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DRK-Suchdienst
 

 
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Johannisburg in Ostpreußen

 
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Der DRK-Suchdienst

Am Ende des Zweiten Weltkrieges gab es kaum eine Familie, die nicht nach Vater, Bruder, Sohn oder anderen Angehörigen suchte: 7,8 Millionen deutsche Soldaten und Zivilisten hatten ihr Leben verloren; 11,5 Millionen waren als Kriegsgefangene oder Zivilinternierte im Gewahrsam der Besatzungsmächte Großbritannien, USA, Sowjetunion oder Frankreich - verteilt auf Tausende Lager in 80 Ländern. Etwa 14 Millionen Menschen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten flohen vor der Roten Armee oder wurden aus ihrer Heimat vertrieben. 300.000 Kinder hatten ihre Eltern verloren, 30 Millionen Deutsche waren voneinander getrennt worden.

Suche mit Karteikarten

Mitten im Flüchtlingschaos im Frühjahr 1945 gründeten zwei Offiziere ohne irgendeinen offiziellen Auftrag ein Flüchtlingshilfswerk: Oberleutnant Helmut Schelsky und Leutnant Kurt Wagner hatten an der Ostfront gekämpft. Auf ihrem Rückzug sahen sie in Flensburg Zehntausende Flüchtlinge auf der Suche nach einer Unterkunft und in der Hoffnung Angehörige wiederzufinden. Wenigstens dabei wollten sie ihnen helfen. Mit Hilfe der Listen der registrierten Flüchtlinge errichteten sie eine Dienststelle: "Deutsches Rotes Kreuz, Flüchtlingshilfswerk, Ermittlungsdienst, Zentral-Suchkartei".

Schelsky und Wagner gingen davon aus, dass jeder Gesuchte auch seinerseits ein Suchender sein würde. Um die Getrennten wieder zusammenführen zu können, begannen sie eine Doppelkartei aufzubauen. Für jeden Fall wurden zwei Karteikarten ausgefüllt und separat abgeheftet. Auf der einen - der Stammkarte - verzeichnete man die Personalien und die Anschrift des Suchenden, auf der anderen - der Suchkarte - alle Angaben über die Gesuchten. Wer nicht wusste, wo er den anderen finden sollte, konnte darauf hoffen, dass sich die beiden Karteikarten in einem Karton wiedertrafen. Das so genannte Karteibegegnungsverfahren war geboren.

Die Ausstattung entsprach den Verhältnissen: Es gab kein Geld, kaum Papier, keine Hefter für die Ablage. Dennoch: Die Registrierungsstelle machte von sich reden, viele kamen von weit her um sich registrieren zu lassen, und es fanden sich viele freiwillige Helfer, die ihre ehrenamtliche Mitarbeit anboten. Das Flensburger Modell machte Schule und fand zahlreiche Nachahmer in ganz Deutschland.

Auf lange Sicht erwies sich jedoch der Standort als Nachteil und so zog die Zentrale Suchkartei bereits im September 1945 nach Hamburg um. Dort saßen die Suchdienstpioniere tagsüber im Halbdunkel hinter zerborstenen Fensterscheiben, die provisorisch mit Pappe abgedeckt wurden. Sie hatten kaum Heizmaterial für den Winter und die Lebensmittelrationen reichten nur für das Nötigste. Dennoch ging die Arbeit weiter und die Suchkartei wuchs täglich, vor allem nachdem sich im Januar 1946 in der britischen Besatzungszone eine Suchdienst-Arbeitsgemeinschaft gegründet hatte. In der amerikanischen Besatzungszone bildete sich in München das Gegenstück zur Hamburger Suchdienst-Zentrale, das unter ähnlich schlechten Bedingungen arbeiten musste. Und der Strom der Suchenden nahm kein Ende.

Die Suche geht weiter

Im Herbst 1949 fielen mit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland in den westlichen Besatzungszonen endlich auch die letzten Hürden für eine Zentralisierung des Suchdienstes in München. Die Dienstaufsicht wurde dem Ministerium des Inneren zugesprochen und es standen auch mehr finanzielle Mittel zur Verfügung. Bis zu dieser Zeit hatte der Suchdienst bereits in 8,8 Millionen Fällen Auskunft über den Verbleib von Angehörigen geben können.

Im Februar 1950 erschien erstmalig die "Suchdienst Zeitung", die fast 30 Jahre lang jeden Monat erscheinen sollte. Im gleichen Monat startete Bundespräsident Theodor Heuss einen Aufruf an die Bevölkerung: Die Menschen sollten sich registrieren lassen, um Vermisstenlisten erstellen zu können. Ab 1957 wurden dann auch die ersten Bildlisten erstellt. Sie enthielten Angaben von 1,4 Millionen Kriegsverschollenen. Mit diesen Bildbänden fuhren die Suchdienstler durchs Land und legten sie den Heimkehrern vor. Diese wurden dann über das Schicksal ihrer Kameraden befragt. Die Fotos unterstützten das Erinnerungsvermögen enorm.

Suchkinder - ohne Namen, ohne Geburtstag

Auf den Flüchtlingstrecks, die 1945 aus Ostpreußen, Pommern und Schlesien kamen, verloren rund zwei Millionen Menschen ihr Leben. Rund 300.000 Kinder wurden in den Kriegswirren von ihren Müttern, Großmüttern, Großvätern oder Geschwistern getrennt. Zurückkehrende Soldaten, Sanitätsschwestern oder andere Flüchtlinge nahmen sie mit und gaben sie in Auffanglagern und Heimen ab. Viele der Findelkinder waren noch so klein, dass sie sich nicht an ihren Namen oder Geburtstag erinnern konnten, deshalb wurde alles festgehalten, was sie später identifizieren konnte: Kleidungsstücke, Muttermale, Fundort und vieles mehr. Im Fall der Suchkinder machte das Karteibegegnungsverfahren wenig Sinn, und so wurden bereits im Februar 1946 die ersten Bildplakate gedruckt und überall dort aufgehängt, wo Suchende vorbei kamen.

Die Kleinkinder wuchsen heran, ihre Gesichter veränderten sich. Je mehr Zeit verstrich, desto unwahrscheinlicher wurde die Chance noch von Angehörigen gefunden zu werden. 1982 verließen die letzten Druckplakate die Druckerei. Heute sind noch rund 400 Fälle offen. Diese Menschen leben seit mehr als einem halben Jahrhundert mit einer angenommenen Identität und wissen nichts über ihre leibliche Familie.

Öffnung der östlichen Archive

Viele der verschollenen deutschen Soldaten waren an der Front im Osten das letzte Mal gesehen worden. Ihr Schicksal blieb lange ungeklärt. Waren sie gefallen? In Kriegsgefangenschaft geraten? In einem Lager inhaftiert? Wo waren ihre Gräber? - Fragen, die lange nicht geklärt werden konnten. Jahrzehntelang bemühte sich die westdeutsche Seite vergeblich um Zugang zu den sowjetischen Unterlagen. Erst nachdem Michail Gorbatschow 1989 Staatsoberhaupt wurde, zeigte sich ein Hoffnungsschimmer.

Seit dieser Zeit werden immer wieder neue Vereinbarungen über den Austausch und die Zusammenarbeit der Rotkreuz-Gesellschaften in beiden Ländern getroffen. Immer mehr Archive öffnen ihre Pforten und noch heute kommen unzählige Feldpostbriefe zu Tage, die Aufklärung schaffen. Zwar handelt es sich nach mittlerweile mehr als einem halben Jahrhundert um so genannte "Totenkarteien", dennoch: Für einen Angehörigen ist es auch heute noch wichtig zu wissen, wie und wo zum Beispiel sein Vater gestorben ist, was er bei sich trug und wo er beerdigt wurde.

Alte und neue Aufgaben

Mehr als 17 Millionen Menschen wurden über den Suchdienst wieder miteinander in Verbindung gebracht. Mehr als eine Million Schicksale von Soldaten und Zivilgefangenen und fast 300.000 Kinderschicksale konnten geklärt werden. Dennoch: Weit ein halbes Jahrhundert nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges gelten noch immer 1,4 Millionen Deutsche als verschollen. Und beinahe täglich kommen neue Konflikte oder Naturkatastrophen hinzu, die die Arbeit des Suchdienstes nicht zur Ruhe kommen lassen. Immer wieder gibt es neue Flüchtlinge, die im Bürgerkriegschaos - zum Beispiel im Kosovokrieg - ihre Angehörigen unter anderem auch in Deutschland suchen. Darum arbeitet der Suchdienst des DRK eng mit dem "Internationalen Komitee des Roten Kreuzes" zusammen. Dieses betreibt eine zentrale Suchdienstagentur, die "Central Tracing Agency" für alle Krisen- und Konfliktgebiete. 

Quelle:
Planet Wissen, Kerstin Eva Dreher, Stand vom 01.06.2009,
www.planet-wissen.de/politik_geschichte/organisationen/rotes_kreuz/drk_suchdienst.jsp

1945 - Die Deutsche Wochenschau - DRK Suchdienst
Deutsche Kinder suchen nach ihren Eltern, Geschwistern und Bekannten

In diesem Vorspann zur Wochenschau wurden 1945 durch den Suchdienst des
Deutschen Roten Kreuzes Vermisstenmeldungen und geflüchtete Kinder vorgestellt.

Quelle: www.youtube.com/watch?v=h6YGTB-RtNw

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weitere Informationen:
PDF-Datei: 60 Jahre DRK Suchdienst - 2005

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Stand: 23. Juni 2018