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Handfeste 1428
 

 
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Johannisburg in Ostpreußen

 
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Das Dorf auf der Gaylen.

Mit der nachstehend im Wortlaut wiedergegebenen Handfeste erteilte der Komtur zu Balga und Vogt zu Natangen, Jobst Strupperger, der damals zu Eylau, einem Ordenshause seines Komtureigebietes weilte, die Verleihungsurkunde zur Anlage eines Dorfes auf der Gaylen zu Culmischen Rechten.
 

 
     
 

»Geheler Hantfest.«

»Wir bruder Strupperger, kompthur zuir Balge und voyt zui Natangen, thun zue wissen allen den, die diesen unzeren brief sehen ader horen, lesen, das wir von geheiß und willen des erzamen geistlichen mannes bruder Pawe von Rustdorf, unzers hormeisters, und mith rathe, wissen und willen unsser eldisten brüder zuir Balge aus haben gegeben ein gebeuverisch dorf zui kolmischem Rechte auff der Gaylen gelegen, das 60 huben noch unzers landes mosse bynnen den grennitzen und reynen, als das von unzeren brüdern beweyset ist, sall behalden, das wir haben Strupperger genanth. dorinnen der getreuve man Pioter Schultze und besetzer des dorfes ist, dem wir von den 60 huben 6 huben zum Scholzampt vorleyen, im und seinen rechten erben und nachkomelingen erblich und ewicklich zu besitzen zui kolmischem Rechte. davon er uns sall getreuvlich dienen mith hengst und harnisch noch gewonheyt des landes gleich anderen unzeren Scholtzen, und sall uns das selbige dorf getreuvlich besetzen und besatzt behalden. dorzui wir ihm auch vorleyen dy kleinen gericht, als vier Schillinge und darunder, und von sunderlicher begnadigunge den dritten pfennigk der großen gerichte, das er doch keyns an unsser ader unzer anwalden wissen und willen richten sall. Auch von den ehegedachten 60 huben geben wir zuir widmen 4 huben, dy eynem pfarrer zui gehoren sollen. Aber die andern 50 huben vorleyen wyr den eynwonern des dorfes, in und iren erben und nachkomelingen erblich und ewicklich zui besitzen zui Colmischem Rechte. Da von sie uns dienen und sscharwerken sollen mith gebewerischer arbeyt, als ander unsser gebawer thuen, und sollen doruber alle jhar jerlichen auf unzer frawen tagk Lichtmess von einer itzlichen huben funfzehen Scothen gewonlicher müntze dieses landes und 2 hüener und 8 eyer zcinsten und von eynem itzlichen pfluge ader morgen eynen Scheffel wesse und den andern rogken zui pfIugkorn auf Sant Mertens tack des heyligen bischofs geben unzeren hauvsse zuir Balge, doch alzo, das sy zins und Pflugkorn nicht forder dan auf unsser hauß johannispurgk antworten. Auch zo wollen wyr, das die einwoner des dorfes, zo wol der Sdholtz, als die anderen eynwohner dem pfarrer von eyner itzlichen huben eynen scheffel rogken und den anderen haber zui Tetzem an czehendes sthat alle jar auf weihnachten geben sollen. Auch zo geben wyr den eynwonern des dorfes, eynen iderman, noch seynen ersten besatzung, als er ersten dy wiltnis annimpt, 15 jar freyheyt; wen aber die czal der jhar umbekompt, zo zall eyn iderman dienen und zinssen, als oben stehet; Zui mehrem gezeugnis und stetter befestigung haben wir unzer, insigel an diessen brief lossen hangen, der geschriben ist zuir ylaw auf unzerem hauvze anno 1428.«

 
     

Diese Urkunde bestätigt, daß wir es bei dem neugegründeten Dorf mit einem ausgesprochenen Zins- und Scharwerksdorf zu tun haben. Militärische Bedeutung hatte also das jetzige Bialla nicht und ist auch -- das sei hier vorweggenommen festgestellt - niemals befestigt oder von Stadtmauern umgebengewesen. Als festes unverrückbares Datum für die Entstehung Biallas ist also der St. Dionysius-Tag (9. Oktober) 1428 zu bezeichnen. Sein erster Schulze wurde der brave Peter, der damit wohl den Ruf des Gründers unserer heutigen Stadt für sich in Anspruch nehmen kann. Ihm, dem tüchtigen Lokator, wurden 60 Huben angewiesen, deren 50 er mit Anbauern zum LIrbarmachen besetzen sollte. Zum Schulzenamt gehörten 6 und zur Widdem, der Pfarre, wurden 4 Hufen ausgeworfen. Damit ist jedoch nicht ausgesprochen, daß gleich bei Anlage des Dorfes sich dort schon ein Pfarrer oder gar eine Kirche befand. Der Ordensherr hatte in weitsichtiger und kluger Voraussicht, in einer damals auch allgemein üblichen Weise schon die Einrichtung einer Pfarrstelle vorgesehen, die selbstverständlich das schnellere Anwachsen der jungen Ortschaft nicht wenig begünstigte. Peter, der wirklich ein kleiner König auf seinem Dorfbesitz zu nennen gewesen ist, hatte nun dem Orden einen berittenen Bewaffneten zu stellen, und war auch noch der Dorfrichter. Als ssolchem stand ihm eine beschränkte Polizeigewalt zu und in kleinen Streitigkeiten unter »vier schillinge und darunder« hatte er Recht zu sprechen. Im übrigen unterstand er dem Pfleger und Amtshauptmann der Johannisburg. Die Einsassen des Dorfes, die mit den oben erwähnten Masauern zu Anfang kaum zahlreich gewesen sein werden, hatten für die ihnen zu erb und eigen überlassenen Hufen zunächst das übliche Scharwerk zu leisten. Ihre Zins- und Abgabenpflicht bestand in funfzehn Scothen gewonlicher müntze< und in der Abgabe von 2 Hühnern und 8 Eiern für eine jede Hufe. Für jeden Morgen Ackerland waren dann ferner ein Scheffel Weizen und ein Scheffel Roggen als Pflugkorn am St. Martinstag an den Bischof zu Balga auf das Haus Johannisburg zu liefern. War der Schulze auch von diesen Abgaben frei, so hatte er doch ebenso wie die anderen Dorfeinwohner für den Pfarrer als Zehnten je ein Scheffel Roggen und Hafer zum Weihnachtsfeste zu liefern. Bei der noch auf sehr schwachen Füßen stehenden Wirtschaft des neuen Dorfes erscheint dieser Zins zusammengefußt reichlich hoch. Doch ist hier anzuführen, daß demjenigen Einsassen, der sich an das Urbarmachen der Wildnis heranmachte, eine Zinsfreiheit von 15 Jahren verheißen wurde. Das war selbstverständlich ein nicht zu unterschätzender Anreiz für die neuen Siedler und den Nutzen trug der Orden davon, der durch die Kolonisation mehr Ackerfläche und damit größere Abgaben gewann.

In gar nicht allzulanger Zeit muß es dem ersten Schulzen gelungen sein, mit neuen Ansiedlern sein Dorf zu besetzen. Bald hören wir von 88 Huben, die das Dorf umfaßte. Im Jahre 1495 wurde dem Vinzens Heyne (Heyner) der erste Freikrug nebst einer Hufe Land zu köllmischen Rechten mit der Maßgabe verschrieben, daß der Krug an die Landesherrschaft zurückfällt, falls der belehnte ohne Leibeserben verstirbt. Neben diesem Kruge werden auch sicherlich noch ein paar sogenannte >Scharwerkskrüge< in dem aufstrebenden Dorf bestanden haben, d. h. die so bevorrechtigten Besitzer konnten im eigenen Hause Bier brauen und ausschenken. - Derartige Vorrechte waren damals eigentlich nur in den Städten üblich. Da aber erwiesen ist, daß Scharwerkskrüge tatsächlich schon in den Anfingen der Ortschaft vorhanden waren, so liegen diese Privilegien bereits in der Linie der Entwicklung zum Stadtwesen. Das neue Dorf scheint dann auch von Beginn an, wohl dank einer tätigen Besiedlung und damit einer schnelleren Zunahme der Einwohnerzahl, als ein gehobeneres, größer angelegtes Dorf gegolten zu haben.

Wenn wir dann noch ferner erfahren, daß die erste Kirche schon im Jahre 1481 bestand, so wird die oben geäußerte Vermutung auch bestätigt. Bialla war in verhältnismäßig kurzer Zeit ein Kirchdorf geworden. -- Auch die Namen der anscheinend ersten Pfarrer im Orte sind uns bekannt. Im genannten Jahre 1481 nämlich wird an Stelle des erkrankten Pfarrers Nikolai dem ersten ständigen Seelsorger im Dorfe von dem wir Kunde haben --- Petrus Swenteslai aus der Diözese Plozk auf Präsentation des damaligen Komturs zu Balga, Erasmus v. Reitczenstein, als Kaplan in Gaylen eingeführt. Der Kirche, die übrigens der sedes Rössel unterstand, wurde dann bald eine einklassige Kirchenschule angeschlossen, deren Entstehung um das Jahr 1515 angenommen werden kann. An evangelischen Geistlichen werden zu Gala 1539 Jacob Pohl, 1552 Laurentius Discordia, 1553 Joannes Lepkowski und 1566 Mathias Jacobelius genannt.
 

Quelle:
Chronik Sammelband Arys - Bialla - Drygallen - Groß Rosinsko
Selbstverlag der Kreisgemeinschaft Johannisburg / Ostpr. 1982;
Festschrift zur Feier des 500jährigen Bestehens
von Bialla Ostpr. 1428 - 1928,
Seite 111-192.

 
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Stand: 23. September 2017