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Kr. Rößel
 

 
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Johannisburg in Ostpreußen

 
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Der Landkreis Rößel
Zusammenfassender Überblick

Der Landkreis Rößel hat eine Flächengröße von 850,84 qkm und 51.832 Einwohner, das sind 60,9 auf 1 qkm. Er ist der kleinste Landkreis des Regierungsbezirks Allenstein, aber am dichtesten bevölkert. Er gehört zum Ermland und mit seinen landwirtschaftlichen bäuerlichen Mittelbetrieben zu den fruchtbarsten Kreisen der Provinz; betr. des Weizenanbaus stand er nur dem Kreise Rastenburg nach. Die beiden größten Seen, der Große Lauternsee und der Dadeysee, entwässern durch die Simser bzw. durch die Wadang nach der Allee. Die vier Städte des Kreises liegen am Rande in den vier Ecken des Kreises; sie werden von der Haupteisenbahnlinie Insterburg - Allenstein nicht berührt.

Die Stadt Rößel liegt am Zaineflüßchen im nordöstlichen Winkel des Kreises. An dieser Stelle des prußischen Gaues Barten, wo eine alte Landstraße vom Frischen Haff über Heilsberg in die Wildnis und dann weiter nach Polen führte, legte der Deutsche Orden 1241 ein Wacht- und Wildhaus an, das nach dem 4 km nördlich auf einer sandigen Anhöhe gelegenen prußischen Dorf Resel benannt wurde. Die Lage des „festen Hauses" am Steilufer des Eiserbaches war äußerst günstig, weil es da liegt, wo der Bach eine scharfe Biegung nach Südwesten macht und es an zwei Seiten von steilen Abhängen geschützt wird. Als der Deutsche Orden im Vertrage von 1254 einen Teil des Bartengaus dem ermländischen Bischof überließ, wurde die Burg „der nordöstlichste Eckpfeiler des Fürstbistums Ermland". Sie wurde 1353/1375 als quadratischer Block in Stein ausgebaut und war bis 1772 Sitz des bischöflichen Burggrafen, der das Kammeramt Rößel verwaltete. Die preußische Regierung richtete im Schlosse 1780 ein Zuchthaus ein, das bis zum großen Stadtbrand von 1806 bestanden hat. 1822 schenkte König Friedrich Wilhelm III. das stark zerstörte Schloß der evangelischen Kirchengemeinde, die den Südflügel zur Kirche ausbaute. Der mächtige, in der Nordwestecke der Burg sich erhebende Bergfried wurde zum Wahrzeichen der Stadt. Er ist einer der größten der Ordenszeit. Im Schutze der Burg ließen sich Bürger der Neustadt Braunsberg nieder; sie erhielten 1337 das Stadtrecht. Der Grundriß der Stadtanlage ist gitterförmig, in seiner Mitte liegt der fast quadratische Marktplatz. Auf ihm standen das Rathaus und das Brauhaus. Die 1337 dotierte Pfarrkirche St. Peter und Paul wurde 1355/1380 als dreischiffige Hallenkirche erbaut; nach dem großen Brande von Ende Mai 1806, der fast die ganze Stadt einäscherte, wurde sie im Empirestil erneuert. Das ebenfalls abgebrannte Rathaus wurde 1815/1816 auf den ordenszeitlichen Fundamenten erbaut. Im Jahre 1347 gründeten sächsische Augustiner-Eremiten ein Kloster nebst der Johanniskirche; nach der „Verlaufung" der Mönche 1520 standen die Gebäude leer da und wurden 1626 teilweise durch Feuer zerstört. 1632 wurden die Gebäude von den Jesuiten übernommen; sie richteten in ihnen ein Kolleg ein, das bis 1780 eine angesehene Bildungsstätte für das südliche Ermland war. Aus ihm ist das spätere Gymnasium hervorgegangen. Die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt beruhte auf der Landwirtschaft, dem Kleinhandel mit Leinen, Tuchen, Garn und Getreide und auf dem Handwerk. „Unter den Handwerkern waren die Kammacher oder Blattbinder stark vertreten, die bis zum Ersten Weltkrieg ganz Ostpreußen und die benachbarten Gebiete von Polen und Litauen mit Webekämmen versorgten." Im 17. und 18. Jahrhundert waren namhafte Kunsttischler, -Schlosser und Goldschmiede vertreten. Von 1774 bis 1806 war Rößel Garnisonstadt. Von 1818 bis 1862 war die Stadt Kreissitz; die Landräte amtierten aber von ihren Gütern. Erst 1908 (als zweitletzte Stadt Ostpreußens) wurde sie an das Eisenbahnnetz angeschlossen. In jüngster Zeit hatte die Stadt Maschinenfabriken, Sägewerke, Brauereien, Ziegeleien. Weit bekannt waren die Krankenhäuser, die Hospitale für karitative Zwecke und bis 1936 eine Taubstummenanstalt. 1939 hatte Rößel 5.058 meist katholische Einwohner. Am 28. Januar 1945 besetzten die Russen die Stadt kampflos. Von den zahlreichen zurückgebliebenen Bewohnern und Flüchtlingen wurden 60 Männer und Frauen ermordet. Seit 1945 steht Rößel unter polnischer Verwaltung. In Rößel wurde 1501 Jakobus Willich, Humanist und Rektor der Universität Frankfurt (Oder) geboren (+1552). Auch der medizinische Schriftsteller Anton Florian Willich ist in Rößel 1762 geboren.

Die im Südzipfel des Kreises am Flüßchen Dimmer gelegene Kreisstadt Bischofsburg ist 1395 von dem ermländischen Bischof Heinrich III. Sorbom gegründet worden. Sie entstand neben der Burg, die aus einem Wacht- und Wildhaus hervorgegangen ist. Es wurde zum Schutze der Landstraße Königsberg-Warschau gegen die Litauer errichtet. Im Hungerkriege (1414) und im Ständekrieg (1454/66) wurden Burg und Stadt eingeäschert und die Burg bis auf geringe Mauerreste zerstört. Die Stadt entstand neu und zeigt das übliche Siedlungsschema mit Straßen in Gitterform und einem viereckigen Markt. Auf ihm stand das Rathaus, das wahrscheinlich schon im 17. Jahrhundert zerstört worden ist. Die Stadtverwaltung richtete sich in einem Bürgerhaus ein. Im 16. und 17. Jahrhundert entvölkerten Kriege, Seuchen und Brände die Stadt, so daß neben deutschen auch masowische Bewohner sich in ihr niederließen. zwischen 1466 und 1772 stand das gesamte Ermland unter der Oberhoheit des polnischen Königs. Bischofsburg hatte in den schwedisch-polnischen Kriegen besonders viel zu erdulden. Nach dem Tatareneinfall 1656 brannte die Stadt drei Jahre später ab. 1709/1710 forderte die Pest tausend Menschenleben. 1807 und 1812 durchzogen Franzosen die Stadt und plünderten sie aus. Bei dem Brande von 1824 wurden besonders die Häuser am Markt eingeäschert, dabei gingen auch die Laubengänge verloren. Die im Mittelalter einschiffig erbaute Kirche St. Johannes wurde nach dem Stadtbrand von 1766 dreischiffig wiederhergestellt, aber seit 1881 durch romanisierende Bauformen stark verändert. Die nach 1772 gebildete evangelische Gemeinde erhielt 1791 den ersten Geistlichen und Lehrer, aber erst 1842/1846 ein Gotteshaus, eine dreischiffige Basilika mit Chor; der freistehende Turm in Kampanileform wurde 1868/1872 fertiggestellt. Bischofsburg war bis zum Verlust der Burg Sitz eines Burggrafen und Mittelpunkt eines Kammeramts. Danach blieb die an Schicksalsschlägen reiche Stadt lange zeit eine unbedeutende Ackerbürgerstadt mit Leinwand- und Garnhandel. Nach dem Wiederanschluß an Preußen 1772 erlebte Bischofsburg einen Aufstieg, vor allem im 19. Jahrhundert, als sie 1862 Kreissitz wurde, 1872 Eisenbahnanschluß, eine Garnison (1899-1918 und seit 1934) erhielt und sich mehrere Kreisbehörden in der Stadt niederließen. Das Wirtschaftsleben wurde auch gehoben durch eine 1865 gegründete Ofen- und Kachelfabrik, durch Brauereien, Mühlen und verschiedene Geschäftsbetriebe. Beim Russeneinfall 1914 wurden sieben Personen getötet und neun Geschäftsgrundstücke zerstört. Bei der Volksabstimmung wurden im Kreise 35.252 Stimmen für Deutschland, 758 für Polen abgegeben. Im Jahre 1939 hatte Bischofsburg 8.463 meist katholische Einwohner. 1945 wurde die Stadt am 28. Januar von den Russen eingenommen und zur Hälfte zerstört. Sie liegt im polnisch verwalteten Teil Ostpreußens. Der nahe der Stadt gelegene Kracksee mit den herrlichen Parkanlagen und der im Frühjahr an Anemonen, Leberblümchen und Maiglöckchen überaus reiche Stadtwald zogen viele Besucher an.

Die Stadt Bischofstein hat sich neben dem prußischen Dorf Strowangen entwickelt, das auf einer Landzunge des Rohrdommelteichs bestand, er ist 1868 trockengelegt worden. Der Vogt Bruno Luter verlieh dem Dorfe 1346 eine Handfeste und den Namen Schönfließ. Doch setzte sich der prußische Name durch. Bischof Heinrich III. Sorbom gründete bei dem Dorfe 1385 eine Stadt, in die er Strowangen als Stadtdorf einbezog. Der Griffstein, ein großer Findlingsblock auf einer umfriedeten Höhe in der Nähe des Bahnhofs, gab der bischöflichen Stadt den Namen und das Wappen. Ihre planmäßige Anlage bildet ein in nordsüdlicher Richtung langgestrecktes Rechteck mit gitterförmigem Straßennetz. In der Mitte liegt der Markt mit dem Rathaus, das nach dem Brande von 1589 völlig umgebaut wurde. In seinem Obergeschoß war später das Amtsgericht untergebracht. Es brannte 1939 ab. Die Häuser am Markt hatten ursprünglich Laubengänge; sie wurden nach dem Brande von 1908 nicht wiederhergestellt. In der umwehrten Stadt richtete der Bischof ein Amts- oder Gerichtshaus ein, das bis 1457 bestanden hat; heute erinnert der Stadtteil „Richthof" an jenes Gebäude. Von der Stadtmauer und den drei Toren ist nur noch das Heilsberger Tor erhalten geblieben. Die im Jahre 1400 geweihte Pfarrkirche St. Matthias in der Südostecke der Stadt ist aus Feldsteinen erbaut und mit Backsteinen verkleidet. Der Glockenturm wurde erst 1509 vollendet. In den Jahren 1775/1780 wurde die Kirche durch zwei Seitenschiffe erweitert, weil sie von vielen Wallfahrern besucht wurde. Das Stadtdorf Strowangen, das außerhalb der Ringmauer lag, besaß eine eigene Kirche St. Martha; nach ihrem Verfall erbaute die Stadt 1618/1622 die Friedhofskapelle St. Michael. Das wirtschaftliche Rückgrat der Stadt bildeten in alter zeit der Ackerbau und der Handel mit Bier, Flachs, Garn, Leinwand, Hopfen, Honig und Wachs. Später erlangten auch die Handwerker einige Bedeutung. Die Töpfer verarbeiteten den Ton, den sie am Ziegelberge fanden. Tuchmacher, Gerber und Weber waren auch stark vertreten. Die evangelische Kirche wurde 1888 erbaut. 1905 erhielt die Stadt Eisenbahnanschluß nach Wormditt und Angerburg. 1939 hatte sie 3.250 meist katholische Einwohner. Im Kriegsjahr 1945 wurde Bischofstein am 20. Januar bei einem russischen Bombenangriff zu einem Drittel zerstört. Am 29. Januar fiel sie mit dem ganzen nördlichen Kreisgebiet in die Hände der Russen. Seit Mai 1945 liegt sie im polnisch verwalteten Teil Ostpreußens.

Die Stadt Seeburg im südwestlichen Kreisgebiet liegt inmitten mehrerer heute entwässerter Seen auf einer kleinen Anhöhe an der Simser. Der ermländische Bischofsvogt Heinrich von Luter legte kurz nach 1300 die Seeburg zum Schutze der Siedler am Rande der Wildnis gegen die Litauer im prußischen Gau Pogesanien an. Sie wurde zur stärksten Burg des Ermlandes ausgebaut, ihr Turm war der höchste des Fürstbistums. Im 15. und 16. Jahrhundert war sie Sitz der ermländischen Landvögte, die auch die obersten militärischen Befehlshaber waren; bis zum 17. Jahrhundert war sie mit einem Zeughaus ausgestattet. 1783 traf ein Blitz die Kuppel des Schloßturms und steckte das ganze Schloß in Brand; es wurde nicht wiederhergestellt. Die Ziegel und Steine wurden zum Aufbau der gleichfalls abgebrannten Stadtteile freigegeben. Auf den Fundamenten des Westflügels des Schlosses erbauten die Bürger das Rathaus, in das später auch das Amtsgericht einzog. Neben der Burg gründete der Vogt eine Stadt; der Lokator holte die ersten Siedler aus Wormditt und seiner Umgegend. Sie erhielten 1338 eine Handfeste, die 1389 erneuert wurde. Die Anlage der ursprünglichen Stadt zeigt das übliche rechteckige Gitternetz; das auf dem Markt erbaute Rathaus brannte vor 1656 ab. Die Stadt wurde zwischen 1360/1370 umwehrt, ihre drei Tore wurden 1860/1865 abgebrochen. Die Pfarrkirche St. Bartholomäus, eine dreischiffige Hallenkirche, ist am Ende des 14. Jahrhunderts in Stein erbaut worden, die Gewölbe wurden ein Jahrhundert später eingefügt. 1912 wurde sie nach Osten erweitert und der Turm erhöht. Nachdem Seeburg mit dem Ermland 1772 wieder preußisch geworden war, erhielt die Stadt 1787 eine Garnison. Die Bewohner trieben Ackerbau und Handwerk, das vor allem durch die Schuhmacher und Leineweber einen Ruf hatte. Daneben bestanden mehrere Mühlen und ein blühender Flachshandel. In neuerer Zeit waren Molkereien, Sägewerke und einige Gewerbe vertreten. 1939 hatte die Stadt 3.022 Einwohner. Sie fiel am 31. Januar 1945 in die Hände der Russen und liegt seit Mai 1945 im polnisch verwalteten Teil Ostpreußens. Seeburg ist der Geburtsort des um 1572 geborenen Guttstädter Domherrn Johannes Leo (+1635), er ist der Verfasser der Historia Prussiae. Am 3. April 1783 wurde hier der ermländische Bischof Josef Ambrosius Geritz (+Frauenburg 1867) geboren.

In dem bei Seeburg gelegenen Kirchdorf Lokau erblickte der ermländische Bischof Andreas Thiel am 28. September 1826 das Licht der Welt (+Frauenburg 1908). In der fruchtbaren Niederung der Zaine liegt westlich Rößel das Gut Molditten; in ihm hat sich mehrmals der polnische König und Kurfürst von Sachsen, August der Starke, aufgehalten. Er unterhielt hier eine Maitresse, ihre Kinder führten den Namen Grafen von Seeguth-Stanislawski. Im Herrenhaus hingen Bilder jener Familie. - Das anmutig am Zainsee und inmitten von Äckern und Wiesen gelegene Bischdorf war ein bischöfliches Vorwerk, das bereits im 17. Jahrhundert ein Landgestüt hatte. Das dortige Jagdschloß war damals ein beliebter Sommeraufenthalt der ermländischen Bischöfe; es wurde 1807 von den Franzosen zerstört. Nach 1772 wurde Bischdorf Staatsdomäne und von ihr das Gut Niederhof abgezweigt. Vor 1825 gingen Bischdorf und Niederhof in Privatbesitz über. Bischdorf wurde 1874 von dem Vater des Schauspielers Paul Wegener erworben, der hier seine Knabenjahre verlebt hat. Unweit der Eisenbahnstation und des Gutes Bergenthal, dessen Gutshaus auf einen Bau aus dem 14./15. Jahrhundert zurückgeht, liegt Bansen. Es ist mit seinen 1025 ha das größte Rittergut des Ermlands. Das 1359 gegründete Kirchdorf Groß Köllen wurde von rheinischen Bauern besiedelt. Die katholische Kirche ist vor 1400 erbaut und 1890 erweitert worden. In Pissau (seit 1910 Waldensee) wurde am 18. Dezember 1892 der Lehrer und Pionier des Segelflugs, Ferdinand Schulz, geboren (+Stuhm 1929).

Der Landkreis Rößel ist der einzige Kreis ohne einen Patenschaftsträger.
 

Quellen:
Wappen: Johannisburger Heimatbrief 1999, Seite 124;
Text: Guttzeit: Ostpreußen in 1440 Bildern, Verlag Rautenberg, 1972-1996, Seite 81-84;
Postkarte: 10000 Ansichtskarten, Deutschland um 1900 im Bild, Stichwort "Seeburg",
The Yorck Project, Gesellschaft für Bildarchivierung, Berlin, 2001

 
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Stand: 15. Februar 2017