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Johannisburg in Ostpreußen

 
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Retten, was noch zu retten ist
Im Februar 1945 machten die Angelsachsen mit Stalin in Jalta
eine Bestandsaufnahme der Verhältnisse in Europa

Während die alliierten Truppen zum letzten Schlag gegen das Deutsche Reich ausholten, versammelten sich Anfang Februar 1945 die führenden Staatsmänner der Vereinigten Staaten, Großbritanniens und der Sowjetunion auf der Halbinsel Krim, um die künftige Friedensordnung festzulegen. Stalin hatte es „wegen Unabkömmlichkeit“ abgelehnt, Rußland zu verlassen: So entschieden sich Roosevelt und Churchill zum Besuch an der auch Anfang Februar klimabegünstigten Krimküste. Bevor sie dort in den Mittagsstunden des 3. Februar 1945 eintrafen, hatten sie eine Vorkonferenz auf der Mittelmeerinsel Malta abgehalten, um die Verhandlungsziele ihrer Regierungen aufeinander abzustimmen. Sie beschlossen, die Zustimmung Stalins zu dem Vorschlag einzuholen, Frankreich eine Besatzungszone und einen Sitz im geplanten Alliierten Kontrollrat für das besiegte Deutschland zuzubilligen und Polen einen Anspruch auf Ostpreußen, einen Teil von Oberschlesien und „gewisse andere Gebiete bis zur Oder“ zuzugestehen. Die Umsiedlung der deutschen Bevölkerung aus diesen Gebieten sollte „schrittweise und nicht überstürzt“ vor sich gehen. Präsident Roosevelt wollte darüber hinaus noch die Mitarbeit der Sowjetunion in der geplanten Organisation der Vereinten Nationen erreichen und Stalin zur Teilnahme am Krieg gegen Japan bewegen. Als die Konferenz am 4. Februar im Livadia-Palast in Jalta, ehemals Sommerschloß des Zaren, mit einem festlichen Dinner des US-Präsidenten eröffnet wurde, schienen die Aussichten auf einen erfolgreichen Verlauf der Verhandlungen günstig. In einer Serie von Trinksprüchen feierten die „Großen Drei“ den baldigen Sieg über Deutschland. Die hoffnungsfrohe Stimmung hielt – zumindest im westlichen Konferenzlager – auch in den folgenden Tagen an. In der Nachmittagssitzung des 6. Februar sprach Roosevelt von der Aufgabe, den Frieden zwar nicht für alle Zeiten, was unmöglich sei, aber doch „sagen wir für 50 Jahre“ zu sichern, wofür die grundsätzliche Einigkeit der drei Alliierten die beste Voraussetzung biete. Verhältnismäßig rasch einig wurden sich die Konferenzteilnehmer über die nächsten militärischen Schritte zur Niederwerfung Deutschlands.

Als nächsten Punkt behandelten die „Großen Drei“ die Frage der Besetzung und Kontrolle des besiegten Deutschlands. Sie bestätigten dabei die bereits 1944 von einer russisch-anglo-amerikanischen Kommission in London ausgearbeiteten „Zonenprotokolle“, welche die Grenzen der US-amerikanischen, britischen und sowjetischen Besatzungszonen in Deutschland festlegten. Eine längere Debatte ergab sich lediglich über den von Churchill vorgetragenen Wunsch, Frankreich ebenfalls eine Besatzungszone und einen Sitz im geplanten Alliierten Kontrollrat zuzugestehen. Stalin wandte sich zunächst dagegen, gab aber schließlich nach, als auch Roosevelt diese Forderung seines britischen Kollegen unterstützte und die beiden Westmächte erkennen ließen, daß sie bereit seien, den Franzosen aus Teilen ihrer Zonen ein zusammenhängendes Besatzungsgebiet abzutreten.

Churchill legte deswegen so großen Wert auf eine Beteiligung Frankreichs an der Besetzung Deutschlands, weil die US-Amerikaner wiederholt ihre Absicht angedeutet hatten, ihre Truppen in absehbarer Zeit aus Europa abzuziehen, um den Krieg in Ostasien gegen Japan baldmöglichst siegreich zu beenden. Er wollte sich in diesem Falle den Sowjetrussen nicht allein gegenübergestellt sehen, sondern gemeinsam mit einem Verbündeten auftreten können. Frankreich blieb es dadurch erspart, in die Reihe der zweitrangigen europäischen Mächte gedrängt zu werden. Es konnte wieder an allen Konferenzen der „Großen Drei“ vollberechtigt teilnehmen und den Gang der Politik nachhaltiger beeinflussen.

Hielt man hinsichtlich der politischen Zukunft Deutschlands an dem Gedanken der Zerstückelung fest, so galt für die Behandlung der Deutschen als Richtlinie: „Es ist nicht unsere Absicht, das deutsche Volk zu vernichten; aber nur, wenn der Nationalsozialismus und der Militarismus ausgerottet sind, wird für die Deutschen Hoffnung auf ein würdiges Leben und einen Platz in der Völkergemeinschaft bestehen.“ Entsprechend vereinbarten die „Großen Drei“, alle deutschen bewaffneten Streitkräfte aufzulösen und die deutsche Rüstungsindustrie zu zerstören. Die Kriegsverbrecher sollten umgehend den Gerichten zur Bestrafung zugeführt und später zu „Ersatzleistungen in natura für die von den Deutschen angerichteten Zerstörungen“ angehalten werden.

Zur Frage der deutschen Kriegsentschädigungen legten die Sowjets eine Plan vor, der die Gesamtsumme der von Deutschland geforderten Reparationen auf 20 Milliarden US-Dollar festsetzte, von denen die Hälfte, also zehn Milliarden Dollar, an die Sowjetunion gehen sollte. Nach den Vorstellungen des Kremels sollten die restlichen zehn Milliarden Dollar innerhalb von zehn Jahren in Form von Waren aus der laufenden deutschen Produktion bezogen werden.

Die Westmächte, besonders Großbritannien, sprachen sich gegen diesen sowjetischen Plan aus. Sie waren nämlich mittlerweile zu der Überzeugung gelangt, daß wirtschaftlicher Notstand eine Entwicklung zum Radikalismus in Deutschland begünstigen und den Westmächten die Verpflichtung zur Ernährung und Unterstützung der Deutschen auferlegen würde. Aus diesem Grunde hatten sie auch den vom US-Finanzminister Morgenthau entworfenen Plan, aus Deutschland ein Agrarland zu machen, fallengelassen. Churchill und Roosevelt lehnten es daher ab, eine konkrete Summe festzusetzen, bevor die Frage der deutschen Leistungsfähigkeit von Wirtschaftssachverständigen geprüft worden sei. Daraufhin wurde beschlossen, in Moskau eine Reparationskommission zu bilden, welche den Auftrag erhielt, „die Frage des Umfanges und der Art der Ersatzleistungen für die Schäden zu erörtern, die Deutschland den alliierten Ländern zugefügt hat“. Präsident Roosevelt, der außer der Konfiszierung des deutschen Eigentums in den Vereinigten Staaten auf jegliche weitere Kriegsentschädigung aus Deutschland verzichtete, schlug vor, die von der sowjetischen Delegation genannte Summe von 20 Milliarden „als Verhandlungsgrundlage“ für die Arbeit der Alliierten Reparationskommission anzunehmen.

In der dritten Vollsitzung der Konferenz am 6. Februar 1945 wurde die Gründung der Vereinten Nationen erörtert. Auf der Tagung von Dumbarton Oaks im Herbst 1944 waren besonders hinsichtlich des Abstimmungsmodus im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen Meinungsverschiedenheiten zwischen den Westmächten und der Sowjetunion aufgetreten, die Roosevelt in Jalta durch einen Kompromißvorschlag bereinigen wollte. Er akzeptierte die Forderung Moskaus, daß den ständigen Mitgliedern des Weltsicherheitsrates ein Vetorecht zustehen sollte; dafür verzichtete Stalin auf die Vertretung aller 16 Sowjetrepubliken in den Vereinten Nationen und begnügte sich mit drei Stimmen (je eine für die UdSSR, Weißrußland und die Ukraine) im Plenum der UN.

Kam es über die Gründung der UN schneller und leichter, als die Westmächte vermutet hatten, zu einer Einigung mit Moskau, so erwies sich die polnische Frage als das schwierigste Problem. Zum einen konnten sich die drei Staatschefs nicht über die seit der Konferenz von Teheran offene Grenzfrage einigen, zum anderen gingen die Meinungen der „Großen Drei“ über die künftige politische Struktur des polnischen Staates weit auseinander, Stalin lehnte nämlich den Vorschlag Roosevelts ab, für den Verzicht der Polen auf die Gewinnung Königsbergs, daß Rußland zufallen sollte, von der Curzon-Linie abzuweichen und Lemberg sowie die benachbarten Erdölgebiete bei Polen zu belassen.

Da keine Seite nachgab, einigte man sich darauf, „die neue Provisorische Polnische Regierung zu gegebener Zeit um ihre Meinung über den Umfang des Gebietszuwachses zu befragen und die endgültige Absteckung der polnischen Westgrenze danach bis zur Friedenskonferenz hinauszuschieben“.

Die polnische Zusammensetzung dieser „Provisorischen Polnischen Regierung“ bildete den zweiten Streitpunkt zwischen der Sowjetunion und den Westmächten. Schließlich kam man überein, die kommunistische Lublin-Regierung „durch Heranziehung demokratischer Führer aus Polen selbst und aus den Auslandspolen“ zu erweitern und „sobald wie möglich freie und uneingeschränkte Wahlen auf der Grundlage des allgemeinen und geheimen Wahlrechts abzuhalten“.

Für Jugoslawien billigten die „Großen Drei“ das Abkommen zwischen Ministerpräsident Subasic und Tito vom 1. November 1944, das die Errichtung einer gemeinsamen Provisorischen Regierung und die Einsetzung eines dreiköpfigen Regentschaftsrates bis zu einem Volksentscheid über die Rückkehr des Königs vorsah. Die Staatschefs empfahlen, Titos „Antifaschistischen Rat für die Nationale Befreiung Jugoslawiens“ durch Mitglieder des jugoslawischen Vorkriegsparlaments zu erweitern und bis zur Schaffung einer verfassungsgebenden Versammlung als vorläufige Legislative beizubehalten. Wie die spätere Entwicklung zeigte, hat sich auch hier der Einfluß der Kommunisten durchgesetzt.

Schließlich unterzeichneten die „Großen Drei“ am 11. Februar 1945 noch ein Geheimabkommen über die Teilnahme der Sowjetunion am Krieg gegen Japan. Der Abwurf der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki machte die Erfüllung dieses Abkommens freilich später überflüssig. Nichtsdestoweniger suchten die Sowjets die ihnen im Vertrag zugesicherten Vorteile und Gewinne einzustecken, indem sie acht Tage nach der Zerstörung Hiroshimas Tokio den Krieg erklärten, Sachalin besetzten und ihre Truppen in die Mandschurei einmarschieren ließen.

Diese Vorgänge und die späteren Ereignisse in Ost- und Südosteuropa mit der Machtübernahme der Kommunisten in Polen, der Tschechoslowakei, Ungarn, Jugoslawien, Rumänien, Albanien und Bulgarien ließen nachträglich den Eindruck entstehen, als sei in Jalta die Welt in ein westliches und ein östliches Interessengebiet aufgeteilt worden, und als hätten die westlichen Staatsmänner die Absicht der Russen nicht erkannt und Stalin aus freien Stücken zu weitgehende Zugeständnisse gemacht.

In Wahrheit war die Konferenz von Jalta, die in den Akten als „Krim-Konferenz“ firmiert, nichts anderes als eine Bestandsaufnahme der bestehenden Verhältnisse in Europa und der Versuch der Anglo-Amerikaner, für den Westen zu retten, was noch zu retten war. Schließlich waren der Balkan und der europäische Osten damals schon von der Roten Armee erobert.

Quelle:
Preußische Allgemeine Zeitung / Das Ostpreußenblatt Ausgabe 5 / 5.2.2005, Seite 20

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