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Johannisburg in Ostpreußen

 
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historische und landwirtschaftliche Fachausdrücke
in West- und Ostpreußen

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A

Abdecker
tötet kranke Tiere und verwertet Tierleichen.

Absesoß
Abgabe von einer aus dem Lande gehenden Erbschaft.

Accise, Akzise
Stadtzoll, Marktabgabe, Verkehrsabgabe.

Acquirent, Akguirent
Erwerber eines Grundstücks; acquirieren: erwerben; primus Acquirens: erster Erwerber.

ad dies vitae
auf Lebenszeit

Allod
Eigengut im Gegensatz zum Leihe- oder Lehengut.

Allodification
Überleitung lehnsrechtlichen Besitzes in freies Eigentum.

Amtmann
Oberster Beamter eines Domänenamtes und zugleich Pächter des Vorwerks. Er beaufsichtigt die königlichen Dörfer (Amtsdörfer), erhebt Steuern und Abgaben, ist verantwortlich für die Erbringung des Scharwerks und der Dienstleistungen der Bauern und hat die Polizeigewalt über alle Antsinsassen. Oberamtmann und Amtsrat sind verliehene Titel für einen langjährigen und älteren Amtmann.

Amtsbauer
siehe Königlicher Bauer

Amtsbediemte
Gesamtheit der Bediensteten eines Domänenamtes.

Amtshauptmann
Im Herzogtum Preußen Verwalter eines Hauptamtes (meist ehemaliger Komturei).

Amtskrüger
versieht einen amtlichen Krug, ist meist zugleich Bauer. Er zahlt Zapfengeld an das Amt und ist verpflichtet, die Getränke aus der Amtsbrauerei und der Amtsbrennerei zu beziehen.

Arrendator
Pächter eines Gutes oder eines Vorwerks.

Arremde
Zeitpacht

Assekurant
ein Erbfreibauer (s. dort), der eine durch Krieg oder Pest wüst gewordene Bauernstelle zur Neubesiedlung als Eigentum erhalten hat. Er ist in der Regel von bäuerlichen Diensten frei.

B

Bajohr
ein Großbauer; der Name geht auf im 16. Jh. eingewanderte litauische Edelleute (bajoras) zurück.

Bank der Landschaft
Geldinstitut, von Friedrich dem Großen ab 1780 zur Hilfe für die Landwirtschaft in Preußen gegründet. Diese Landschaftsbanken bestanden bis zur Vertreibung in ostdeutschen Städten.

Ballei
mittellateinisch ballia oder balliva (Amtsbezirk), frz. bailli, eng!. bailiff = Landvogt, Bezirk, dem ein Landktr. vorstand.

Bauernlegen
Verdrängen freier Bauern durch benachbarte Grundherren, um das Land selbst zu bewirtschaften oder aus dem Eigentimer einen gutsuntertänigen Bauern zu machen.

Bender
Teilhaber an einem landwirtschaftlichen Grundstück; er erhält ein Stück Acker zur Nutznießung und dient dafür als Knecht; häufig ist er ein Verwandter des Wirts.

Berahmumger
ältere Bezeichnung für einen Schatullbauern (s. dort), so benannt nach seiner Berahmung (Verschreibung, Besitzurkunde).

Beritt
ein größeres Waldrevier, das der Aufsicht eines Wildnisbereiters untersteht, z.B. der Schoreller Forst-Beritt.

Bernstein
von mittelhochdeutschen bernen, brennen, ein Mineral aus fossilen Harzen, von Nadelbäumen des Tertiär, grichisch: elektron, wird durch Reiben elektrisch, findet sieh in der "blauen Erde" besonders an der Samlandküste bei Palmnicken.

Besatz
die Grundausstattung für den Hof eines königlichen Bauern (Amtsbauern): Ackergeräte, Großvieh, Zugtiere, Saatgetreide.

Beutner
auch Biener, kleinster Siedler, der Honig hei den Wildbienen sammelt. (siehe auch: Bienenbeutner).

Bienenbeutner
Leute, die im Wald wilden Honig ernteten (siehe auch Beutner).

Bosmiakem , Bosniaquen
bosnische Lanzenreiter, ursprünglich zum Kampf gegen Preußen angeworben, traten 1745 in preußische Dienste und wurden den Husaren angegliedert.

Burgdienste
die Pflicht zur Mithilfe beim Bau von Anlagen und Gebäuden für die Herrschaft oder für die Allgemeinheit, z.B. bei Kirchen, Pfarrhäusern, Amtsgebäuden, Schulen, Mühlen.

C

Cämmerer
siehe Kämmerer

Caiteneus
siehe: Starost.

Calende
Naturalabgaben von Bauern an Geistliche.

Cantor, Kantor
Vorsänger in der Kirche, Singmeister, Lehrer.

Caplan
der zweite ordinierte Geistliche einer lutherischen Kirche; später wurde er Diakon genannt, ab 1817 Prediger.

Castellanus
ursprünglich Hilfsbeamter des polnischen Woiwoden, mitunter auch Inhaber einer Starostei.

catastriert, katastriert
in ein Kataster (amtl. Verzeichnis) eingetragen.

Chatouller
siehe Schatull-Einsasse

Cöllmer
siehe Kölmer.

Coloniebauer
siehe Koloniebauer.

Commissarius, Kommissionsrat
Ehrentitel für gehobene Beamte, nicht mit einem bestimmten Amt verbunden.

Comparent, Komparent
jemand, der vor einer Behörde erscheint.

concurrierem, konkurrieren
Abgaben erbringen.

Conducteur
amtlicher Landmesser, meist Angehöriger des Militärs, auch Ingenieur genannt.

Consems, Konsens
Zustimmung, Einwilligung.

Consolidierung, Konsolidierung
rechnerische Zusammenlegung oder Zusammenfassung mehrerer Abgaben aus verschiedenen Grundstücken zu einer Gesamtabgabe aus dem Gesamtbesitz; consolidiert: zusammengefaßt.

contagion, Kontagion
Ansteckung mit einer Krankheit, auch die ansteckende Krankheit selbst, z.B. Pest.

Contribution
siehe Kontribution.

Cossät, Kossät
Kleinbauer, der seinen Acker nicht in der bäuerlichen Flur, sondern in einem Seitenschlag hat, ist den Vollbauern nicht gleichgestellt, zählt aber auch nicht zu den Eigenkätnern.

D

Danzker
Dansker, eine Wortbildung. die mit dem Stadtnamen Danzig zusammenhängt, vielleicht von dort übernommen, ist der turmartig auf hohen Wölbungen bis an das Flußufer oder den Burggraben hinausgebaute Abort der Deutschordens-Burgen.

Debit, debitieren
Ausschank, ausschenken von Bier und Branntwein.

Deputant
Landarbeiter im festen Vertragsverhältnis, dessen Entlohnung vorwiegend in Naturalien besteht.

Deputat
Naturalienlohn der Landarbeiter.

Dezem, Decem
der Zehnt; eine Abgabe vom Grundstücksertrag an die Kirche (Huben-Dezem), auch Geldbetrag von erwachsenen Familienangehörigen und Bediensteten an die Kirche (Personal-Dezem).

Dienstgeld
Ablösung des Scharwerkes durch regelmäßige Zahlungen.

Dienstgut
Lehngut mit Verpflichtung zum Reiterdienst im Kriege.

Dienstjunge
der jüngste unter dem männlichen Gesinde eines Hofes, etwa 13 bis 17 Jahre alt, wird für leichte Arbeiten herangezogen.

Dismembration
Abzweigung, Teilung, Zerstückelung von Grundstücken.

Dormitorium
Schlafsaal der Deutschordens-Burgen.

Drainage, Dränieren
Entwässerung von Land durch Vorflutgräben und unterirdische Röhren.

E

Eigemkätner
Eigentümer einer kleinen Stelle mit Wohnhaus (Kate), Garten und manchmal etwas Land. Er sitzt mit Verschreibung auf kirchlichem, königlichem, kölmischem oder adligem Grund und zahlt einen geringen Grundzins. Er kann seinen Besitz frei vererben, beleihen oder verkaufen. Die Eigenkätner auf bäuerlichem Dorfsanger wurden bei der Separation in der Regel mit einigen Morgen Land abgefunden.

Einhübner
siehe Hübner.

Endersch-Karte
Der Königliche Mathematiker Johannes Friedrich Endersch hat 1755 in Elbing die geographische Karte des Bistums Ermland in Preußen, die Tabula Geographica Episcopatum Warmiensem In Prussia Exhibiens, gezeichnet. Auf ihr sind Ämter, Städte, Dörfer und Mühlen des Ermlands verzeichnet. Die Topographie wird in der der damaligen Zeit entsprechenden Weise angedeutet. Besonders schmuckvoll sind die Insignien und Wappen sowie das Stadtpanorama Heilsbergs im linken unteren Teil der Karte. (Die Karte: http://mitglied.lycos.de/wm727/ke/Ermland1755.htm)

Enrollierter
ein zum Rekruten bestimmter Militärpflichtiger, der bei seinem Regiment in die Musterrolle eingetragen und der bis zur Einstellung in die Heimat beurlaubt ist.

Erbfreibauer
Er besitzt im Gegensatz zum Amtsbauern seinen Hof "erb- und eigentümlich". Er ist persönlich frei und kann sein Grundstück mit Schulden belasten, aber nur mit Erlaubnis der Kammer verkaufen. Er zahlt einen höheren Domänenzins als der Amtsbauer.

Erbkrüger
hat seinen Krug in Erbpacht (siehe Erbpächter), zahlt zum Pachtzins meist das übliche Zapfengeld und muß in der Regel die Getränke vom Amt beziehen.

Erbmüller
siehe Erbpächter.

Erbpächter
hat nach Erlegung eines Einkaufsgeldes das Grundstück gegen einen jährlichen Betrag auf unbefristete Zeit gepachtet. Er besitzt das erbliche Nutzungsrecht; das Eigentum verbleibt jedoch beim Grundherrn. Der Erbpächter besitzt eine Erbverschreibung und ist persönlich frei. Besonders nach 1750 wurden Mühlen, Schmieden, Krüge und gewerbliche Anlagen in Erbpacht vergeben.

Erbschmiede
siehe Erbpächter.

Erbverschreibumg
das Besitzdokument des Erbpächters (siehe dort) mit den auf dem Grundstück ruhenden Rechten und Pflichten.

F

Feld
lat. campus, ist Übersetzung des preußischen moter, d.h. die Siedlungsfläche zerstreuter Höfe, wohl die übliche Siedlungsform der alten Preußen.

Feuerstelle
Haushalt.

Förster
von 1739 bis 1803 die Amtsbezeichnung für den vorherigen Wildnisbereiter (s. dort) als Verantwortlichem für ein größeres Forstrevier (nach 1803 heißt er Oberförster). - Ab 1803 die Amtsbezeichnung für den bisherigen Unterförster (s. dort).

Fourage
Futter; naturelle Verpflegung der Kavallerie (Getreide, Stroh), zu der alle unadligen Freigüter, königlichen Domänen und königlichen Bauern gegen Vergütung verpflichtet sind.

Freier, Freyer
allgemeine Bezeichnung für einen Besitzer eines privilegierten Grundstücks. Ein Hauptunterschied zu den nichtprivilegierten Bauern ist das freie Eigentum über das Grundstück und die Freiheit von bäuerlichen Diensten.

G

Gärtner
im Mittelalter in Preußen keine Berufsbezeichnung, sondern ein Landarbeiter ohne Besitz, der auf Domänen oder Gütern im täglichen Dienst beschäftigt ist. Er erhält freie Wohnung, Gartenland und Lohn in bar und Naturalien. Gärtner wurden im 19. Jh. durch Instleute (s. dort) ersetzt.

Gartemierer
ein in herrschaftlichen Gärten beschäftigter, gelernter Gärtner; Gartenpfleger; entspricht etwa dem heutigen Gartengestalter.

Gebietiger
höherer Deutschordens-Beamter, vorwiegend Sammelbezeichnung für die Komture.

Gemeinheitsauseinandersetzung
siehe Separation

Generalpächter
ein Pächter, der mit einem Vorwerk zugleich das Domänenamt pachtet. Er ist Gutspächter und vereidigter Beamter in einer Person. Eine Pachtperiode dauert in der Regel 6 Jahre, gegen Ende des 18. Jh. wird sie auf 12 Jahre im Regelfall ausgedehnt.

Gestütswärter
Beamte eines der Landgestüte (Trakehnen, Braunsberg, Georgenburg, Rastenburg), die jeden Februar bis Juli mit ihren Hengsten auf Deckstation im ganzen Land verteilt wurden.

Großgebietiger
fünf an der Zahl, ältester Rat des Hochmeisters: Großkomtur, oberster Spittler, oberster Marschall, oberster Trappier und Treßler.

Großkomtur
erster der fünf Großgebietiger, Vertreter des Hochmeisters und sein ständiger erster Ratgeber, gleichzeitig Komtur von Marienburg.

H

Häker, Höker
ein Klein- und Gemischtwarenhändler für den ländlichen Bedarf. Die Häkerei wurde häufig mit einem Krug zusammen betrieben.

Hakelwerk
Fischersiedlung, in Danzig der Rest der älteren slawischen Siedlung.

Haken
altpreußisch ländliche Wirtschaftseinheit, später auch Maßeinheit, nach dem altpreußischen Hakenpflug im Gegensatz zum deutschen Scharenpflug. Im 14. Jh. ist 1 1/2 Haken = 1 Hufe, altes Flächenmaß für die Landmessung (1 1/2 Hufen = 100 Morgen = 25 ha) - (siehe auch: Maße und Gewichte).

Hakenbude
kleines Geschäft in einem Wohnraum.

Halbhübner, Halbhufner
Bauer mit nur 1/2 Hufe Ackerland; Halbbauer.

Hofgänger
Burschen und Mädchen, die der Landarbeiter laut Arbeitsvertrag zur Arbeit "stellte", bei sich beherbergte und beköstigte, meist seine eigenen Kinder.

Handfeste
ursprünglich jede Art Urkunde, die durch Siegeln mit der Hand "gefestigt", bestätigt, rechtskräftig gemacht wird, im Ordensland die Gründungsurkunde für Städte, Dörfer und Güter.

Hauptamt
seit 1525, eine ehemalige Komturei.

Hegemeister
er versieht dem Dienst eines Oberförsters.

Hochzinser
ein Scharwerksbauer (s. dort), dessen Grundstück durch Einkaufsgeld und höheren Jahreszins vom gewöhnlichen Scharwerk befreit ist. Meist ist auch der königliche Besatz (s. dort) abgelöst. Zu den übrigen Diensten wird er jedoch in der Regel herangezogen.

Hofmann
Angestellter eines Gutes oder einer Domäne, der auf einem Vorwerk die Aufsicht führt, insbesondere die Scharwerksleute anstellt und für das übrige Gesinde verantwortlich ist. Er und seine Frau (die Hofmutter) speisen auch die unverheirateten Dienstleute, wofür sie ein besonderes Deputat erhalten. Neben diesem Lohnhofmann gibt es auch den Pachthofmann (s. dort).

Hofzins
Abgabe städtischer Bürger von ihrem Grundbesitz.

Hubenwirt
Vollbauer, der auf einem ordnungsgemäßen Erbe sitzt und seine Ackeranteile in der bäuerlichen Flur hat; im Gegensatz dazu der Kossäte und der Eigenkätner.

Hübner, Hüfner, Einhübner
Bauer, der 1 Hufe in der bäuerlichen Flur besitzt; gilt nach der Landesordnung als Vollbauer.

Hufe
deutsche ländliche Wirtschafts- und Maßeinheit, in der Größe vielfach wechselnd, seit der «Kulmer Handfeste« gewöhnlich nach vlämischem Maß, dann meist nach rnagdeburgischem. Eine Hufe = rd. 66 preußische Morgen = 16,5 ha (siehe auch: Maße und Gewichte).

I

Immediatbauer
der in einem königlichen Amt wohnende Bauer, welcher dem König direkt und unmittelbar untersteht. Im Gegensatz dazu steht der adlige Bauer, der seinem Grundherrn unterworfen ist und nur mittelbarer Untertan des Königs ist.

Indigenatsrecht
das Recht, leitende Stellungen nur mit Einheimischen zu besetzen.

Ingenieur
siehe Conducteur.

Inkorporation
in weltlichem Bezug, Einverleibung eines Lehnsgebietes unter die Krone des Stammlandes, nach böhmischem Muster Karls IV. auch in Polen angewandt.

Insthäuser
Landarbeiterhäuser mit mehreren ebenerdigen Wohnungen, die zum Naturalienlohn (Deputat) gehörten.

Instleute
sind ähnlich wie "Gärtner" (s. dort) Landarbeiter, die aber ihre Wohnung nebst Garten (Insthaus) auf Gütern oder Bauernhöfen gemietet haben und neben der Miete noch einige unentgeltliche Arbeitstage erbringen. Ansonsten arbeiten sie gegen Tagelohn beim Gutsherren oder auswärts. Im 19. Jh. nähert sich die Stellung der Instleute der der Gärtner an (täglicher Dienst, teils Deputatlöhnung).

Instmann
(auch: enstmann, vereinzelt ensmann): verheirateter Landarbeiter, der mit einem Arbeitgeber, d. h. einem größeren Bauern oder Gutsbesitzer, einen Arbeitsvertrag für längere Zeit, mindestens 1 Jahr, abgeschlossen hat. Er hat außer einem bescheidenen Barlohn für geleistete Arbeit freie Wohnung in dem Insthaus des Arbeitgebers, freies Brennmaterial (Holz, Torf), einen Hausgarten, ein Stück Acker, auf dem er Kartoffeln oder auch Getreide anbauen kann, Weide für eine Kuh, 1-2 Schafe, 1-2 Schweine, dazu ein Fuder Heu, Brot- und Futtergetreide, und das Recht, eine beschränkte Anzahl von Hühnern zu halten. Als Gegenleistung für Wohnung, Land usw. hat er im Laufe des Jahres eine im Arbeitsvertrag genau festgelegte Anzahl von Arbeitstagen abzuleisten. Er ist ferner verpflichtet, einen oder mehrere Scharwerker als Arbeitskräfte zu stellen. Das sind meistens die Frau und die arbeitsfähigen Kinder des Instmannes. Wenn die Frau wegen kleiner Kinder oder aus gesundheitlichen Gründen nicht arbeiten kann, muß der Instmann fremde Arbeitskräfte als Scharwerker stellen, die bei ihm wohnen und beköstigt werden. Sie erhalten von ihm etwas Bargeld und oft einen Anteil am Deputat. Wenn die Frau als Scharwerkerin mitarbeitet, werden beide vom Arbeitgeber verköstigt. Das war bis zum 1. Weltkrieg noch allgemein der Fall. Wenn der Instmann keinen Kartoffelacker und keine freie Weide für eine Kuh hat, liefert der Arbeitgeben Kartoffeln und Milch. Im Winter musste der Instmann mitdreschen und erhielt dafür beim Flegeldreschen den 10. Scheffel, bei Dreschen mit Pferden den 15. Scheffel, beim Dreschen mit Dampf den 18. Scheffel oder auch einen Zentner. In den Jahren nach dem 1. Weltkrieg trat an die Stelle des Wortes Instmann immer mehr die Berufsbezeichnung Deputant. Der alte Dienstwechseltermin für die Instleute war der Michaelistag (29. September).

Es gibt im Zusammenhang mit Instmann die Bezeichnungen. Instfamilie, Instfrau, Insthaus, Instkate, Instkind, Instleuet (auch Insten), Instmannsbart, Instmannskind, Instmannsschwengel, Instweg (Weg der Instluet zum Hof) und Instwohnung. (aus: "Preußisches Wörterbuch" (Erhard Riemann 1981))

interimistisch
zwischenzeitlich, vorläufig

K

Kammerer, Cämmerer
Hofmeister; Verwalter von Gutshöfen, Domänen, Vorwerken, die vor allem für die Organisation der Arbeiten zuständig sind.

Kanton
Rekrutierungsbezirk für ein Regiment, seit 1733 in Preußen eingeführt. Ein Kantonist ist ein für den Soldatendienst in Frage kommender. Von der Kantonspflicht befreit sind Adlige und Beamte sowie deren Söhne, Bauern und deren erste Söhne, Kolonisten und deren Söhne, Handwerker, Kaufleute u.a.

Kölmer, Cöllmer
Besitzer eines Freigutes, das ursprünglich nach kulmischem Recht vergeben wurde. Seit den 18. Jh. werden auch Besitzer von Freigütern z.B. preußischen Rechts unter die Kölmer gerechnet. Kölmer sind freie Grundeigentümer, befreit von allem Scharwerk und sonstigen bäuerlichen Diensten. Sie sind jedoch zum Reiterdienst bei der Landesverteidigung verpflichtet bzw. entrichten eine entsprechende Abgabe (Contribution). Oft sind besondere Privilegien mitverschrieben (z.B. Jagd-, Fischerei-, Brauerei-, Brennerei-, Krug-, Mühlengerechtigkeit). Die Kölner bilden einen angesehenen Stand, weit über den Bauern stehend. Sie sind im Landtag vertreten.

Kölmisch
volkstümlich für kulmisch.

Kölmischer Krüger
ein Krüger, der Krug und Ländereien nach kulmischem Recht besitzt. Meist ist die Brau- und Brenngerechtigkeit mit verschrieben, andernfalls kann er die Getränke frei einkaufen.

Königlicher Bauer
auch Amtsbauer genannt, ist Besitzer (Inhaber) eines Hofes, dessen Eigentümer der König ist. Der Amtsbauer hat am Grundstück erbliches Nutzungsrecht. Bei der Übergabe erhält er die Gebäude mit Besatz (Ackergeräte, Großvieh, Zugtiere, Saatgetreide), dazu steuerliche Freijahre. Mit der Annahme des Hofes übernimmt er aber auch eine Reihe von Lasten und Verpflichtungen gegenüber dem Amt. Je nach Umfang dieser Dienste unterscheidet man Scharwerksbauern, Hochzinser und Koloniebauern (siehe jeweils dort). Der Amtsbauer kann seinen Hof an einen Sohn oder Schwiegersohn vererben oder mit Zustimmung des Amtes gegen Abstandszahlung an einen anderen übergeben oder mit dem Besatz wieder an das Amt zurückgeben. Das heimliche Verlassen des Hofes ist jedoch strafbar. Unfähige (z.B. trunksüchtige) Bauern, die ihren Verpflichtungen auf Dauer nicht nachkommen, können vom Hof entfernt werden. Unverschuldete Not dagegen (Viehsterben, Mißernten, Feuerschäden) werden vom Amt gemildert. Abgesehen von einer gewissen Untertänigkeit aufgrund der Dienstpflichten sind die königlichen Bauern nach der frühen Abschaffung der Leibeigenschaft 1719 durch Friedrich Wilhelm I. persönlich freie Menschen. Im Zuge der v.Stein-Hardenbergschen Reformen wird den königlichen Bauern durch Verordnung vom 27. Juli 1808 das uneingeschränkte Eigentum an ihren Grundstücken und Höfen verliehen (Eigentumsübertragung) sowie Besatz und Dienstpflichten gegen Zinserhöhung abgelöst.

Koloniebauer
ein nach 1710 eingewanderter königlicher Bauer, der einer Kolonisten-Sozietät angehört: Schweizer, Pfälzer-Nassauer oder Salzburger Kolonie. Besitzrechtlich ist der Koloniebauer dem Scharwerksbauern gleichgestellt (kein Eigentum, nur erbliches Nutzungsrecht am Grundstück), ist jedoch vom Scharwerk und den meisten bäuerlichen Diensten befreit. Auch wird er mit seinen Söhnen nicht zum Militärdienst herangezogen.

Kolonieschulze
Jeder Kolonisten-Sozietät ist eine Amzahl von Kolonieschulzen zugebilligt, welche die Polizeifunktion zu handhaben und über das Wohl der Kolonie zu wachen haben. Sie sind Teil der beschränkten Selbstverwaltung der Sozietät und zugleich Bindeglied zum Amt, dem sie unterstehen.

Kommende
Niederlassung eines Ritterordens unter Leitung eines Komturs. Mehrere Kommenden werden zu einer Ballei zusammengefaßt.

Komtur
Deutschordens-Beamter, Befehlshaber einer Ordensburg und des dazu gehörigen Verwaltungs-Bezirkes, der Komturei, Leiter eines Konventes von gewöhnlich 12 Deutschordens-Brüdern, die verschiedene Unterämter hatten.

Kontribution, Contribution
eine Abgabe der Grundbesitzer (Kölmer, Freie) an den Landesherrn für Heereszwecke; Generalhubenschoß.

Konvent
die Gemeinschaft der normalerweise 12 Deutschordens-Brüder einer Ordensburg. Der Konvent des Gesamtordens war der Generalkonvent, der zum Generalkapitel zusammentrat.

Konventsstube
Tagesraum in den Deutschordens-Burgen.

Krüger
versieht den Dorfkrug, der im Eigentum des Amtes (Amtskrüger) oder eines Grundherren (kölnischer Krüger) steht. Der Krüger ist meist zugleich Bauer. Vom Krug entrichtet er das Zapfengeld.

"Alter KuIm"
eine in fünf Bücher gegliederte, systematische Rechtsaufzeichnung im wesentlichen des magdeburgisch-breslauischen Schöffenrechts von Mitte des 14. Jh., um 1394 auftauchend und im Ordenslande bei der Rechtsprechung rezipiert, keine amtliche Kodifikation des im Ordenslande gelten den Rechtsstoffes.

"Kulmische Handfeste"
das den Städten KuIm und Thorn 1233 verliehene Stadtrecht.

Kulmisches Recht
ein aus dem magdeburgischen abgeleitetes Besitzrecht an Höfen und Gütern.

Kulmisches Stadtrecht
das der "Kulmischen Handfeste" entsprechende Stadtrecht der weitaus meisten Städte des Ordenslandes, mit dem Oberhof in Kulm, darüber hinaus in Magdeburg, im Ordensstaat nach 1466 bei der Altstadt Königsberg.

L

Landhofmeister
einer der vier Oberräte im Herzogtums Preußen seit 1525.

Landjäger
der Leiter eines Forstberitts, der aber noch nicht die Bestallung zum Förster bzw. Oberförster hat.

Landkasten
ständische Steuerkasse im Herzogtum Preußen.

Landreuter
der dem Amtmann zur Verfügung stehende Polizeibeamte.

Landschöppe
richterlicher Beamter in einem Schulzenant.

Lieger
Handelsvertreter in den westdeutschen Hansestädten.

Lischke
auch Liske, altpreußisch liskis, Lager, Nest, Korb ohne Henkel, noch im modernen, mundartlichen Gebrauch, entspricht dem westdeutschen Flecken, Weichbild, also kein Dorf, sondern eine Siedlung von Krügern und Handwerkern, auch Kaufleuten, z. T. nur vorübergehend während der Märkte, meist bei Ordensburgen entstehend. Sie erhalten einzelne städtische Rechte, besonders Marktrechte und werden später meist Städte.

Locator
Unternehmer, der die Ansetzung der einzelnen Bürger oder ländlichen Siedler neuzugründender Städte oder Dörfer vom Deutschen Orden oder einem privaten Grundherrn übernimmt. Er erhält dafür die Handfeste, in der ihm das Schulzenamt, Freihufen und andere Rechte verliehen werden, aus deren Einkünften er das angelegte Kapital amortisieren kann.

Losgänger, Losleute, Losmann, Losfrau
sind ländliche Tagelöhner, die auf Gütern, bei Bauern oder Eigenkätnern wohnen und ohne feste Anstellung arbeiten.

Lübisches Stadtrecht
im Ordenslande nur vereinzelt: in Elbing, Frauenburg, Braunsberg und Memel, mit dem Oberhof in Elbing und darüber hinaus in Lübeck.

M

Mälzenbräuer
ein Großbürger, der ein Haus mit Braugerechtigkeit besitzt. Er durfte sein Bier vor 1806 nicht direkt verkaufen. Den Zwischenhandel hatten die "Bierschänker", die den Mälzenbräuern vom Braukollegium zugewiesen wurden.

Magdeburgisches Recht
ein dem rnagdeburgischen entsprechendes Besitzrecht und Erbrecht der großen Dienstgüter mit dem Oberhof in Magdeburg.

Mahlgast
ständiger Kunde einer Mühle. Im 18. Jh. besteht Mahlzwang, d.h. die Bewohner eines Dorfes sind einer bestimmten Mühle zugeordnet und dürfen nur dort mahlen lassen. Die Gebührenliste der Mahlgäste heißt Mühlenconsignation (s. dort). Der Mühlenzwang wird 1808 beseitigt.

Majorennität
Volljährigkeit, Mündigkeit.

Margell
junges Dienstmädchen, das nur für Kost und Kleidung dient.

Oberster Marschall
einer der fünf Großgebietiger, Ratgeber des Hochmeisters in Heeressachen und Führer des militärischen Aufgebotes des Ordens, gleichzeitig Komtur von Königsberg.

Meierei
Molkerei.

Ministerialen
ursprümnglich unfreie Dienstleute, seit dem 10. Jh. durch die Wichtigkeit ihrer Dienstleistungen an Fürsten- und Adelshöfen zum Berufsstand aufgestiegen. Seit dem 12. Jh. mit dem Adel zum Ritterstand verschmolzen.

modo
eben, eben erst, jetzt.

Mühlenconsignation
die Liste der Zwangsmahlgäste einer Mühle. Aus ihr geht die personelle Zusammensetzung der einzelnen Haushalte hervor. Abgabenpflichtig sind alle Personen zwischen 12 und 60 Jahren; die Listen sind meist unterteilt in: Wirt und Wirtin, Anzahl der Kinder unter und Anzahl der Kinder über 12 Jahre, Gesinde, alte Leute.

Musketier, Musguetier
Fußsoldat, dessen Hauptwaffe früher die Muskete (Luntenschloßgewehr) war. Auch nach Einführung der Gewehre mit Feuersteinzündung in der 2. Hälfte des 17. Jh. bleibt der Name für einen Angehörigen der Infanteriemannschaft erhalten.

N

Neusasse
ein Neusiedler, der sich auf Wald- oder Bruchland niederläßt.

O

Oberburggraf
einer der vier Oberräte des Herzogtums Preußen seit 1525.

Oberförster
ein Beamter für ein größeres Forstrevier (z.B. für den Schoreller Forst), wurde vor 1803 Förster und vor 1739 Wildnisbereiter genannt (s. dort).

Obermarschall
wie Oberburggraf.

Oberräte
oberste Beamte und engere Ratgeber des Herzogs seit 1525, aus den Großgebietigern hergeleitet: Landhofmeister, Oberburggraf, Kanzler und Obermarschall.

Oberwart
ein Forstbeamter, der dem Wildnisbereiter (s. dort) untersteht und die Warte (Förster) beaufsichtigt.

Ökonomie
in Westpreußen 1466 bis 1772, ehemalige Ordensdomäne, die für den Unterhalt des königlichen Hofes ausgeschieden wurde.

Ölmühle
eine Mühle, in der Leinöl geschlagen wird, meist durch Pferdegöppel angetrieben (Roß-Ölnühle).

onera
Lasten, Belastungen.

Ortsarmer
Jemand, der keinen eigenen Erwerb und kein eigenes Haus / Hütte hatte und nicht von irgendwelchen Verwandten unterstützt / unterhalten werden konnte sondern im Armenhaus - oft auch Hospital genannt - von der Gemeinde unterhalten werden mußte. Die Armenhäuser / Hospitäler wurden oft nur durch Spenden oder Stiftungen unterhalten, manchenorts wurden an festgelegten Tagen Kollekten in der Kirche für sie veranstaltet und davon die Armen unterhalten.

Osthilfe
Maßnahme der Reichsregierungen, gemeinsam mit der Industrie, zur Umschuldung der in Not geratenen Landwirtschaft 1931-1934.

P

Pachthofmann
ein Unternehmer, der die Nutzung der Milchkühe in einem Großbetrieb (Domäne, Vorwerk, Gut) auf bestimmte Zeit gepachtet hat. Dafür entrichtet er für jede Kuh des Pachtkuhstammes einen bestimmten Pachtbetrag und liefert auch Butter und Käse an die herrschaftliche Küche.

Palatin
siehe: Woiwode.

Palatinat
siehe: Woiwodschaft.

Parcham
von pferchen, der Zwinger zwischen innerer und äußerer Ringmauer, besonders bei den Deutschordens-Burgen.

Pertinenzien, Pertinentien
Zubehör, Zugehörigkeit.

Pirschjäger
kurfürstlicher Jagdbeamter.

Prästatiom, Praestandum
pflichtgemäße Leistung, Abgabe.

Prästationstabellen (PT)
(1) Prästationstabellen sind Steuerkataster, die in den altpreußischen Landen (Ost- und Westpreußen) ämterbezogen bis etwa in die Mitte des 19. Jahrhunderts geführt wurden. In den - in (teilweise) mehrjährigen Abständen - gefertigten Katastern werden alle grundbesitzenden Personen der (dem jeweils zuständigen Amt zugeordneten) Ortschaften und deren festgesetzte Steuerlast in Geld, Naturalien und ggf. sonstiger Verpflichtungen aufgeführt.

(2) Es handelt sich um ganz wichtige genealogische Sekundärquellen - teilweise in der Altpreußischen Geschlechterkunde bereits veröffentlicht - deren Auswertung jedem Genealogen nur dringend angeraten werden kann, um lückenhafte Kirchenbuchüberlieferungen zu schließen oder zu ergänzen. Eine zusammenfassende Darstellung der bereits veröffentlichen Kataster gibt es bisher (leider) nicht. Ein wesentlicher Teil dieser Kataster ist erhalten geblieben und wird im Geheimen Staatsarchiv in Berlin verwahrt. Wichtige Quellen für Ostpreußen wie "Die Kartei Nolde" und Horst Kenkel, Amtsbauern und Kölmer im nördlichen Ostpreußen um 1736 nehmen auf die Angaben der jeweiligen PT Bezug.

Präzentor, Praecentor
Vorsänger in der Kirche, Lehrer der Kirchenschule.

Präzeptor, Praeceptor
Schulgehilfe, Lehrmeister, Lehrer.

Privileg, Privilegium
Besitzurkunde, Eigentumsverschreibung mit besonderen Vorrechten, z.B. nach kulmischen Recht (bei Kölmern).

Profession
Beruf, Gewerbe.

R

Rademacher
Steilmacher, Schirmacher, Wagen- und Schlittenbauer.

Rauchgeld
das an das Forstamt zu zahlende Holzgeld.

rectificieren, rektifizieren
berichtigen, zurechtweisen.

Refektorium
Speisessaal in den Deutschordens-Burgen.

Reise
Feldzug nach Litauen, meist kurzer militärischer Vorstoß zum Zerschlagen von Aufmarschstellungen und Waffenplätzen, auch zur Anlegung vorgeschobener Burgen.

Remarken, Remarques
Bemerkungen.

Remission
Erlaß, Nachsicht.

Rendant, Rendantin
Buchhalter auf dem Gut, der auch Speicheraufsicht führte, Löhne zahlte und Deputatgetreide ausgab.

Repartition
Verteilung im Verhältnis der Beteiligten; repartiert: anteilmäßig verteilt.

Rezeß
Auseinandersetzung, Vergleich, Vertrag.

Rotgerber
Lohgerber; gerbt Tierhäute mit Lohe (gerbstoffhaltige Rinde).

S

Säkularisation
Verweltlichung, Beschlagnahme geistlicher Güter durch weltliche Gewalten.

Schäffer
Speicherverwalter in den Handelsstädten, das gleiche Wort wie Schäfer, wie auch eine Hude, von hüten, = Niederlage, Speicher ist.

Schalwenkorn
Kornabgabe für den Unterhalt der Deutschordens-Burgen in SchaIauen an der Memel; vgl. Wartgeld.

Scharwerk
vom althochdeutschen skara = Schar, im fränkischen sind die scaramanni die Klasse von kleinen Dienstleuten für untergeordnete Arbeiten, daher = Frondienst örfentlieh-reehtliehen Charakters auf Ordens- und Staatsdomänen und privaten Gütern, ursprünglich nur bei den unfreien preußischen Kriegsgefangenen oder zuletzt im Prußenaufstande von 1260 gewaltsam befriedeten prußischen Bauern.

Scharwerker
z. Z. der Erbuntertänigkeit Bauernfamilien, die gemeinsam auf den Gütern arbeiteten. Später junge Burschen und Mädchen (Gruppen von 10-20), die zusammen arbeiteten, während lnstmänner und Knechte einzeln ihre Arbeit verrichteten.

Scharwerksbauer
ein königlicher Bauer (s. dort), der mit Dienstpflichten am stärksten belastet ist. Er muß an 30 oder mehr Tagen im Jahr, insbesondere im Frühjahr und Herbst Scharwerk auf einem königlichen Vorwerk verrichten, d.h. mit Hand oder Gespann mithelfen, diese zu bewirtschaften. Dazu kommen zahlreiche andere Dienste: Getreidefuhren nach Königsberg, Holzzufuhr für Amt, Kirche, Schule und städtische Holzgärten, Gespanndienste, Burgdienste, Festungsbau, Wegebau usw. Ein Teil dieser Dienste wird vergütet. Die Steuern an das Amt werden teils in Getreide, teils in bar entrichtet. Weitere Zahlungen und Abgaben sind an die Kirche (Dezem), an Geistliche (Kalende), an die Armenkasse, an den Schulmeister und an die Feuer-Sozietäts-Kasse zu leisten.

Scharwerksdorf
ein mit unfreien, meist prußischen Bauern besetztes Dorf.

Scharwerksfreier
ein ehemaliger Scharwerksbauer, der nach der Vererbpachtung der Domänenvorwerke, insbesondere nach der Aufhebung der Domänenverwaltung von Scharwerk und einem Teil der anderen Dienste befreit ist und als Ausgleich einen höheren Zins zahlt.

Schatulle
Einnanhmestelle für die Einkünfte aus Eigenbesitz und herzoglichen Waldgebieten. Als später auf diesen Gebieten, besonders im 0sten und Süden des Landes, Siedler angesetzt wurden, zinsten diese ebenfalls in die Schatulle. Sie hießen daher Schatullbauern.

Schatull-Einsasse
Besitzer eines Grundstücks auf früheren Forstland, das ihm im 17. Jh. "erb- und eigentümlich" verschrieben wurde. Seine Abgaben flossen über die Forstkasse direkt in die kurfürstliche Schatulle. Der Schatull-Einsasse unterstand der Gerichtsbarkeit des jeweiligen Forstamtes, von Service- und Fouragezahlungen war er frei. 1713 wird die Sonderstellung der Schatullsiedlungen aufgehoben, sie werden der Verwaltung der Domänenämter unterstellt. Je nach Rechtsstellung unterscheidet man auch hier zwischen Schatullbauern, Schatullern und Schatullkölmern (siehe jeweils dort).

Schatullbauer
ein bäuerlicher Wirt, der sein Schatullgrundstück als Eigentum besitzt (siehe Schatull-Einsasse). Er leistet einige Forstdienste und Jagdfuhren, aber kein Scharwerk auf dem königl. Vorwerk.

Schatuller
Besitzer und Eigentümer eines Schatull-Gutes von mindestens 4 Hufen. Er ist besitzrechtlich dem Schatullbauern gleichgestellt, genießt aber einige Rechte des Kölners, z.B. Remissionen bei Feuerschäden, Viehsterben, Mißernten.

Schatullkölmer
Besitzer und Eigentümer eines Schatullgutes, das zu kulmischem Recht verschrieben wurde. Er genießt alle Vorrechte eines Köllmers, bezahlt einen Grundzins und ist von allen bäuerlichen Pflichten frei.

Schenker
versieht ein Schenkhaus, das der Grundherr im Dorf oder an einer stark befahrenen Landstraße angelegt hat, um den Ausschank seiner Brauerei und Brennerei zu vergrößern. Das Schenkhaus ist kein privilegierter Krug, der Schenker kein Krüger.

Schließvogt
Gefängniswärter, Torwächter.

Schoß
Abgabe, Steuer; z.B. Hubenschoß (Grundsteuer), Kopfschoß (Personensteuer), Hornschoß (Viehsteuer).

Schroetter-Karte
Schroetter brachte im Jahre 1802 ein Kartenwerk heraus, welches heute noch beachtenswert erscheint. Seine Karten (25 Sektionen in der Größe 63 x 55 cm) zeichneten sich besonders durch ein großes Detailreichtum aus, wozu er einen Originalmaßstab von 1:150.000 wählte. Mit solch einer präzisen Darstellung und in diesem Umfang stand dem Königreich Preußen bis dahin noch keine Karte über Ost- und Westpreußen zur Verfügung.

Ein Faksimile-Druck ist heute noch vom Steiner-Verlag erhältlich. Er wurde von Originaldrucken der Schroetterschen Karte angefertigt. Die originalen Kupferplatten waren im Zuge der napoleonischen Kriege nach Paris gekommen, wo sie heute noch sind. Diese Karten sind für jeden Familienforscher eine Fundgrube in Bezug auf Ortsnamen, die natürlich noch in alten preußischen, nicht eingedeutschten Namen stehen, auch wenn man sich ein Bild der früheren Lokalitäten, wie Dörfer, Mühlen, die Größe der Städte oder über die damaligen Verkehrswege machen will.

Friedrich Leopold Freiherr v. Schroetter war Departementsminister, der die Vermessung vorgeschlagen und konzipiert hatte, Artillerie-Leutnant Johann Christoph v. Textor führte die astronomischen Ortsbestimmungen durch und beaufsichtigte die Anlage des trigonometrischen Netzes, Friedrich Bernhard Engelmann war Baurat der westpreußischen Kriegs- und Domänenkammer und dirigierte die Vermessungsarbeiten.

Schulmeister
Lehrer an (nichtkirchlichen) Dorfschulen, welche im 17. und 18. Jh. entstanden. Der Schulmeister ging meist aus dem Handwerker oder Soldatenstand hervor.

Schulze
ein Amtsbauer, der vom Amtmann mit dem Schulzenant betraut ist. Er organisiert die Scharwerkspflichten und Dienste der Bauern in seinem Bereich. Er handelt nur im Auftrag des Amtes und hat keinerlei richterliche Befugnisse. Er kann nach Belieben wieder abgesetzt werden. Als Entgelt nutzt er gewöhnlich eine "Schulzenhufe" frei von Abgaben oder erhält einen entsprechenden Geldbetrag als Gehalt.

Schweizer
Melker und Pfleger der Viehherde. Die ersten waren aus der Schweiz gekommen. Bis zuletzt gab es noch einige "echte Schweizer" in Ostpreußen. Oberschweizer = Obermelker. (siehe auch: Allgemeiner Schweizer-Bund)

Separation
Gemeinheitsauseinandersetzung; Überführen des Gemeinbesitzes in Privatbesitz; Aufteilung der bisher gemeinsam genutzten Wiesen, Weiden, Wälder, Teiche, Dorfanger, Brüche auf die bisherigen Nutzer als Folge der Eigentumsübertragung von 1808. Damit verbunden war eine "Flurbereinigung", ein Zusammenlegen der Eigentumsteile zu einem einzigen Feldstück (siehe dazu auch folgende Berichte: Aus der Geschichte des Dorfes Drygallen und Kirchenchronik Groß Rosinsko).

Servis, Service
eine Abgabe als Ersatz für die naturelle Verpflegung der Kavallerie, zu der alle unadligen Freigüter verpflichtet waren; auch die in den Städten erhobene Verpflegungssteuer für das Militär.

sistieren
Personalien feststellen, Personen benennen und verpflichten.

Sozietät
eine wirtschaftliche Vereinigung; Genossenschaft.

Oberster Spittler
einer der fünf Großgebieter, Ratgeber des Hochmeisters in bezug auf das Spitalwesen, gewöhnlich Komtur von Elbing, wo das Hauptspital des Ordens lag.

Stapelrecht
Niederlage, Recht einer Stadt, vom Durchgangsverkehr Stapelung und Feilbieten der Waren zu verlangen.

Starost
capitaneus, Inhaber einer Starostei.

Starostei
capitaneatus, gelegentlich auch Hauptmannschaft genannt, in Westpreußen 1466-1772, meist ehemalige Komturei des Deutschen Ordens, aber auch ein größeres Staatsgut.

Stellmacher
Handwerker, der hölzerne landwirtschaftliche Geräte und Ackerwagen herstellte und ausbesserte.

Steuerkasten
ständische Steuerkasse eines der drei Bezirke des Herzogtums.

Strandrecht
bestimmt, daß gestrandete Schiffe mit ihrem Inhalt den Küstenbewohnern oder deren Obrigkeit verfallen, ursprünglich auch die Menschen, die dann unfrei werden, seit dem 13. Jh. nur die Waren.

T

Tagfahrt
= Tagung.

Tief
eigentlich eine tiefere Fahrrinne, daher niederdeutsch auch balge = Wanne, ist die Verbindung zwischen Haff und Meer durch eine Öffnung in der Nehrung.

Titulus possessionis
Besitztitel, Besitzrecht.

Tolk
preußischer Dolmetscher.

Oberster Trappier
einer der fünf Großgebietiger, Ratgeber des Hochmeisters für das Bekleidungswesen, meist Komtur von Christburg.

Treßler
einer der fünf Großgebietiger, ohne Zusatz von "oberster", Ratgeber des Hochmeisten In Geldsachen, verwaltet die Einkünfte der Komturei Marienburg und die Überschüsse aus den anderen Komtureien.

Trinitatis
Fest der Heiligen Dreieinigkeit; 1.Sonntag nach Pfingsten.

Türkensteuer
Seit Urzeiten ist der Ideenreichtum des Herrschenden unerschöpflich, wenn es darum geht, neue Finanzquellen zu erschließen, also Steuern zu erheben und zu erhöhen. Vor allem in kriegerischen Zeiten erfanden sie neue Abgaben, um steigende Armeekosten zu finanzieren. Ein Herrscher, der deutsche Kaiser Karl V., führte eine Steuer ein, die immerhin einige Menschen erfreute.
Allerdings erst etliche Jahrhunderte später. Mit ihrer Hilfe gelang es Historikern, Genaueres über die Menschen herauszufinden. Die Rede ist von der "Türkensteuer". Als um 1530 die Türken in zunehmendem Maße das Abendland bedrohten, musste Kaiser Karl seine Heerscharen an der Ostgrenze seines riesigen Reiches verstärken. Weil ihm für die Finanzierung der Krieger das Geld fehlte, erfand der klamme Kaiser die Türkensteuer. Sie wurde ab 1542 für das ganze Deutsche Reich eingeführt. Diese älteste Reichseinkommenssteuer ist vor allem deshalb interessant, weil die noch heute in Archiven aufbewahrten Steuerverzeichnisse die Namen der ehemaligen Hufner und Käthner enthalten und einen Einblick in die früheren Besitzverhältnisse geben.
Für die Türkensteuer veranlagt wurden Personen, mit einem Besitzstand, dessen Wert 24 Gulden überstieg.

U

Unterförster
ein Beamter für die lokale Forstaufsicht; vor 1739 wird er Wart (Waldwart) genannt; ab 1803 heißt er Förster.

V

Vitalienbrüder
ursprünglich die für die Verproviantierung des belagerten Stockholm 1389-1392 mit Viktualien eingesetzten Schiffer, später Freibeuter, auch Likendeeler genannt, die untereinander zu gleichen Teilen die Beute verteilen.

Vitte
Handelsplatz, an dem während des Heringsfanges (Ende Juli bis Anfang Oktober) die Kaufleute und Gewerbetreibenden in "Buden" wohnten.

Vorspann stellen
die Pflicht zur Stellung von Gespanntieren für den Transport von Sachen und Personen des Amtes, insbesondere die Stellung von Pferden bei Reisen von Vertretern der Obrigkeit.

Vorwerk
bis ins 18. Jh. der Hauptwirtschaftshof eines Grundbesitzes, danach Nebengut, Nebenhof.

W

Wart, Waldwart
ein Gehilfe des Wildnisbereiters für die lokale Forstaufsicht, ist zumeist auch Bauer in einem Dorfe in Forstnähe. Als Entschädigung für seinen Dienst zahlt er einen geringeren oder keinen Zins für seinen Hof. Im 18. Jh. wird er zum Unterförster und ab 1803 zum Förster.

Wartgeld
einzige echte Steuer im Ordenslande vor 1411, zur Unterhaltung der Grenzwarten gegen Litauen.

Wegeberichte , Bereisungsprotokoll
Aufzeichnungen über die Wegeverbindungen nach Litauen, aus Kundschaftermeldungen zusammengestellt, 100 an der Zahl, gedr. Script. rer. Pruus. II 662 ff.

Wildnis
im Sinne von Wild- und Jagdgebiet, ein breiter Urwaldgürtel im Süden und 0sten Ostpreußens, bestand zur Ordenszeit bis zur Aufsiedlung im 15. Jh.

Wildnisbereiter
ein kurfürstlicher Jagdbeamter, der ein größeres Waidrevier (Beritt) beaufsichtigt und weitgehende Befugnisse hat. Ihm unterstehen die Warte in Dörfern am und im Forstgebiet. Ab 1739 erhält dieser Beamte den Titel Förster und ab 1803 Oberförster.

Willkür
eigentlich Willkürrecht, eine von der Stadtgemeinde selbst gesetzte Verordnung, meist gewohnheitsrechtlicher Art, im Gegensatz oder in Ergänzung des vom Stadtherrn verliehenen Stadtrechts; entspricht modernen Polizeiverordnungen.

Wirt, Wirth
eine allgemeine Bezeichnung für einen Bauern, der auf seinem Grundstück die Wirtschaft führt ("Landwirt").

Witinge
ursprünglich begüterte, freie prußische Bauern, unter der Ordensherrschaft zu den sogenannten Prußisch Freien geworden. Die Bezeichnung erhielt sich für Stammprußen als Dienstleute auf den Deutschordens-Burgen, die besonders zu Botendiensten verwendet wurden.

Woiwode
Palatin, Inhaber einer Woiwodschaft.

Woiwodschaft
palatinatus, größter polnischer Verwaltungsbezirk. In Westpreußen gab es drei Palazinate: KuIm, Marienburg und Pommerellen (Danzig).

Wüstung
verlassene Dorfstelle.

Z

Zapfemgeld
die Abgabe eines Krügers.

Zaunzwingen
Stahlkrampen in U-Form zum Befestigen der Zaundrähte.

Ziegler
Ziegeistreicher, Ziegeibrenner, Ziegelarbeiter.

Zinsdorf
deutsches Dorf, dessen Einwohner nur Zins zahlen, aber kein Scharwerk leisten.

Quellen:
1. Archivmaterial;
2. Handbuch der historischen Stätten Ost- und Westpreußen,
Kröner Verlag Stuttgart, 1966-1981, Seite 262-265;
3. Sonderschrift 82/1, VFFOW Hamburg, 1995, Seite 498-504;
4. Landleben in Ostpreußen, Landsmannschaft Ostpreußen, Abt. Kultur,
Hamburg 1976, Seite 40-41

weitere Informationen in:
Sonderschrift 18, VFFOW Hamburg 1971-1991,
"Was waren unsere Vorfahren", Amts- Berufs- und Standesbezeichnungen aus Altpreußen

 
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Stand: 23. Juni 2018