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Phoenix aus der Asche
 

 
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Johannisburg in Ostpreußen

 
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Schon damals: Ostpreußen packen vor ihrem Haus ihre Sachen für die Flucht.

Wie Phoenix aus der Asche
Ab 1915 wurde Ostpreußen schöner denn je wieder aufgebaut
von Manuel Ruoff

Nach der Befreiung Ostpreußens von der zaristischen Besatzung der Jahre 1914/15 begann noch während des Ersten Weltkrieges der Wiederaufbau der zerstörten Bauten. Diese bis 1925 abgeschlossene Aufbauleistung ist ein Ruhmesblatt für die preußische Verwaltung wie für die nationale Solidarität der anderen Teile Deutschlands.

Erschwerend kam beim Einfall der Russen in Ostpreußen während des Ersten Weltkrieges hinzu, dass sie die deutsche Zivilverwaltung unvorbereitet traf und damit überforderte. Schließlich war die letzte Besetzung schon ein Jahrhundert her. Verantwortungsbereiche waren ungeklärt, der Informationsfluss von den militärischen Kommandostellen stockte, die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Dienststellen brach zusammen, und manche Beamte unterlagen der Kriegspsychose und ließen ihre Schutzbefohlenen im Stich, statt pflichttreu ihren Dienst zu tun. Doch so sehr auch die Zivilverwaltung trotz rühmlicher Ausnahmen während des russischen Einfalls schwächelte, so legendär ist ihre Leistung beim Wiederaufbau nach der Zurückdrängung der Russen hinter die Staats- und Provinzgrenze.

Noch während des Krieges begann dieser Wiederaufbau. Eine führende Rolle nahm dabei der Rittergutsbesitzer Adolf Tortilowicz von Batocki-Friebe ein, der bei Kriegsausbruch Vorsitzender der Landwirtschaftskammer Ostpreußen war und im Oktober 1914 als Oberpräsident die Verwaltung der Provinz Ostpreußen übernahm. Er leitete auch die bereits im Vormonat gebildete Kriegshilfskommission. Unterhalb dieser Kommission wurden auf Kreisebene in den vom Russeneinfall betroffenen Gebieten fünfköpfige Kriegshilfsausschüsse unter Einschluss des jeweiligen Landrats gebildet. Neben der Kriegshilfskommission, die 1916 ihre Arbeit einstellte, gab es beim Oberpräsidenten ein den Wiederaufbau koordinierendes Hauptbauberatungsamt, das ebenfalls auf Kreisebene nachgeordnete Organe besaß.

Vorrang beim Wiederaufbau hatten die landwirtschaftlichen Nutzgebäude, um die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln sicherzustellen. Erst zweit­rangig und de facto ab 1917 kümmerte man sich auch um den Wiederaufbau der Wohnbebauung. Damit verbunden war ein nicht zu unterschätzender Modernisierungsschub. Vielerorts traten moderne Massivbauten an die Stelle alter Holzhäuser. Batocki-Friebe verstand es dabei, auch Architekten und Bauunternehmer anderer Teile Deutschlands für den Wiederaufbau zu gewinnen. So gelang es bereits während des Krieges, die durch den Russeneinfall aus dem Gleichgewicht geratene Provinz wieder zu stabilisieren. Am Ende des Krieges war die landwirtschaftliche Nutzfläche wieder voll in die Produktion eingespannt und der Wiederaufbau bereits zur Hälfte vollbracht. Die zweite Hälfte zog sich dann im Versailles-gebeutelten Weimarer Nachkriegsdeutschland noch bis 1925 hin.

Gerne wird die Leistungsfähigkeit der Verwaltung in der Kaiserzeit auch daran festgemacht, dass von 162.000 gestellten Entschädigungsanträgen bis Ende September 1918 nur noch 23.000 nicht erledigt waren. Doch selbst die beste Verwaltung kann nur wenig bewirken ohne ausreichende Finanzausstattung. Bereits im Ok­tober 1914 hatte das Königreich Preußen 400 Millionen Mark für Vorentschädigungen zur Verfügung gestellt. Dem folgten in den folgenden zwei Kriegsjahren weitere 225 Millionen Mark.

Doch nicht nur der preußische Staat zeigte sich großzügig, die ganze Nation solidarisierte sich mit der in diesem Kriege durch feindliche Besetzung so besonders heimgesuchten Provinz. Der im Reich ins Leben gerufene „Verband Deutscher Kriegshilfsvereine für zerstörte ostpreußische Städte und Ortschaften“, kurz „Ostpreußenhilfe“, brachte Millionenbeträge auf, die neben den staatlichen Hilfen wesentlich zum Wiederaufbau beitrugen. Ähnlich wie nach dem Zweiten Weltkrieg für die Vertriebenen gab es auch damals schon Patenschaften für Ostpreußen. Viele Großstädte nahmen sich als Paten zerstörter Städte und Gemeinden an, viele Provinzen ganzer verwüsteter Landkreise. Köln übernahm samt dem gleichnamigen Regierungsbezirk die Patenschaft für den Kreis Neidenburg, Frankfurt am Main die für Lötzen, Berlin-Charlottenburg trat für Soldau ein, Berlin-Wilmersdorf für Ortelsburg, der Regierungsbezirk Oppeln für Lyck, die Provinz Hannover für Rastenburg, der Regierungsbezirk Münster für Heilsberg, Kassel für Stallupönen und Breslau für Pillkallen.

In der nicht zu Preußen gehörenden Freien Hansestadt Bremen bildete sich der „Kriegshilfsverein Bremen für Schirwindt (Ostpreußen)“, dessen Ziel es war, dass mit Hilfe von „Maßnahmen zur besseren Gestaltung des Wohnungswesens, der Stadtanlage und des Stadtbildes unter Berücksichtigung der Bestrebungen des Heimatschutzes“ „im fernen Osten ein neues Städtchen entstehen und frisches Leben schlagen“ möge „als glänzendes Wahrzeichen echt bremischen Wohltätigkeitssinns und altbewährter hanseatischer Vaterlandsliebe“. Und das süddeutsche Bayern übernahm die Patenschaft für die Kreise Rößel und Fischhausen.

Die bemerkenswerteste Patenschaft stellte jene Wiens für Ortelsburg dar, da sie zeigte, dass die nationale Solidarität nicht nur keine Grenzen zwischen Bundesstaaten, sondern noch nicht einmal welche zwischen Reichen kannte. Nach der Gründung des entsprechenden „Wiener Kriegshilfsvereins für Ortelsburg“ erklärte der Wiener Bürgermeister Richard Weis­kirchner am 14. März 1916: „Das Bewusstsein unserer gemeinsamen hehren Sache und der Drang unseres Herzens, das den Bruder auf deutscher Erde zum Bruder ruft, schlingen ein heiliges Band um unsere beiden Städte. Ortelsburg soll auferstehen zu hellerem Glanze wie vordem und ein Wahrzeichen sein deutscher Kunst und Kraft und des herrlichen, in Not und Tod bewährten Gemeinsinns und ehernen Bundes unserer Länder von der Ostsee bis zur Adria.“

Diese grenzenlose nationale Solidarität hat das Ihre dazu beigetragen, dass Ostpreußen, das weder zum Heiligen Reich noch zum Deutschen Bund gehört hatte, spätestens nach dem Ersten Weltkrieg nicht mehr nur eine preußische Provinz war, sondern auch eine deutsche.

Architekten aus ganz Deutschland kamen nach Ostpreußen
von Silke Osman

Ein in der Geschichte der deutschen Architektur oft vernachlässigtes Kapitel ist der Wiederaufbau Ostpreußens in und nach dem Ersten Weltkrieg. Wenig wurde bisher die Zeit zwischen 1915 und 1927 beachtet, obwohl gerade in diesen Jahren viele bedeutende Baumeister – und solche, die es noch werden sollten – in der östlichen Provinz des Deutschen Reiches gewirkt haben. Namen wie Hugo Häring, Hans Scharoun und Heinz Stoffregen sind zu nennen. Über 500 Architekten aus allen deutschen Gauen meldeten sich freiwillig, diese Wiederaufbauarbeit zu leisten. Mehr als 30000 Gebäude waren damals durch die zaristische Armee zerstört worden; eine Million Menschen waren obdachlos. Da hieß es, schnell zu handeln. Der Wiederaufbau wurde zur nationalen Frage erklärt; Patenschaften anderer deutscher Städte, Kreise und Provinzen ermöglichten die Finanzierung. Eigens eingerichtete Bauberatungsstellen wachten über die Entwürfe der Architekten.

Zu den jungen Baumeistern, die sich in Ostpreußen die ersten Sporen verdienten, gehörte auch der Bremer Hans Scharoun (1893–1973), der später durch den Bau der Philharmonie in Berlin berühmt werden sollte. Auch seine Wohnhäuser in Stuttgart, das Stadttheater in Wolfsburg und das Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven zeigen deutlich seine Handschrift. In Insterburg war Scharoun zunächst als stellvertretender Leiter des Bauberatungsamtes tätig. Ab 1. April 1918 arbeitete er dann als freier Architekt. In diese Zeit fielen unter anderem Ent­würfe für Wohnhäuser am Inster­bur­ger Park­ring, die damals schon mit Etagenheizungen ausgestattet waren und an seine späteren Wohnungsbauten erinnern.

Wie Hans Scharoun war auch Hugo Häring (1882–1958) während des Ersten Weltkriegs nach Ostpreußen gegangen. Von 1915 bis 1921 wirkte er als Bauanwalt in Allenburg, Kreis Wehlau. Dort soll er an der Planung zum Wiederaufbau des nach dem Russeneinfall stark beschädigten Turms der Ordenskirche beteiligt gewesen sein. Der Architekt Christian Papendick nennt auch das Herrenhaus Otto von Weiss in Groß Plauen, das Häring 1920 errichtet hat. Kriege und Zerstörungswut haben nur wenig von dem Bau übrig gelassen. Nach dem Krieg gehören neben zwei Projekten in Rio de Janeiro vor allem das Gut Garkau in Ostholstein (1922–1926) und auch seine Beteiligung an Berliner Großsiedlungen wie Onkel-Toms-Hütte (1926) oder die Ring-Siedlung in Berlin-Siemensstadt (1929/30) zu seinem Werk. Häring spielte auch eine Rolle bei den Planungen der Avantgarde zur Umgestaltung des Platzes der Republik vor dem Reichstag (1927/30) und bei der Entwicklung der Stuttgarter Weißenhofsiedlung (1925/26) unter Mies van der Rohe.
 

Quelle:
Preußische Allgemeine Zeitung / Das Ostpreußenblatt Ausgabe 11 / 20.03.20110

 
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