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Macht siegte über Recht
 

 
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Macht siegte über Recht:
Die Volksabstimmung in Oberschlesien am 20. März 1921

Ostpreußen-TV - Ostpreußischer Rundfunk - www.youtube.com/watch?v=xFVfov10s7c

Macht siegte über Recht
Vor 90 Jahren, am 20. März 1921,
fand die Volksabstimmung in Oberschlesien statt
Gedenkstunde am 19. März 2011 im Sudetendeutschen Haus in München

Schon während des Ersten Weltkrieges setzte unter den in Oberschlesien lebenden polnischen Arbeitern eine lebhafte Propaganda für die Trennung Oberschlesiens vom Deutschen Reich und für eine Vereinigung mit dem wieder entstehenden Polen ein. Erste Keime eines polnischen Nationalismus in Oberschlesien entstanden um die Jahrhundertwende, als man Polen aus Galizien und Kongresspolen als Arbeitskräfte in das oberschlesische Industriegebiet holte. In fast allen Landkreisen und größeren Städten entstand eine Reihe polnischer Vereine, die zwar angaben, apolitische Ziele zu verfolgen, jedoch für eine bisher in Oberschlesien unbekannte polnische Idee warben. Die sich herausbildende Intelligenzschicht der zugewanderten Polen, bestehend aus Ärzten, Rechtsanwälten, Kaufleuten und katholischen Geistlichen, hatten sich zum Ziel gesetzt nicht nur polnisch-nationales Gedankengut zu verbreiten, sondern auch Oberschlesien von Deutschland zu lösen. Diese Agitation verstärkte sich nach dem Ausgang des Ersten Weltkrieges, als 1919 polnische Politiker Ansprüche auf deutsches Staatsgebiet stellten, gestützt auf die berühmten 14 Punkte des US-Präsidenten Wilson.

Das besiegte Deutschland hatte sich durch einen selbstvernichtenden Parteienstreit handlungsunfähig gemacht und schenkte Oberschlesiens kaum Beachtung.

Am 07. Mai 1919 übergab der französische Ministerpräsident Clémencau der deutschen Delegation in Versailles die Friedensbedingungen: „Polen erhält ganz Oberschlesien mit einigen Gebieten Mittelschlesiens, die Provinz Posen und Teile von Westpreußen mit Danzig sowie von der Provinz Ostpreußen den Kreis Soldau“. Das Hultschiner Ländchen sollte der Tschechoslowakei zugesprochen werden.

In Abwehr der immer lauter werdenden polnischen Annexionsansprüche schloss sich auf Initiative der Industrie- und Handelskammer 1919 die deutsche Bevölkerung in der „Freien Vereinigung zum Schutze Oberschlesiens“ und später im „Verband Heimattreuer Oberschlesier“ zusammen. Ein Sturm der Empörung und Entrüstung war die mutige Antwort der Oberschlesier auf die polnischen Ansprüche. Allerorts fanden Protestkundgebungen statt: An der Kundgebung in Oppeln beteiligten sich über 20.000 Menschen. Die vornehmlich von den Arbeitnehmern geprägte Kundgebung in Kattowitz beeindruckte selbst die anwesenden amerikanischen und englischen Militärs und Journalisten. Die unerwartete starke Abwehr der alteingesessenen deutschen Bevölkerung gegen die beabsichtigte Verletzung des Selbstbestimmungsrechtes der Völker veranlasste die Siegermächte zur Durchführung einer Volksabstimmung in Oberschlesien.

Der scharfen Reaktion der Deutschen auf die Wahrung des Selbstbestimmungsrechts blieb die polnische Bewegung nichts schuldig. Polnische bewaffnete Gruppen, unter Führung des von der polnischen Minderheit gewählten ehemaligen Mitglieds des Deutschen Reichstages Wojciech (Albert) Korfanty begannen die deutsche Bevölkerung durch Terror und leere Versprechungen, die sehr oft auch von den Kanzel verkündet wurden, für die polnische Sache zu gewinnen. Um die beabsichtigte Abstimmung durch vollendete Tatsachen unmöglich zu machen, wurde in der Nacht vom 16./17. August 1919 der „erste polnische Aufstand“ – auch „Überfall“ genannt – ausgerufen. Dieser wurde bis zum 25. August 1919 vor allem durch den deutschen Grenzschutz und von der Reichswehr niedergeschlagen. Am 11. Februar 1920 wurde die Verwaltungsmacht in Oberschlesien, das am 08. November 1919 zu einer selbständigen Provinz erklärt wurde, der „Interalliierten Kommission für Regierung und Abstimmung“ übertragen. Die Reichswehr musste das Abstimmungsgebiet räumen, die Polizei wurde in Abstimmungspolizei („Apo“) umorganisiert, das Abstimmungsgebiet vom übrigen Reichsgebiet hermetisch abgeriegelt, wobei es gegenüber Polen offen blieb.

Mit stiller Duldung der französischen Besatzungsmacht, die Engländer und Italiener verhielten sich neutral, übten polnische Insurgenten Gewalttaten aus. Vor den Augen der alliierten Besatzungsmacht brach am 20. August 1920 der zweite polnische Aufstand aus. Ziel dieser bewaffneten Einmischung war die deutschen Organisationen zu zerschlagen, die Abstimmungspolizei zu entwaffnen, polnische Bürgerwehren einzusetzen, Nationalitätenhass zu schüren und die deutsche Bevölkerung einzuschüchtern. Es war auch ein Schlag gegen die Autorität der Besatzungsmacht, die für eine „Ära der Gerechtigkeit und Freiheit“ stand. Der Aufstand scheiterte jedoch am Widerstand der inzwischen gebildeten deutschen Selbstschutzverbände. Der hierdurch massiv erzeugte Druck machte sich besonders in der ländlichen Gegend bemerkbar. Zu allem Übel wurde die deutsche Sicherheitspolizei, die während dieser Auseinandersetzung einen heldenhaften Widerstand leistete, am 24. August 1920 aufgelöst und die entwaffneten Angehörigen in Reichsinnere abgeschoben.

Am 12. November 1920 erging eine Amnestie für alle polnischen Aufstandsbeteiligten, ohne dass die begangenen Gewalttaten geahndet wurden.

Am 23. Februar 1921 legte man den Termin der Volksabstimmung auf den 20. März 1921 fest. Die Abstimmung war ein Erfolg für die deutsche Seite: 60 Prozent stimmten für Deutschland und 40 Prozent für Polen. Die Behauptung vom polnischen Charakter Oberschlesien wurde widerlegt.

Nach dem für Polen ungünstigen Abstimmungsergebnis forderte der Agitator Korfanty seine polnische Gefolgschaft auf, Oberschlesien mit Waffengewalt zu besetzen. In der Nacht vom 2. zum 3. Mai 1921, dem polnischen Nationalfeiertag, wurde der dritte, sehr gut vorbereitete, Aufstand ausgerufen. Planmäßiger Terror, Morde, Brandstiftungen, Bombenattentate, Erpressungen und brutale Misshandlungen kennzeichneten diesen Überfall. Am 21. Mai 1921 erstürmte der deutsche Selbstschutz und aus dem Reich herbeigeeilte Kräfte, z. B. das Freicorps Oberland aus dem Raum Miesbach, Oberbayern, den Annaberg. Die am 26. Mai 1921 eingetroffenen englischen Truppen erzwangen einen Waffenstillstand.

Mit dem Genfer Schiedsspruch und dem Beschluss der Pariser Botschafterkonferenz vom 20. Oktober 1921 wurde die Teilung Oberschlesien festgesetzt und am 15. Mai 1922 durch das Genfer Abkommen für Oberschlesien beschlossen. Es war eine arge Enttäuschung für das ganze deutsche Volk, besonders aber für die Oberschlesier. Am 15. Juni 1922 wurde die neue Grenze mitten durch das oberschlesische Land gezogen. Die Entscheidung und die Grenzziehung widersprachen jeglichem Rechtsempfinden, jeder realen Auslegung des Rechtes auf Selbstbestimmung der Völker, es war eine Kapitulation der internationalen Wertegemeinschaft vor dem Nationalismus.

Oberschlesien und der deutsche Osten erhielt seine „blutende Grenze“. Oberschlesien wurde zum „Land unterm Kreuz“.

Am 30. Mai 1922 legte der Deutsche Reichstag in einer Sondersitzung durch den Reichsminister Schiffer „Rechtsverwahrung gegen die Entscheidung über Oberschlesien“ ein. Der oberschlesische Abgeordnete, Thomas Szczeponik, stellte in aller Deutlichkeit fest: „Der Völkerbundsrat hat den Willen der deutschen Mehrheit missachtet und den lebenden Organismus Oberschlesiens zerrissen. Über 400.000 deutsch fühlende Bewohner werden durch die willkürlich gezogene Grenze zu polnischen Staatsbürgern gemacht. Wir werden unsere staatsbürgerlichen Pflichten erfüllen, aber unser deutsches Volkstum werden wir nicht aufgeben. Unsere Zugehörigkeit kann uns kein Machtspruch aus dem Herzen reißen.“

Das Schicksal Oberschlesien war besiegelt, die Lunte zum größten europäischen Flächenbrand gelegt.
 

Quellen:
Bilder: Archivmaterial;
Text: (Bezirksverband der Schlesiervereine in Obb. in der Landsmannschaft
Schlesien,  Nieder- u. Oberschlesien, R. Maywald, Öffentlichkeitsarbeit,
Fax: 089 – 700 582 13; E-Post: LS-LV-Bayern@t-online.de), 20.03.2011

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