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Kr. Sensburg
 

Sensburg
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Johannisburg in Ostpreußen

 
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Der Landkreis Sensburg / Ostpreußen
Zusammenfassender Überblick

Der Landkreis Sensburg hat eine Flächengröße von 1.231,53 qkm und 54.443 Einwohner, das sind 44,2 auf 1 qkm. Sein Landschaftsbild ist typisch masurisch; er liegt mitten in der Masurischen Seenkette. Die Grundmoränenlandschaft ist gekennzeichnet durch vielzipflige, flache Seen, z. B. der Große Maitzsee und der Drusener See. Quer zu den Endmoränen liegen ganze Scharen langer, schmaler, zu Ketten aneinandergereihter Rinnenseen mit gewundener Form und steilen Ufern, wie der Kersten-, Juno-, Schoß- und Muckersee oder das Talter Gewässer, Nikolaiker See, Beldahnsee. Weite Wälder, zahllose Kuppen und Hügel, flache Senken und Moore wechseln einander ab und machen das Landschaftsbild vielgestaltig und reizvoll. Von der umfangreichen Gesamtfläche des Kreises sind 312,71 qkm mit Wald, 15,45 qkm mit Mooren bedeckt. 662,88 qkm = 54,7 v. H. werden von 4.827 land- und forstwirtschaftlichen Betrieben genutzt. Klein- und Mittelbetriebe (zwischen 5 und 100 ha) nehmen 67,9 v. H. der landwirtschaftlichen Nutzfläche ein. Die im allgemeinen intensiv betriebene Landwirtschaft erzielte gute Erträge im Getreide-, Hackfrucht und Futteranbau; auch die Pferde-, Vieh- und Schweinezucht hatten gute Erfolge. Der Kartoffelanbau belieferte u. a. neun Spiritusbrennereien. - Vor der Ankunft des Deutschen Ordens war das Kreisgebiet von den prußischen Galindern bewohnt. Die Ordensritter begannen im 14. Jahrhundert mit der Erschließung des damals sehr waldreichen Raumes. Die Kreisstadt Sensburg liegt zwischen dem Schoßsee (Czoossee) und den beiden Magistratsseen. Sie wurde vor 1397 gegründet, planmäßig angelegt und erhielt vom Hochmeister Konrad von Jungingen eine Handfeste, die 1444 erneuert wurde. Auf dem quadratischen Markt lag das Rathaus; die ihn umsäumenden Häuser hatten Vorlauben. Nach dem Brande von 1822 wurde das leiterförmige Straßennetz umgestaltet und 1825 das Rathaus neu erbaut. Da die Stadt ganz von Wasser umgeben war, wurde sie nicht durch eine Mauer, sondern nur von einem Plankenzaun umfriedet. Die 1409 erwähnte Kirche wurde am Ostrande der Stadt abseits des Marktes als schlichter Saalbau im 18. Jahrhundert neu erbaut. Die katholische Kirche St. Adalbert wurde 1861 vollendet. Während des Reiterkrieges (1520/1521) plünderten die Polen die Stadt aus und brannten sie nieder; 1568 wurde sie nochmals durch einen Brand zerstört. Nach dem Tatareneinfall von 1656 raffte die Pest zahlreiche Opfer dahin. Nach jedem der Schicksalsschläge bauten die Bürger die Stadt immer wieder neu auf. Seit der zweiten. Hälfte des 16. Jahrhunderts zogen auch Masowier zu. Der deutsche Charakter Sensburgs blieb aber gewahrt. Die Abstimmung am 11. Juli 1920 bewies es eindeutig. Im 18. Jahrhundert wurde Sensburg Garnisonstadt. Im Siebenjährigen Kriege und in den Jahren 1805/1807 und 1812 litten die Bewohner unter den feindlichen Besatzungen. Das wirtschaftliche Wachstum setzte nach dem Ausbau der Landstraßen und nach dem Anschluß an das Eisenbahnnetz ein. Sensburg wurde Eisenbahnknotenpunkt, als die Strecken nach Rastenburg 1897, nach Bischofsburg und Johannisburg 1898 und 1911 nach Arys fertig gestellt waren. Während des Ersten Weltkrieges wurde Sensburg weniger von Zerstörungen betroffen als die Dörfer des Kreises. Der 1915 im Regierungsbezirk Arnsberg gegründete Kiegshilfsverein leistete beim Wiederaufbau wertvolle Hilfe. In den letzten Jahrzehnten hatten sich in Sensburg mehrere Industriebetriebe, besonders Sägewerke, Ziegeleien, Zement-, Steinholz- und Maschinenfabriken, auch Zuckerfabriken niedergelassen. 1939 hatte die Stadt 8.757 meist ev. Einwohner. Im Januar 1945 wurden zahlreiche Trecks aus dem Kreise wegen des späten Fluchtbeginns, der verstopften Straßen durch Flüchtlinge aus Nachbarkreisen und wegen der sowjetischen Angriffe aus drei Richtungen von den Russen eingeholt und zahlreiche Bewohner ermordet und verschleppt. Sensburg wurde am 29. Januar von den Russen besetzt und zu 45 v. H. zerstört. Der Kom. General Fritz Theodor Karl von Below, der in Sensburg die Winterschlacht in Masuren (1914/1915) vorbereitet hatte, wurde zum Ehrenbürger der Stadt ernannt. In Sensburg wurde am 6. Juni 1676 Georg Riedel, Komponist und Kantor in Königsberg, geboren (+1738).

Die zwischen dem Talter Gewässer und dein Nikolaiker (Spirding) See gelegene Stadt Nikolaiken ist aus drei Dörfern entstanden, aus dem 1444 erstmalig erwähnten Nickelsdorf (nach dem Schutzheiligen der Kirche benannt), dem Ort Koniec und dem Dorf Koslau, das auf der westlichen Seite des Talter Gewässers lag. Der Verkehr zwischen dem Ost- und Westufer vollzog sich durch Kähne, seit 1516 durch eine Holzbrücke. Damals waren die drei Orte bereits zu einer Gemeinde zusammengeschlossen. Die 1535 erwähnte Kirche wurde 1686/1688 und dann 1840/1842 durch einen Neubau ersetzt; der Turm entstand 1880. Unter dem Altargerät ist ein Kelch aus dem 16. Jahrhundert bemerkenswert. Die Bewohner des Kirchdorfes trieben Fischfang, Ackerbau und Leinenweberei. König Friedrich Wilhelm I. erhob das Dorf 1726 zur Stadt. Von wirtschaftlicher Bedeutung für sie war der 1764/1765 fertiggestellte Kanal, der den Spirdingsee mit dem Mauersee verband; er diente bis 1789 der Holzflößerei. Während des Pestjahrs 1910 starben 900 Menschen an der Seuche. 1729 und 1833 wurde die Stadt von Bränden heimgesucht. Trotz der von 1770 bis 1809 bestehenden Garnison blieb die Stadt unbedeutend. Sie entwickelte sich erst im 19. Jahrhundert, als sie Dampferverbindung nach Johannisburg, Lötzen und Angerburg und Anschluß an die Eisenbahnstrecke nach Sensburg und Lyck (1911) erhielt. Die günstige Lage in der Nähe mehrerer Seen und Wasserstraßen machte Nikolaiken zu einem beachtlichen Fremdenverkehrsort, was der Stadt wirtschaftliche Vorteile verschaffte. An der Nikolaiker Brücke ist das Wahrzeichen der Stadt, der „Stinthengst", ein großer, in Holz nachgebildeter Fisch, angekettet. Er soll der Sage nach den Fischreichtum der masurischen Seen sichern. Als Spezialität gelten die wohlschmeckenden Maränen, die hier besonders reichlich gefangen und geräuchert werden. 1937 hatte die Stadt 2.727 Einwohner. Am 25. Januar 1945 drangen die Russen aus der Richtung Arys in den Kreis Sensburg ein und besetzten am folgenden Tage die Stadt Nikolaiken. In ihr wurde am 11. März 1700 der Professor Cölestin Kowalewski (+ Königsberg 1771) geboren; er vermachte seine stattliche Büchersammlung der akademischen Bibliothek in Königsberg und stiftete ein Stipendium für Studierende.

Nördlich Nikolaiken, unweit des Junosees, liegt das Kirchdorf Seehesten mit der Ruine einer Ordensburg. Sie ist um 1330 als Wild- und Wachthaus errichtet worden; sie wurde von den Litauern zerstört, um 1367 in Stein und mit einer Vorburg neu erbaut. Sie trotzte dem Angriff Kynstuts 1371 und überstand auch die kriegerischen Vorgänge nach der Schlacht bei Tannenberg. Sie blieb bis zum Ende des 18. Jahrhunderts erhalten. In der Ordenszeit wurde sie von Pflegern verwaltet, von 1525-1751 saßen in ihr Amtshauptleute, die das bedeutende Amt Seehesten verwalteten. Neben dem Ordenshause hatte sich eine Siedlung aus Arbeitern und Handwerkern gebildet, die 1401 von dem Balgaer Komtur Ulrich von Jungingen eine Handfeste als Zinsdorf erhielt. Vom 16. bis ins 19. Jahrhundert hinein wurde das Kirchdorf als „Freiheit Seehesten" bezeichnet. Die Ordenskirche brannte 1619 ab; das neue Gotteshaus wurde bis 1639 in Feldstein erbaut und 1937/1939 restauriert. Der Ort verlor an Bedeutung, als das nahe Sensburg 1818 Kreisstadt wurde. 1939 hatte das Kirchdorf 493 Einwohner und vier über 100 ha große Landwirtschaftsbetriebe.

Westlich Sensburg breiten sich bis zum Gehland- und Sorquitter See die Ländereien des 4.602 ha großen Ritterguts Sorquitten aus. Im 19. Jahrhundert hatte es bedeutende Kalkbrennereien. Die Waldungen umfassen 2.130 ha, die Seen 735 ha. Zu dem Gut gehören die Vorwerke Salucken, Neblisch, Joachimshuben, Lasken, Stamm und Milucken, dazu das Rittergut Heinrichshöfen mit dem Vorwerk Radowen. Als das Herrenhaus im Kriege zerstört war, ließ Freiherr von Paleske 1922/1923 einen Neubau in den alten neugotischen Formen des früheren Hauses aufrichten. In Sorquitten wurde am 3. Mai 1750 der Begründer der Pepiniere (militärärztlichen Bildungsstätte) in Berlin, Johann Goerke, geboren (+ Sanssouci 1822) Am Gehlandsee, der mit seinen malerischen Uferhängen und bewaldeten Inseln ein prächtiges Bild bietet, bestand in Alt Gehland seit 1890 eine Korbflechtschule, in der arme Krüppel und Blinde im Korbflechten ausgebildet wurden. Das dafür benötigte Material wurde in eigenen Weidenkulturen am See gewonnen. Das im Nordzipfel des Kreises gelegene 880 ha große Gut Eichmedien hat ein bemerkenswertes Herrenhaus; es ist ein Bau aus der Ordenszeit mit Wall, Mauer und Tor und zweigeschossigen Kellern. Von ihnen sollen unterirdische Gänge nach Rastenburg und nach Rhein führen. Das Gut betrieb in den letzten 50 Jahren eine intensive Landwirtschaft, baute Zuckerrüben und Raps an und hatte eine bedeutende Schaf-, Rindvieh- und Warmblutzucht. Allgemein bekannt ist Eichmedien durch die Sage von der betrügerischen Krugwirtsfrau, die der Teufel geholt hat.

Das westlich der Pfeilswalder Forst gelegene, 1448 als Beutnerdorf gegründete Peitschendorf trieb eine lebhafte Holzindustrie. Das südwestlich von ihm gelegene Aweyden ist bereits 1397 als Beutnerdorf entstanden. Die 1437 erwähnte Kirche wurde 1600/1603 neuerbaut und 1933/1934 restauriert. Der hölzerne Oberbau des Turms wurde 1687 errichtet. Unweit des Kirchdorfes Ukta liegen zwischen dem Mauersee und dem Beldahnsee die Niederlassungen der Philipponen, Hauptort ist Eckertsdorf. Sie bilden eine Sekte der griechisch-katholischen Kirche und gehören zur Partei der Starowiercy oder Altgläubigen. Da ihre Vorfahren in Rußland vielfachen Verfolgungen ausgesetzt waren, wanderten sie nach Preußen aus, das sie auf Grund einer Kabinettsorder von 1825 aufnahm und in der Johannisburger Heide auf unkultiviertem Land ansiedelte. Sie gründeten zwölf Dörfer, wo sie ihrem Bekenntnis und ihrem Brauchtum gemäß lebten. Ihre Häuser sind einfache Bohlenbauten mit Badehäuschen. Die um 1840 erbaute Kirche in Eckertsdorf, ein schlichter Holzbau mit eigentümlichem Glockenstuhl, wurde nach einem Brande 1921 durch einen Neubau ersetzt. Auf einer Landzunge des Drusener Sees unterhielten die Philipponen ein Nonnenkloster.

Ein besonderes Kleinod des Kreises innerhalb der Johannisburger Heide ist der Krutinnenfluß; er ist von Waldbäumen umfaßt und von ihnen auf einer weiten Strecke fast überdacht; sein Wasser ist so klar, daß man die Fische und den Grund des Flusses beobachten kann. Er mündet in den idyllisch gelegenen Gartensee, der durch eine Wasserader und den Schönfließsee mit dem Beldahnsee verbunden ist. Zwischen dem Niedersee und dem Beldahnsee liegt in prächtiger Landschaft das Dorf Niedersee (Rudczanny). Es ist ein beliebtes Ausflugsziel geworden, vor allem Ausgangsort für Wanderungen, Rundfahrten auf dem Niedersee, für Dampferfahrten über den Spirdingsee nach Johannisburg, nach Nikolaiken, Lötzen, Angerburg. In der Försterei Kleinort ostwärts Peitschendorf wurde am 18. Mai 1887 der Schriftsteller Ernst Wiechert geboren (+1950). Seine Romane „Der Wald", „Wälder und Menschen" u. a. lassen den ostpreußischen, masurischen Wald in feinster Weise erleben.

Patenschaftsträger für Stadt und Kreis Sensburg ist die Stadt Remscheid.
 

Quellen:
S/W-Foto: Archivmaterial;
Wappen: Das Ostpreußenblatt (www.Ostpreussenblatt.de), 2000;
Farbbild: 10.000 Ansichtskarten, The Yorck-Project, Berlin, Stichwort: "Masuren", 2001;
Text:
Guttzeit: Ostpreußen in 1440 Bildern, Verlag Rautenberg, 1972-1996, Seite 84-87

 
 

 

 

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weitere Informationen:
Die Winterschlacht in Masuren 7. - 21. Februar 1915;
Zur Geschichte der Aweyder Kirche. - Sensburger Heimatbrief 2001, Seite 60-63;
Die Kirche in Aweyden nach 1945. - Sensburger Heimatbrief 2002, Seite 57-59;
Zum 50. Todestag Ernst Wiecherts. - Sensburger Heimatbrief 2000, Seite 60-62;
Peitschendorf - 1448 bis 1998. - Sensburger Heimatbrief 1998, Seite 20-22;
Die Schulen im Kreis Sensburg nach dem Stand von 1939. Kirchspiele Seehesten und Sorquitten.
Sensburger Heimatbrief 1998, Seite 57-74;
Die Schulen im Kreis Sensburg nach dem Stand von 1939. Kirchspiele Nikolaiken und Ribben.
Sensburger Heimatbrief 1995, Seite 38-52;
Die Schulen im Kreis Sensburg nach dem Stand von 1939. Die allgemeinbildenden Schulen
in der Stadt Sensburg von 1525 bis 1945. - Sensburger Heimatbrief 1998, Seite 54-68;
Werdegang der Molkereigenossenschat Steinhof (Klein Kamionken)
Sensburger heimatbrief 1998, Seite 75-76;
Die Kirche in Hoverbeck ( Barranowen). - Sensburger Heimatbrief 1996, 51-52;
400 Jahre evangelische Kirche in Sorquitten. - Sensburger Heimatbrief 1995, Seite 36
 
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Ortsplanversand für den Kreis Sensburg:
Nikolaus von Ketelhodt, Kolpingstr. 8, 53359 Rheinbach, Tel: 02226-168301,
Hinweise dazu in den  Sensburger Heimatbriefen
2002, Seite 32; 2001, Seite 38; 2000, Seite 33; 1998, Seite 35; 1996, Seite 23; 1995, Seite 18

 
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Stand: 15. Februar 2017