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Festschrift zur Feier des 500jährigen Bestehens
von Bialla Ostpr.  1428 - 1928

Zur Kirchenchronik von Bialla

von Pfarrer Link, Bialla.

Kaiser Wilhelm I. schrieb am 1. April 1885, dem 70. Geburtstage Bismarcks: „Es ziert die Natur in der Gegenwart und stärkt die Hoffnung auf die Zukunft, wenn sie die Erkenntnis für das Wahre und Große zeigt und wenn sie ihre hochverdienten Männer feiert und ehrt." Auch die evangelische Kirchengemeinde Bialla ehrt sich selbst, wenn sie der Pfarrer gedenkt, die seit 1539 hier den Samen des göttlichen Wortes hineingestreut haben in die Seelen der Menschen und verkündigt haben das Evangelium von Jesus Christus dem gekreuzigten und auferstandenen Heiland. An einer anderen Stelle der Festschrift anläßlich des 500-jährigen Bestehens von Bialla wird über die äußere geschichtliche Entwicklung der Kirche Bialla geredet werden. Leider sind durch den Einbruch der Russen im Jahre 1914 sämtliche Kirchenbücher und Akten zusammen mit dem 1. Pfarrhaus vernichtet worden. Die Kirche, wie sie in den Jahren von 1756-1763 im 7-jährigen Kriege erbaut wurde, ist stehen geblieben. Die neuen Glocken, die alten wurden der Not des Vaterlandes zum Opfer gebracht, rufen auch heut, wie die alten in früheren Jahrhunderten gerufen haben, die Gemeinde zum Gottesdienst des Herrn.

Sie wurden, 3 an der Zahl, am 13. November 1921 im feierlichen Gottesdienst geweiht. Die Inschriften sind folgende: 1. Ein feste Burg ist unser Gott. 2. Ueber der Heimat liegt Not und Leid, Herr, laß mich künden bessere Zeit. 3. Im Krieg als Opfer dargebracht, bin ich durch Opfer neu erwacht.

Folgende Pfarrer und Diacone haben seit 1539 in der Kirchengemeinde Bialla gelebt und gearbeitet:

Die Pfarrer von 1539 - 1773.

  1. Jakob Pohl war 1539 im Januar.

  2. Laurentius Discordia kam 1552 im Junio in eines verstorbenen Pfarrers Stelle, ward aber 1553 im Februar removiret.

  3. Johann Lapkowski von 1553 ist vorher Pfarrer in Johannisburg gewesen und erhielt 1562 seinen erbetenen Abschied, doch daß er bis Ostern 1563 bleiben konnte.

  4. Matthias Zaobelius war bis 1567, da er dem folgenden weichen mußte.

  5. Johann Lapkowski kam allhier 1567 wieder an, in welchem Jahr er auch der repetit. Corps doctr. unterschrieben, ward aber 1576 als ein de Crypto Calvinismi wegen verdächtiger Lehren im May removiret.

  6. Michael M. war 1586.

  7. Hieronymus Maletius von 1588, starb 1620.

  8. Hieronymus (Martinus) Maletius, des vorigen Sohn, geb. allhier 1598 im Ort kam 1621 in seines Vaters Stelle, nachdem er von 1618 Conrector in Lick gewesen und ist 1662 den 28. Juni gestorben.

  9. Martin Maletius, des vorigen Sohn, geb. allhier 1634 den 9. Januar, und vorhin gleichfalls Conrector in Lick von 1660, kam 1662 in seines Vaters Stelle, ging aber 1671 als Pfarrer nach Claussen.

  10. Bernhard Drigalski, geb. zu Kutten 1642 den 13. Julii, vorhin von 1672 Rector zu Johannisburg, kam hierher 1675 und starb 1710 den 2. November.
     
    Der Leichenstein dieses Pfarrers liegt in der jetzigen Kirche vor dem Altar. Die kulturgeschichtlich sehr interessante Inschrift lautet:

    „Cum peste multa milia hominum anno milesimo septingentesimo decinio in Prussia morirentur mortuus quoque cum sua Elisabetha conjuge omnibus virtutibus ornatissima Dernardus Drygalski ecclesiae Biallensis pastor meritissimus et hic reconditus jacet. Qui ex c njuge sua per triginta duos annos genuit sex filios et tres filias et novem et multorum milium liberorum pater fuit Novem genuit ex conjuge, multa milia genuit sine conjuge, mutrivit sine lacte et cibo, vestiit sine amictu, castigavit sine ferula, solo verbo spiritus sancti. Pastor erat per triginta quinque annos, qui oves suas pascuit non in agris sed in sacris. Pater erat, qui filios et filias mille desponsavit uni ecclesiae, sponso salvatori. Pater erat in ecclesia et filius, pater in officio, filius in obsequio. Postquam ipse lumen vitae anno 1643 die 18 July a viro plurimum reverendo domino Paulo Drygalsky, pastori Kuttensi, et conjux e jus anno 1660 di 9 Augusti a viro nobilissimo domino Wilhelmo Mertens, consule prudentissimo Goldapensi, nacti essent, ambo lumen vitale amiserunt peste, ipse pastor anno 1710 die 3 Novembris, e jus conjux anno 1710 die 13 Octobris adeoque mirum, quod hi, qui pestem animae auffugerunt peste perierint. Sed vero dum 315 pestis intulit mortem simul attulit vitam et hic quidem corpus corrumpit, illic vero animam non invadit. Abi viator et cave, ne pestis scelerum et doctrinae animam inficiat. Sic in aeternum vives, licet peste morieris."

    Die Uebersetzung dieser Inschrift lautet:

    „Als in der Pest viele tausend Menschen im Jahre 1710 in Preußen starben, ist daran mit seiner Gattin Elisabeth, die mit allen Tugenden geschmückt war, Bernhard Drygalski, der sehr verdiente Pfarrer der Kirche von Bialla gestorben und liegt hier beigesetzt. Er hat in seiner Ehe durch 32 Jahre 6 Söhne und 3 Töchter erzeugt. Er ist der 9 und vieler tausend Kinder Vater gewesen, 9 hat er erzeugt aus der Ehe, viele tausend erzeugte er ohne Ehe. Er nährte sie ohne Milch und Brot, kleidete sie ohne Mantel, züchtigte sie ohne Rute allein durch das Wort des heiligen Geistes. Er war durch 35 Jahre ein Pfarrer, der seine Schafe weidete nicht auf den Aeckern, sondern im Heiligen. Er war Vater, welcher tausendmal Söhne und Töchter verlobte, einer Braut und einem Bräutigam verlobte, der Kirche als Braut, dem Heiland als Bräutigam. Er war Vater und Sohn in der Kirche, Vater in der Pflicht, Sohn im Gehorsam. Nachdem er selbst das Lebenslicht im Jahre 1642 am 18. Juli von dem sehr zu verehrenden Manne, dem Herrn Paul Drygalski, einem Pfarrer in Kutten, und seine Gattin im Jahre 1660 am 9. August von dem sehr vornehmen und durch Klugheit ausgezeichneten Manne, Consul Wilhelm Mertens in Goldap empfangen hatte, verloren beide das Lebenslicht durch die Pest. Der Pfarrer selbst im Jahre 1710 am 2. November, seine Gattin im Jahre 1710 am 12. Oktober. Es ist sehr wunderbar, daß die, die die Pest der Seele flohen, durch die Pest zugrunde gegangen sind. Aber in der Tat: Während die Pest 315 den Tod brachte, schaffte sie zugleich das Leben herbei und sicherlich verdirbt sie hier den Körper, dort aber befällt sie die Seele nicht. Gehe fort, Wanderer, und hüte dich, damit nicht die Pest der Frevel und der Wissenschaft deine Seele befällt, so wirst du in Ewigkeit leben, solltest du auch an der Pest sterben."
     

  11. Paul Drygalski, des vorigen Sohn, vorhin Cantor in Angerburg, ward als Adj. seines Vaters 1707 Freitags nach Estomihi zu Schloß ordinieret und ist 1710 am Himmelfahrtsfeste gestorben.

  12. Jacob Bannasch von 1710, vorhin Diac., starb 1725 den 10. August.

  13. David Gottfried Hoffmann, gleichfalls vorhin Diac., wurde 1726 Pfarrer allhier und starb 1746 im Mart. Hierauf ließ der Pfarrer Johann Christoph Groß aus Manchergut sich introduciren, trat aber die Stelle nicht an, sondern blieb an seinem Orte, und

  14. Ephraim Ebel, vorhin Pfarradj. in Lissewen, ward 1747 Pfarrer allhier, welcher aber 1755 einen Adj. und 1757 seine Dimission erhielt, und noch 1773 als ein Privatus lebte.

  15. Michael Groß zu Malga 1723 den 22. August geboren, ward 1755 den 28. November als Adj. ordiniret, 1757 aber im May Pfarrer zu Schmingwalde, noch ehe Ebel seinen Abschied erhielt.

  16. David Borowius kam 1757 in Ebels Stelle, nach dem er bis dahin Diac. des Orts gewesen, und ist 1764 im Dec. gestorben.

  17. Johann Christoph Szurminski, vorhin gleichfalls Diac. hierselbst, ward 1765 am Sonntage Palmarum introduciret, 1773 aber Pfarrer in Rosinsko.

Diaconi von 1630 - 1795.

  1. Jan Falentzki war 1630.

  2. N. N. ward von den Tartaren 166- von der Canzel genommen und gefangen weggeführet, kam aber 1688 (1698) wieder zurück.

  3. Albert Hoffmann (Baginski), geb. 1634 zu Kumilsko ist 1656 den 3. Mart. ordiniret, ward aber 1658 Diacon zu Johnnnisburg.

  4. Hieronymus Rostock, geb. 1639 zu Rostken im Johannisburgschen ward 1661 den 17. Januar ordiniret und starb 1692 den 4. August.

  5. Jacob Bannasch, aus dem Rheinschen gebürtig, vorhin Cantor zu Johannisburg von 1688 ward 1693 den 20. Februar zu Schloß ordiniret und nachher Pfarrer allhier 1710.

  6. David Gottfried Hoffmann (Baginski), geb. 1685 zu Johannisburg, ward in der Pestzeit von dem Erzpriester in Johannisburg ordiniret, und 1711 am Sonntage Invocavit von dem Erzpriester Skerle zu Lyck introduciret, ist nachher Pfarrer des Orts geworden.

  7. Christoph Meyer ist 1726 den 11. Januar zu Schloß ordiniret und 1730 den 1. Februar gestorben. Er ist geboren zu Tapiau 1685 den 17. Februar und war vorhin von 1707 Schulkollege in Fischhausen gewesen.

  8. Johann Bannasch, geb. allhier 1696 den 21. Mart. und vorhin Rector hierselbst, ward 1730 den 7. August zu Schloß ordiniret und am 13. Sonntage nach Trinitatis introduciret, ging aber 1732 als polnischer Diac. nach Rastenburg.

  9. David Borowius, vorhin Rector allhier, ward nach einer 2jährigen Vacanz 1734 den 15. November zu Schloß ordiniret und 1757 Pfarrer des Orts. Geboren ist er zu Rosinsko 1710 den 22. Oct.

  10. Johann Christoph Szurminski aus Marggrabowa, und vorhin von 1741 Cantor zu Johannisburg, ward 1757 den 7. November zu Schloß ordiniret und 1765 Pfarrer hierselbst.

  11. Johann Klinger, geboren zu Ortelsburg, seit 1758 Diaconus in Eckersberg, ward allhier 1765 am Palmsonntage introduciret und starb 1795.

Pfarrer von 1774 bis in die Gegenwart.

  1. Johann Melchior Kempen, seit 1758 Pfarrer in Rosinsko, ward 1774 allhier introduciret und starb 1803.

  2. Johann Bernhard Raabe, Dom. 4p. Trinitatis 1803 der hiesigen Gemeinde vorgestellt, starb 1824.

  3. Theoph. Kendziorra, geboren in Mazuchowken 1762 und ordiniret den 2. November 1787, wurde den 23. Januar 1825 introducirt. Im Jahre 1829 bekam er zum Adjunktus den

  4. Carl Gustav Willamowski, geboren in Arys 1790 und ordinirt den 15.6.1827, wurde vom Rhein 1829 als Pfarradjunkt nach Bialla versetzt.

  5. Arendt -1877.

  6. Theodor Czygan, geboren den 16.10.1826, war bis 1897 Pfarrer in Bialla, starb am 23. Juni 1902 und liegt auf dem Kirchhof Bialla begraben.

  7. Karl Rausch, geb. 1859, war 1885 Hilfsprediger und Rektor in Lötzen, 1885 Pfarrer in Neuhof, 1897-1916 Pfarrer in Bialla.

  8. Dr. Johannes Brehm, geboren 1878, 1904 Hilfsprediger in Puchallowen, 1905 Hilfsprediger in Bialla, 1906 II. Pfarrer, 1916-1926 I. Pfarrer.

  9. Ernst Link, geboren 1884, 1911-1914 Pfarrer in Gr. Koschlau (jetzt abgetretenes Soldauer Gebiet), 1914-1916 2. Pfarrer in Passenheim, 1916-1927 Pfarrer in Kl. Koslau-Gr. Schläfken, 1927 I. Pfarrer in Bialla.

Diaconen und Prediger seit 1795 bis in die Gegenwart.

  1. Johann Christ. Dziobeck, geboren in Lyck, anfangs Cantor daselbst, wurde ordiniret den 22. Januar 1796 und den 21. Februar desselben Jahres introducirt. Im Jahre 1810 entleibte er sich selbst.

  2. Carl Heinrich Gregorowius, geboren zu Rosengarten 1778, war erst Rektor in Kumilsko, empfing die Ordination den 21. Mai 1811, ward Dom. 7p. Trinitatis 1811 introducirt und als Pfarr-Adjunkt nach Widminnen 1814 befördert.

  3. Friedrich August Timotheus Czygan wurde Dom. 3p. Trinitatis 1814 introducirt und als Superindendent 1818 nach Oletzko befördert.

  4. Gottfried Schulz introducirt Dom. 18p. Trinitatis 1820, ward als Pfarrer nach Angerburg 1825 versetzt.

  5. Johann Ferdinand August Szamborski ist den 12. November 1826 lntroducirt worden. Geboren wurde er 1780 in Starzin und ordiniert den 19. September 1826. Er ging im Jahre 1829 als Diaconus nach Ostokollen.

  6. August Hencke, welcher in Poltusk im Jahre 1805 geboren, den 11. Oktober 1829 ordinirt, den 17. Juni 1830 eingeführt worden ist. Er war hier ?......? bis ca. 1852.

  7. Theodor Czygan 1852 - 1877.

  8. Wilhelm Zimmeck, geboren 1851?, 1878-1894 Prediger.

  9. Paul 1894-1905.

  10. Dr. Johannes Brehm 1905-1916 II. Pfarrer.

  11. Werner Lehmbruch, geboren 1893, 6. März 1921 - 25. Juli 1926 II. Pfarrer.

  12. Walter Horn, geboren 7.7.1900, 1925 Hilfsprediger in Bladiau, 1926 II. Pfarrer in Bialla.

Die Kirchengemeinde Bialla ist eine rein evangelische Gemeinde und hat 6.500 Seelen. Sonntäglich ist deutscher Gottesdienst und Kindergottesdienst, alle 14 Tage masurischer Gottesdienst. Von kirchlichen Vereinen sind zu nennen: Die evangelische Frauenhilfe, der evangelische Arbeiter- und Volksverein, der evangelische Männerbund, der evangelische Jungmännerverein, die evangelischen Jungmädchenvereine in Bialla, Kosuchen und Skodden, sowie der Kirchenchor. Wir erbitten weiter Gottes Kraft und Hilfe und werfen Panier auf mit dem 46. Psalm: „Gott ist unsere Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben, darum fürchten wir uns nicht."

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Quelle:
Text auch abgedruckt im Chronik Sammelband Arys - Bialla - Drygallen - Groß Rosinsko,
Selbstverlag der Kreisgemeinschaft Johannisburg / Ostpr. 1982, Seite 111-192,
Das Buch ist leider nicht mehr lieferbar.

 

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Stand: 23. September 2017