den Heimatkreis, abgerundet als Ganzes, vor Augen zu haben?

Herausgeber und Hersteller haben sich sehr viel Mühe gegeben, auch was die Wiedergabe der Fotos betrifft, die Motive, die einander ergänzen, abschnittweise zusammengefaßt, mit der Kreisstadt beginnend. (Ein Ortsregister mit Seitenverweisen liegt seperat bei) Es folgt die Soldatenstadt Arys, danach die Stadt Gehlenburg. Dem Kreis "Inmitten der unvergleichlich schönen Natur" mit Dörfern am Rande und in der Heide ist die Mehrzahl der Bilder gewidmet. Nicht vergessen wurden die Land- und Forstwirtschaft sowie wunderschöne Landschaftsaufnahmen. Abschließend wird die Verbindung zum Patenkreis Schleswig-Flensburg mit Fotos und Dokumenten, mit Kreis- und Stadtwappen gezeigt. Trotz seines Umfanges ist das Buch handlich und wurde mit größter Sorgfalt hergestellt. Ein Schmuckstück für jeden Bücherschrank — nicht nur für Johannisburger. Und wer jetzt schon an ein Weihnachtsgeschenk denkt, dürfte der Sorge enthoben sein.
 

Quellen:
Das Ostpreußenblatt, "Buchbesprechung", 18.10.1980, Folge 42, Seite 11,
veröffentlicht im Johannisburger Heimatbrief 1981, Seite 18-23

 
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Stand: 01. Januar 2018