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die große Pest
 

 
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Johannisburg in Ostpreußen

 
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Masuren
Die große Pest der Jahre 1709-1710

Im Herbste des Jahres 1708 hatte die Pest bei dem Dorfe Bialutten die preussisch-polnische Grenze überschritten, war aber, wie bereits eingehender dargestellt, mit Beginn des strengen Winters 1708/1709 nach Verheerung des Stadtgebietes von Hohenstein, im Süden Ostpreussens erloschen. Als jedoch im Herbste 1709 Königsberg seine letzte grosse Pestepidemie durchlebte und sich in Litauen die schweren Ereignisse von 1710 vorbereiteten, ging auch in dem benachbarten Masuren das grosse Sterben von neuem an. Mag mit Rücksicht auf die Nähe Litauens immerhin ein Übergreifen der Seuche von dorther nicht ganz ausgeschlossen erscheinen, die ersten Pestfälle an der masurischen Südgrenze, sowie vornehmlich die vorhandenen Berichte, deuten doch darauf hin, dass, wie 1708, so auch jetzt die Pest von Polen her über die schwach besetzte Grenze eingeschleppt wurde.

„Ich muss E. K. M. in alleruntertänigster Devotion hinterbringen", schreibt der Amtshauptmann von Lyck anfangs Dezember 1709 „dass die erbärmliche Kontagion nicht allein eine Meile und etwas darüber an der Grenze eingerissen, sondern auch leider nach Dombrowken im hiesigen Amte Lyck sich gezogen, so dass in diesem letzten Dorfe fünf Häuser ausgestorben und verschlossen sind. (971)

Gleichzeitig trat die Pest in Johannisburg auf. Auch hier weist ihr Ursprung auf Polen zurück. Nach einem Berichte des dortigen Magistrates vom 2. Dezember 1709 hätte ein Reisender aus dem verseuchten polnischen Szczucin in des Stadtschreibers Maletius Haus übernachtet; durch einen zurückgelassenen erkrankten Mitreisenden wären daselbst fünf Personen infiziert und gestorben. (972) Die überlebenden Hausgenossen seien in den Wald geflüchtet; in das verödete Haus wäre der Bösewicht Jan Galynska eingedrungen und hätte durch die geraubten infizierten Sachen nicht allein die ganze Stadt, sondern auch das nahe gelegene Dorf Creutz angesteckt, „dass darin viele Leute gestorben und die übrigen sich in die Wildnis retiriert haben." (973)

Während des Winters 1710 scheint die Seuche nicht zu völliger Entfaltung gekommen zu sein. Immerhin forderte sie während des Januar 1710 im Dorfe Cronau 55 Personen. Zahlreicher und eingehender sind die Berichte über das wüten der Pest während der Sommermonate des letztgenannten Jahres. Im Juli 1710 hatte sie das Amt Rhein erreicht. Nach dem Berichte des Amtshauptmanns von Rhein ergriff sie zuerst das Haus des dortigen Kaplans und verbreitete sich dann über die ganze Stadt. Die Zustände in dem verseuchten Orte schildert der erwähnte Berichterstatter in folgenden Zeilen:

"Die Kirche ist geschlossen, und wird das Wort des Herrn teils auf freiem Felde, teils auf dem Schlosse gepredigt. Der Pfarrer hat seine Familie in Sicherheit gebracht und wohnet in einer Hütte, so man für ihn und die Seinigen zu Notisten aufgeschlagen. Die Kranken sterben so schnell dahin, dass man nicht geraten kann, Särge zu machen und die Leichen zu beerdigen." ... „Nachdem er (981) des Amtsschreibers Mutter, Frau, Schwester, Bruder, Schreiber und Jungen, endlich ihn selbst begraben, ist er am 3. Tage selber gestorben. Ich kann es nicht leugnen, dass mir, wie allen Menschen, die Hoffnung, allhier [in Rhein] zu subsistieren, vergehet, indem diese Nacht 16 Menschen rund ums Schloss in diesem Flecken gestorben, die meisten Übrigen aber nebst den Ihrigen ihr Domicil verlassen und unter den Bäumen am See ihr Leben zu retten suchen. Der adelige Gerichtsschreiber, so ein grosses Eck vom Schlosse wohnt, ist auf keine Weise zu bewegen, hierher zu kommen. Hilft hier also weder grosse Courage nach andere Capacität." (982)

Über die Fortschritte der Epidemie in den ländlichen Ortschaften des genannten Amtes berichtet der Rheinische Pfarrer Grabovius im September 1710 an den Oberburggrafen W. Rauschke:

„Es will der beleidigte Gott seine Zornesruten vom hiesigen Amte nicht abwenden, indem von 24 Dörfern meines Kirchensprengels kaum 6 gesund sind. Es kann auch unmöglich anders werden, weil das Gesinde das Stehlen und Nachsichziehen der Verlassenschaften von den Verstorbenen nicht lassen kann, und ist auf diese Art das Freidorf Rübenzahl, allwo über 400 Seelen gewesen, inficiert und sind die Inwohner vermahnt, sich ins Feld zu retirieren, welches einige Häuser auch getan und bis dahin auch noch gottlob am Leben sind. Die andern aber und meisten im Dorfe Gebliebenen sind gänzlich ausgestorben. Im Bauerndorfe Lawken sind 153 Personen gestorben und kaum noch 30 am Leben. Auch das grosse Freidorf Orlen, allwo vormals an 800 Seelen gewesen, ist bis auf den vierten Teil der Bewohner ausgestorben, wie mir die 182 Personen, so am Montag nachm 14. Trinitatissonntage im Gr. Notister Felde kommuniciert, erzählten. Die Dörfer Gr. und Kl. Jauer sowie das Bauerndorf Salza sind auch von der Kontagion befallen. Die Überlebenden sind in die Felder gegangen, nachdem ich die Dorfschaften am S. Michaelstage (991) mit dem heiligen Mahle versehen und leben allda noch gottlob, wie ich beute von ihnen erfahren". (992)

Im Taufregister der Kirche zu Rhein erinnert nachstehende Eintragung von Grabovius Hand an die Schreckenstage der soeben geschilderten Pestzeit:

„den p. 4. Trinitatis. N. B. Das letzte in verheerender grausamer Pest, als ich noch in Rhein war, bis meine Magd tödlich an der Pest krank ward und ich also [den] 16. Juli wegziehen musste. Getauft teils auf dem Montowschen Werder, teils im freien Felde, teils zu Gr. Notisten folgende Kinder:" (993)

Um die gleiche Zeit hatte die Seuche auch im Gebiete von Johannisburg, wo sie bereits im Dezember 1709 aufgetreten war, furchtbar an Ausdehnung gewonnen. Nach einer Meldung des dortigen Amtshauptmanns waren die Städte Johannisburg und Bialla nebst den Dörfern Schwiddern, Wlosten, Kurzontken, Rogallen, Koczek, Snopken, sowie dem Vorwerk Lupken fast gänzlich von Einwohnern entblösst, und die Notizen in den Amtsrechnungen von Johannisburg aus den Jahren 1709/1710 dürften diese Angaben bestätigen. Dort lesen wir:

„An Buss und Straf ist nichts eingekommen, da die Kontagion solches verhindert hat. - Weilen der Amtsschreiber Witt auch an der Kontagion verstorben, so sind die Rechnungen ungefertigt geblieben. - Wegen einfallender Kontagion ist das Mahlwerk nicht getrieben, also auch nichts zur Einnahme gebracht worden. Der Müller zu Jeschkowen (1001) ist wegen der Kontagion in den Wald geflüchtet, der zu Bialla aber ist gestorben". (1002)

Schlimmer noch zeigen sich die Spuren der Pest in den Kirchenrechnungen von Eckersberg, wo es heisst:

bullet

„Eckersberg: ausgestorben.

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Tuchlinnen: ausgestorben.

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Sastrosznen: verpestet gewesen, in der Kontagion ausgestorben.

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Dombrowken: ist mehrsteils ausgestorben.

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Gregersdorf: ist verpestet gewesen.

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Wensöwen: verpestet gewesen.

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Chmilewen: verpestet gewesen.

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Drosdowen : verpestet gewesen.

An Glockengeld, Honig, Seckelgeld und Erdgeld kam während des Pestjahres 1709/1710 nichts zur Kirche. Der Pfarrer Orlovius starb im Juli 1710. Sein Nachfolger musste wegen der Pest auf freiem Felde bei Byngowen (?) introducieret werden".

Hart wurde auch das Amt Lötzen von der Seuche mitgenommen. Auch hier waren die Überlebenden in die Wälder geflüchtet und litten schwer unter Nahrungsmangel. Die Lokalbehörde erhielt daher durch die Regierung im August 1710 den Befehl, die Notleidenden nach Kräften zu verpflegen und für deren Unterkunft zu sorgen. (1003)

Die Verheerungen im Amte Lyck während des Sommers 1710 lässt folgende Eintragung im Tauf- und Sterberegister der dortigen Kirche vermuten:

„Die Continuation der Täuflinge in folgenden Zeiten (1004) hat nicht weiter geschehen können, weilen H. M. Joachim Columbus, Ertzpriester und H. Diakonus Jacob Jack von der damals grassierenden Pestseuche hingefallen. - Wiewiel die grausame Pest hier in dem Kirchspiel hingerafft, soll andermal in den Kirchenbüchern gemeldet werden. Indess ist dadurch eine solche Unordnung eingerissen, dass die wenigsten von denen, so gestorben, sich auf dem Gottesacker haben begraben lassen".

Nach Werner (1011) sollen zu Lyck allein in den Jahren 1709/1710 1.300 Menschen der Pest erlegen sein.

Den Höhepunkt ihrer Verwüstungen erreichte die Seuche im Amte Angerburg. Nach Ausweis der dortigen Kirchenbücher starben im Kirchspiel des genannten Ortes im Jahre 1709 291, 1710 dagegen 3.229, insgesamt 3.520 Bewohner an der Pest. Davon entfielen auf die Stadt allein 1.111 Personen, unter denen sich auch der Bürgermeister Thomas Anderson nebst seiner Familie, der Diakonus Jakob Nebe, Rektor Magister Johann Christian Helwing sowie sämtliche Lehrer befanden. (1012) Der Friedhof konnte die Massen der Verstorbenen nicht mehr aufnehmen. Man begrub daher die Leichen an jener Stätte; die noch bis heute der „Pestkirchhof" genannt wird. Ein bleibendes Denkmal aufopfernder Menschenliebe setzte sich in jenen Schreckenstagen die Gräfin Eleonore v. Lehndorf, indem sie täglich eine vierspännige Fuhre Lebensmittel nach der Stadt schickte und diese so vor dem Äussersten bewahrte.

Dieselben Momente, welche der Pest in Litauen so günstige Lebensbedingungen geschaffen hatten, mussten naturgemäss in gleicher Weise dem benachbarten Masuren verhängnisvoll werden. Denn auch dieses Gebiet gehörte zu der vom deutschen Orden nur spärlich kolonisierten "grossen Wildnis", bildete vielleicht den dunkelsten Teil derselben, den die Ungunst der Verhältnisse früherer Zeiten härter als Litauen mitgenommen hatte. (1013) Und als dort widrige Naturverhältnisse die gewohnten Lebensbedingungen versagten, als Missernte und Hungersnot die Bewohner gegen die Seuche widerstandslos machten, brach auch über Masuren dasselbe schwere Geschick herein.

Im April 1710 hatte die Hungersnot den Bürgermeister von Lyck zu einem Bittgesuch an die Regierung getrieben, in welchem er um Getreide aus den Amtsspeichern für die hungernden Einwohner nachsuchte. In ähnlichen Worten hält sich eine Eingabe des Amtsverwesers von Rhein im Juli 1710. "Bei diesen unglücklichen Zeiten", so motiviert der genannte Bittsteller sein Gesuch, „ist hier alles so erschöpft, dass an Zins und Schoss nichts einkommt und also das nötige Geld sowohl zum Unterhalte der Pestpriester und anderer Pestbedienter als zu den benötigten Medikamenten und Unterhalt der Verarmten und Kranken mangelt. Die Bürger sind bei so lange anhaltendem Unglück so verarmt und erschöpft, dass die gehaltenen Kollekten, als das einzige Mittel etwas aufzubringen, kaum 50 Fl. abwerfen, da sie sonst in verwichenen Jahren 700 bis 1.000 Fl. einbrachten. Und da ich wegen Mangels der Lebensmittel nicht länger werde subsistieren können, so werde ich mich nach Hause zu begeben resolvieren müssen; denn gewiss, die wahre Ursache der Pest ist die Hungersnot, aus welcher das ganze Übel entstanden." (1021)

In Lyck hatte der Erzpriester von seinen vier Diensthufen drei Scheffel Getreide geerntet und die Regierung um Brotkorn angefleht. Im Amte Angerburg war nach einer Relation des dortigen Amtshauptmanns vom Juli 1710 der Mangel so gross, dass, wie es heisst, „die Menschen das ausgeführte Luder, vor welchem viele Hunde einen Ekel und Abscheu tragen, wirklich zur Speise geniessen, daher es fortmehr unumgänglich nötig, der Armut mit Rat und Tat zu sekundieren". (1022)

Und nun die sanitären Verhältnisse Masurens! Sie waren fraglos noch ungünstiger als in Litauen, wo man doch noch hie und da einem, wenn auch nicht immer tüchtigen Arzte begegnete. In dem weiten Gebiete der „polnischen Ämter" geschieht während der Pest von 1710 nur eines Arztes Erwähnung. Fast hat es den Anschein, als ob hier das niedere Pest- und Wartepersonal die Stelle der Ärzte vertreten musste. Und auch daran war erfahrungsgemäss überall Mangel; um so mehr, als hier, wie wir hörten, selbst das nötige Geld fehlte, das vielleicht noch manchen dazu bewogen hätte, sein Leben in die Schanze zu schlagen. In ihrer Not griffen die Ortsbehörden zu den gleichen bedenklichen Mitteln, wie in den andern Seuchengebieten und pressten Vagabunden, Bettler und Verbrecher zum Kranken- und Beerdigungsdienste. So stellte Oletzko im August 1710 die Delinquenten Jakob Rischke und Johann Kaminsky als Pestkerle und Totengräber an. Natürlich konnte von Leuten solchen Schlages ein rechtes Versehen dieses verantwortlichen, höchste Selbstverleugnung heischenden Berufes nicht erwartet werden.

„Die Pestbarbiere und Pestkerle", so heisst es in einer Eingabe des Magistrats von Oletzko an das Königsberger Sanitätskollegium, „tun ihre Schuldigkeit nicht und überlassen die Kranken und Verstorbenen grösstenteils ihrem Schicksale. Daher es nötig wäre, dass ein Medikus herunterkäme, um das alles zu untersuchen. Zwar hat die Regierung an das Sanitätskollegium in Lötzen geschrieben, es möchte der aus dem nächsten Amte kommen. Aber es ist niemand da als der Stadtphysikus Hübner in Rastenburg, der sich aber ins Rheinische und Johannisburgische begeben, und weiss niemand, wo er ist, also dass sich das Amt ganz verlassen sieht" (1031)

Im Amte Lötzen war anfänglich kein Pestbarbier aufzutreiben. Erst dem energischen Vorgehen des dortigen Amtshauptmanns, der sich ein Verzeichnis sämtlicher Bader seines Bezirkes mit der Bemerkung einreichen liess, "es müssen doch Barbiers da sein, weilen man sie zum Haarschneiden nötig hat", und den Säumigen mit Konzessionsentziehung drohte, gelang es, leidliche Abhilfe zu schaffen (1032)

Es darf nicht wundernehmen, wenn unter den geschilderten Umständen auch hier in den verödeten Häusern und auf den Landstrassen die Pestleichen oft unbeerdigt liegen blieben und die Gefahr der Ansteckung vermehrten. Und dass auch in Masuren die Fälle nicht selten waren, in denen scheinbar Tote in Gefahr kamen, lebendig begraben zu werden, zeigen mehrere Beispiele (1033)

In einem Berichte vom August 1710 an das Sanitätskollegium in Oletzko erzählt der Landkämmerer von Widminnen, „dass der Jan Pazynsky aus Sucholasken für tot auf die hinter dem Dorfe gelegene Grabstätte hinausgetragen und in die Grube von seinem Weibe eingelegt worden sei. Da aber dieses Weib ihn nicht allein verscharren wollen, sondern, sich vor dem entstehenden Gewitter fürchtend, ihn unverscharrt liegen gelassen und mit der Mulde bedeckt, willens, die Verscharrung später vorzunehmen, so ist dieser Mensch aufgestanden und hat sich ins Dorf begeben. Allein dabei ist er auf der Steinbrücke hingefallen und hat sich an einem Steine dergestalt den Kopf lädieret, dass das Mark hervorgekommen und ist an selbigem Orte liegen geblieben. Gleichfalls ist in diesem Dorfe ein Weib vor tot zu Grabe getragen worden, welche, als sie ins Grab eingesenket worden, sich aufgerichtet und lebendig geworden, massen selbige auch annoch am heben ist. (1041)

Neben dem Hunger und den gewiss sehr mangelhaften sanitären Verhältnissen trug das Verhalten der Bevölkerung viel zu dem furchtbaren Pestelende bei. Sowie der litauische Bauer den Anordnungen der Pestärzte nur gezwungen Folge leistete, vielmehr in abergläubischer Weise sein Heil in der Selbsthilfe suchte, so auch, ja vielleicht in noch höherem Grade, setzte die polnische Bevölkerung Masurens den Anordnungen der Pestbarbiere den äussersten Widerstand entgegen. Dazu trat der Verkehr zwischen Kranken und Gesunden, der durch nichts gehemmt wurde. War in Litauen beim Ausbruch der Seuche wenigstens noch der Versuch gemacht worden, verpestete Ortschaften von der Aussenwelt abzuschliessen, so lassen sich die Spuren derartiger Sicherheitsmassnahmen für Masuren im Jahre 1710 scheinbar nicht nachweisen. Und wer sollte solche auch veranlasst haben! War doch der grösste Teil der Verwaltungsbeamten dem Beispiele der Königsberger Regierung gefolgt und hatte, freilich oft dem Drange der Not gehorchend, seinen Amtskreis verlassen. Als typisches Beispiel für die Übertragung der Pest durch den ungehinderten Verkehr seien die Verhältnisse des Amtes Rhein angeführt. Dort konnte es geschehen, dass nach dem Berichte des Ortspastors trotz aller Warnungen desselben und aller eigenen übeln Erfahrungen zuwider, das Stehlen der Hinterlassenschaft an der Pest Verstorbener im Schwange war, wodurch nachweislich die Dörfer Gr. und Kl. Jauer, Lawken, sowie die Freidörfer Orlen und Rübenzahl im Sommer 1710 infiziert wurden. (1051) Die Einwohner der verpesteten Orte Ruhden und Paprodtken konnten nebst den aus Lötzen Geflüchteten, vom Hunger getrieben, die Seuche in gesunde Orte tragen, und erst ihre zu argen Räubereien veranlassten ihre Zurücktreibung durch ein besonderes Aufgebot des Amtsverwesers v. Bieberstein und des Lötzener Bürgermeisters Stange. (1052) Der Krüger Kownatzki, dessen Frau der Pest erlegen, wurde nebst einem Weibe der Schrecken der Dorfschaft Mierunsken und seiner Umgebung. Diesen Übeltätern, welchen man aus Furcht vor Ansteckung anders nicht beizukommen wagte, sollten auf Anordnung der Regierung die Beine mit grobem Hagel zerschmettert werden, „damit sie um so genauer inquirieret, die Seele gerettet, das übrige des Leibes aber zur wohlverdienten Strafe gezogen werde". (1053)

Mit Eintritt des Winters 1710/1711 war die grosse Volksseuche auch in Masuren erloschen. Scheinbar ermüdet, hatte der Tod die furchtbare Sichel sinken lassen, nachdem die stark gelichteten Reihen der Bevölkerung ihm nur noch geringen Widerstand boten. Wer vermöchte alle die Opfer zu zählen, die dem grausigen Geschicke erlagen! Es mag hier nur versucht werden, die Verheerungen der Pest in einigen Ämtern zusammenfassend darzustellen.

Nach einer amtlichen Aufzeichnung vom 1. Juni 1711 blieben in Lötzen nur 31 Männer, 33 Frauen, 15 Bürgersöhne, 25 Bürgertöchter und 15 Arbeitsleute, insgesamt 119 Personen von der Seuche verschont (1054) Gerss gibt die Zahl der in Lötzen an der Pest Verstorbenen auf 800 Personen an, worunter sich u. a. auch die beiden Geistlichen befanden. (1055) In der Kirche zu Rydzewen erinnert ein Epitaph am die Leidenstage der Pest; welches Pfarrer Sartorius seinen 7 Kindern setzte, die 1710 in 7 Tagen an der Seuche starben. (1056)

Einen Überblick über die Ausbreitung der Krankheit im Amte selbst mag nachstehendes Verzeichnis ermöglichen. Darnach waren infiziert in:

bullet Schwiddern:
bullet

  1 Schulzenhaus

bullet

15 Bauernhäuser

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  3 Chalouppen (1061)

bullet Sulimmen:
bullet

  3 Schulzenhäuser

bullet

  3 Kölmische Häuser

bullet

13 Bauernhäuser

bullet

  4 Chalouppen.

bullet Graywen:
bullet

  1 Schulzenhaus

bullet

  8 Bauernhäuser

bullet

  2 Kölmische Häuser

bullet

  1 Chalouppe.

bullet Spiergsten:
bullet

  4 Schulzenhäuser

bullet

13 Bauernhäuser

bullet

  1 Vorwerkshaus

bullet

  5 Chalouppen.

bullet Kosuchen:
bullet

  3 Schulzenhäuser

bullet

16 Bauernhäuser

bullet

  5 Berahmungshäuser (?)

bullet

  4 Chalouppen.

bullet Campen:
bullet

  2 Schulzenhäuser

bullet

  1 Krügerhaus

bullet

  9 Bauernhäuser

bullet

  2 Chalouppen.

bullet Upalten:
bullet

  4 Schulzenhäuser

bullet

13 Bauernhäuser

bullet

    Die Vorwerksgebäude

bullet

  7 Chalouppen.

bulletRuhden:
bullet  1 Schulzenhaus
bullet  4 Krügerhäuser
bullet  1 Bauernhaus
bullet     Die Mühle
bullet  7 Chalouppen.
bulletKoszinowken.
bullet  9 Bauernhäuser
bullet  5 Chalouppen.
bulletGr. Konopken:
bullet  2 Schulzenhäuser
bullet  7 Bauernhäuser
bullet     Die Mühle
bullet  3 Chalouppen.
bulletGr. Wronnen:
bullet  1 Scbulzenhaus
bullet  1 Krügerhaus
bullet  7 Bauernhäuser
bullet  4 Chalouppen.
bulletBogaczewen:
bullet  2 Schulzenhäuser
bullet13 Bauernhäuser
bullet    Die Pfarrwiddem
bullet    Der Pfarrwittibben Haus
bullet11 Chalouppen.
bulletWillkassen:
bullet  2 Schulzenhäuser
bullet  5 Bauernhäuser
bullet  3 Chalouppen.
bulletRydzewen:
bullet  3 Schulzeuhäuser
bullet  9 Bauernhäuser
bullet  1 Schmiede
bullet  1 Kölmisches Haus
bullet  2 Chalouppen.
bulletTalten:
bullet  1 Bauernhaus
bullet  1 Chalouppe.
bulletKl. Wronnen:
bullet  2 Schulzenhäuscr
bullet  7 Bauernhäuser
bullet  2 Chalouppen.
bulletDannowen:
bullet  9 Frey-Häuser
bullet  2 Chalouppen.
bulletSchedlisken:
bullet  3 Schulzenhäuser
bullet25 Bauernhäuser
bullet  3 Chalouppen.
bulletPaprodtken:
bullet  3 Schulzenhäuser
bullet  3 Kölmische Häuser
bullet22 Bauernhäuser
bullet  6 Chalonppen." (1071)

Unter dem Inventar der Stadt Oletzko wird ein silberner Schild mit folgender Inschrift aufgeführt:

„Anno 1710 hat die grausame Seuche der Pestilenz, weiche fast das ganze Land Preussen eingenommen, sich in dieser Stadt geäussert, woran 932 (1072) Personen jung und alt und darunter die meisten aus dem Rat und Gericht verstorben und sind nur überblieben

bulletHerr Albrecht Dziengiell, Bürgermeister.
bulletHerr Friedrich Goszali, Richter und Stadtschreiber.
bulletHerr Johann Drommundt, Ratsverwandter.
bulletHerr Martin Schulz, Gerichtsverwandter.
bulletHerr Albrecht Dullo, Gerichtsverwandter.
bulletHerr Leonhard Grabowsky.

Von der gemeinen Bürgerschaft 92 Personen, welches zum Andenken der Nachwelt auf diesen Schild haben aufzeichnen lassen die vorbenannten Magistratspersonen. Gott wolle dergleichen schädliche Seuchen in Gnaden von dieser Stadt abwenden und selbige zum vorigen Flor bringen. (1073)

Über die Zustände der Verwüstungen im Amtsbezirke von Angerburg berichtet neben dem Gehörten das Kirchenbuch von Benkheim. Dort findet sich von der Hand des Ortspfarrers Christoph Gregorowius folgende Eintragung:

„Anno 1710. Vom Mai hat die Pest so heftig grassiert, dass im September schon fast keine Menschen zu sterben übrig waren. Da ist auch das liebe Korn im Felde geblieben und garnicht [ein geerntet] worden. Im Angerburgischen und Sperlingschen Kammeramt hat es so gegangen, dass in manchem Dorfe kaum zwei oder drei Personen überkrankt. Daher denn nun auch die Königlichen Vorwerke sollen im Korn- und Sommerfelde total fast ruinieret sein."

Dem Schreiber entsank die Feder. „Ipse qui hoc scripsit peste obiit" setzte sein Nachfolger hinzu.

Aus dem Kirchspiele Kutten starben im Jahre 1710 1.372 Personen; der Kirchort selbst war bis auf den Pfarrer Drigalski seinen Sohn und einen Knecht ausgestorben. Die beiden Männer durchsuchten die Häuser des Dorfe und versenkten die gefundenen Leichen, da es an Särgen gebrach, samt ihren Betten in einer Lehmgrube. Die Ställe wurden geöffnet, und die Tiere gingen frei in den Feldern umher. Niemand kümmerte sich um die Ernte. Das Getreide verdarb auf dem Halme, das Obst auf den Bäumen. (1081)

Auf dem Gute Przytullen war von sämtlichen Bewohnern nur eine Gänsemagd übrig geblieben. Die eitle Törin fand ihre Freude daran, wie Drigalski erzählt, sich mit den Gewändern und dem Schmucke ihrer verstorbenen Herrin zu bekleiden und so in der schauerlichen Einsamkeit der verödeten Räume des Gutshauses die grosse Dame zu spielen.

Zum Gedächtnis an die überstandene Schreckenszeit liess Drigalski am Orgelchor seiner Kirche ein Gemälde herstellen, welches den Tod mit geschwungener Sense auf dahinjagendem Rosse, umringt von Leichen zwischen geöffneten Gräbern schauen lässt, gefolgt von einem unabsehbaren Leichenzuge.

Als sich endlich die Wasser der Trübsal in etwas verlaufen und die schwergeprüfte Bevölkerung wieder Mut gefasst hatte, da stand ihr eine neue Heimsuchung bevor. Die Viehseuche, welche nach Erlöschen des grossen Sterbens unter den Menschen auch an andern Orten Ostpreussens aufgetreten war, räumte namentlich unter den Pferdebeständen der Ämter Angerburg, Rhein und Lötzen auf und raubte so den unglücklichen Bewohnern noch das letzte, was sie aus den Leidenstagen der Pest gerettet hatten. Ja es war, als ob die Plagen Ägyptens über Preussen verhängt wären. Auch Heuschreckenschwärme, eine in unseren Breiten ungewöhnliche Erscheinung, ergossen sich im Sommer 1711 in solchen Massen über das Land, dass nach Angabe der Regierung von ihnen die Sonne verdunkelt wurde. Was auf dem Halme stand, wurde in den heimgesuchten Strichen, namentlich in den Dörfern Kelbonken, Aweyden, Uklanken, Peitschendorf, Pruschinowen, Grabowen und Borowen des Amtes Seehesten, vernichtet, und der Gestank des verendeten Ungeziefers liess den Ausbruch einer neuen Seuche befürchten. (1091)

Weite Strecken Landes waren durch die Pest herrenlos geworden und gingen in königlichen Besitz über. Der Acker ward teilweise wiederum zu Wald, und die häufigen Spuren früheren Anbaues in einzelnen Gegenden Masurens, die jetzt mit alten Waldungen bestanden sind, dürften vielleicht als Wüstungen der Pest anzusprechen sein.

Die wenigen Überlebenden hatte eine förmliche Heiratswut, eine gewöhnliche Folgeerscheinung grosser Volksseuchen, erfasst. Heute noch bettete der Mann Weib und Kind ins Grab, morgen schon raffte ihn, den Neuvermählten die Pest vom Traualtar hinweg und während ihn seine neue Lebensgefährtin verscharrte, zog sie wohl der erstarrten Hand den Trauring ab, um ihn einem andern anzustecken und schliesslich dann selbst in kurzer Zeit dahinzusinken. Im Kirchspiel Benkheim betrug die Zahl der Eheschliessungen während des Pestjahres 1710 97, gegen 20-40 in normalen Zeiten, eine Ziffer, die selbst heute bei einer reichlich dreifachen Bevölkerungsdichtigkeit kaum erreicht wird." (1101)

Aber trotz alledem wuchs die Bewohnerzahl nur langsam. Selbst die wiederholten Aufforderungen der Regierung und die Bewilligung von Freijahren vermochten anfänglich nur in wenigen Fällen diejenigen, welche aus Furcht vor der Seuche Haus und Hof verlassen hatten, sowie fremde Kolonisten, zur Rückkehr und Ansiedelung zu veranlassen. Das Dorf Gassöwen lag noch nach 27 Jahren wüste.
 

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Anmerkungen:

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(971) E. M. 107b. Um die bessere Sperrung der Grenze zu ermöglichen, bittet er um Stellung von Wybranzen auf Staatskosten, da die Bauern nicht imstande seien, aus eigenen Mitteln täglich pro Mann 6 Groschen aufzubringen.
 

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(972) Bötticher VI. 50. Maletius selbst blieb von der Pest verschont. Aus Dankbarkeit stiftete er der Kirche einen silbernen Kelch, der sein und der Seinigen Bild mit dem Verse trug:
     Ut quondam magno stimulatus amore Creator.
     Seruauit ternos summo in igne viros,
     Sic mihi nil nocuit contagio nilque maritae,
     Nil nato nocuit pestis acerba meo.
     Quare submissas simili (1) de corde, Jehouah
     Nostra tibi grates promere triga cupit.
     Serues nos porro diuturna in tempora Jesu
     A nostroque fuges limine, praua, rogo."
     (1) Wohl humili.
 

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(973) E. M. 107b.
 

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(981) Gemeint ist ein Schwager des Amtsschreibers, namens Helbing.
 

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(982) E. M. 107 b. In einem späteren Berichte zeigt der Amtshauptmann der Regierung an, dass auch er nach Kl. Notisten gegangen sei, nachdem er das Schloss einer Wybranzenwache übergeben und das letzte Korn Getreide aus den Amtsspeichern unter die wenigen Zurückbleibenden verteilt habe.
 

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(991) 29. September.
 

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(992) E. M. 107b.
 

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(993) Es folgen die Namen von 14 Täuflingen, darauf 5 leere Seiten. Vor der Eintragung vom 5. Februar 1711. heisst es: „Nach der Pest, da ich in Gottes Namen die Widdem bezog." Die Eintragungen im Totenregister hören mit der Bemerkung auf: „Bis an der Pest" und beginnen erst im Jahre 1713 wieder.
 

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(1001) Nach Goldbeck ist Jeschkowen seit der Pest eine Wüstung.
 

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(1002) Ostpr. Fol. 468.
 

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(1003) E. M. 107b.
 

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(1004) 20. Juli 1710
 

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(1011) Werner, Poliogr. Pat.
 

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(1012) Auf Kehlen entfielen 215, Ogonken 109, Roggen 19, Harzen 312, Strengeln 173, Doviaten 119, Krzywensken 139, Brosowken 91, Wentzken 91, Paulswalde 123, Butschen 50, Pietrellen 139, Sobiechen 101, Olschewen 190, Wensowken 59, Reussen 72, Numeyten 18, Stulichen 59, Vorwerk 10 und auf die „Gärtnerhäuser" 39 Pestfälle. Das Verzeichnis des Anhanges weicht von diesen Angaben etwas ab.
 

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(1013) B. Pisanski, Nachricht von dem im Jahre 1656 geschehenen Einfall der Tartaren in Preussen. Auch die Seuchen des 17. Jahrhunderts hatten Masuren schwerer denn Litauen heimgesucht. In dem einzigen Kirchspiel Kalinowen, welches im Jahre vorher an 800 Einwohner durch die Tartaren verloren hatte, wurden im Jahre 1657 durch die Pest 635 Menschen dahingerafft. Im Johannisburger Gebiete wütete die Viehseuche so arg, dass nach den dortigen Kirchenrechnungen in dem genannten Jahre innerhalb des weitläufigen Kirchspiels kein Pferd aufzutreiben gewesen sein soll. Im Hauptamte Johannisburg wurden 1.000, im Hauptamte Lyck 1.569 1/2 Hufen bei der Steuerveranlagung als wüst angegeben.
 

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(1021) E. M. 107b.
 

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(1022) E. M. 107b.
 

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(1031) Berlin Stdt.-A. Rep. 7. 42a.
 

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(1032) E. M. 107 b.
 

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(1033) E. M. 107 b.
 

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(1041) Berlin Geh. St.-A. Rep. 7. N. 42a. Aus dem Amte Rhein erzählt der dortige Amtshauptmann, dass ein Kind nach zweitägiger Krankheit für tot gehalten worden wäre. „Man hat dasselbe in den Sarg geleget, darinnen es die Nacht über geblieben, und da sie die Leiche, über welche die Eltern sehr betrübt, haben wegführen wollen, hat sich das Kind wieder zu regen angefangen, vollkommen gelebet, von den Eltern aus dem Sarge genommen, die ihm Essen gereichet und es wieder angekleidet haben. Es lebet dieses Kind noch bis auf diese Stunde. Sein Vater ist ein Tischler namens Gross und lebet allhier zu Rhein."
 

bullet (1051) E. M. 107 b.
 
bullet (1052) E. M. 107 b.
 
bullet (1053) Berlin Geh. St.-A. Rep. 7. 42a u. Kbg. St.-A. E. M. 107 b.
 
bullet (1054) E. M. 107b. Die Namen derselben sind bereits vom Verfasser in den Mitteilungen der „Masovia" Heft VIII S. 220 zum Abdruck gebracht.
 
bullet (1055) N. Pr. Pr. 13. Jahr-. 1852.
 
bullet (1056) Bötticher VI. S. 96.
 
bullet (1061) Frischbier I. 330. Kaluppe, altes, schlechtes Haus, pol. chalupa, lit. kalupa.
 
bullet (1071) E. M. 107 b. Die Zahl der verseuchten Häuser weicht vom Hauptverzeichnis unwesentlich ab.
 
bullet (1072) Das Hauptverzeichnis gibt 922 an.
 
bullet(1073) E. M. 132 b.
 
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(1081) Aus Collectaneen des Herrn Präzentor Anderson-Popelken. Aus Anhänglichkeit an seinen Stall kam alle Abend ein Ochse auf den Kutter Pfarrhof. Da es den drei Personen für den Winter an Vorrat mangelte, so wurde das Rind geschlachtet, wobei Drigalski als Sohn eines Kurfürstlichen Landschöppen, also eines Landmanns Kind, genötigt war, die Hauptarbeit zu verrichten. Als der kleine Sohn des Geistlichen diesen mit blutbefleckter Schürze an dem Tiere hantieren sah, fing er an zu schreien und gab auf Befragen nach dem Grunde seiner Betrübnis zur Antwort: „Ich glaubte, mein Vater wäre der Herr Pfarrer, nun ist er ein Fleischer geworden."
 

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(1091) E. M. 107b. Am 7. September 1711 erliess die Regierung nachstehende Verordnung:
„Nachdem an vielen Orten unseres Königreiches sich eine grosse Zahl und Menge Heuschrecken, welche durch ihren Zug die Luft verdunkeln sehen lassen und nicht allein zu besorgen, dass durch solches Ungeziefer das übrige, so annoch im Felde vorhanden, zernichtet werde, sonderlich auch die Luft durch den nachfolgenden Gestank bei ihrem Absterben infiziert werde, wodurch denn sowohl bei den Menschen wie auch beim Vieh verderbliche Seuchen und ansteckende Krankheiten künftighin entstehen könnten, also haben wir diesem besorgenden Unheil unter göttlichem Beistande vorzubeugen folgende Mittel in die Hand zu nehmen dienlich befunden:
Anfänglich müssen an jedem Ort, wo dergleichen Ungeziefer sich findet, einige Leute bei anbrechendem Tage in den Feldern mit breiten Schaufeln sich einfinden und die von der Kälte betaumelten Heuschrecken mit der verkehrten Seite totschlagen.
2. Dieselben auf einen Haufen geschaufelt und verbrannt werden, dieweil solcher Rauch und Gestank die andern vertreibet.
3. Muss wohl beachtet werden, dass dieses Ungeziefer nicht tot auf dem Felde gelassen werde, sintemal aus ihren toten Körpern und aus den daran hangenden Eiern die neue Brut entstehet und solchergestalt dieses Geschmeiss auf künftiges Frühjahr sich einfinden könnte, sondern in tiefen Kaulen vergraben oder auf den Äckern untergepflügt werden muss. Solches ist denen gemeinen Leuten von den Kanzeln sofort kund zu machen."

 

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(1101) Toeppen, Masuren, S. 297.
 
 

Quelle:
Wilhelm Sahm: Geschichte der Pest in Ostpreußen,
Verlag von Duncker und Humblot, Leipzig 1905, Seite 96-110

 
 
 
 

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