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Der Landkreis Rosenberg / Westpr.

zusammenfassender Überblick

Der Landkreis Rosenberg ist 1.038,31 qkm groß und hat 63.268 Einwohner, das sind 61 auf 1 qkm. Er ist der größte Kreis des Regierungsbezirks und grenzt im Süden und Südosten an Polen; Drewenz und Ossa sind Grenzflüsse. Landschaftlich gehört der Kreis zum Preußischen Höhenrücken, mehrere Moränenzüge durchziehen ihn in sanft geschwungenen Bögen und erreichen bis zu 126 m über NN. Der wellige, von Lehm, Mergel, Steinen und Sanden aufgebaute Boden ist reich mit Wald bestockt, von kleinen Flüssen und Bächen durchzogen, bedeckt mit ausgedehnten Ackerfluren, Wiesenflächen und reich an zahlreichen Seen, die zusammen 52 qkm groß sind (5 v. H. der Gesamtfläche). Der größte See ist der Sorgensee nördlich Riesenburg. Der 3.228 ha große Geserichsee gehört nur mit seinem Südzipfel zum Kreise. 230 qkm (22 v. H. der Gesamtfläche), besonders im Norden und Osten, sind von ausgedehnten, zusammenhängenden Wäldern bedeckt, sie gehören fast ausschließlich Großgrundbesitzern: der Schönberger Forst (gräflich Finckensteinsches Revier), der Raudnitzer Forst (fürstlich Reußsches Revier) mit den schönsten Nadelholzbeständen des Kreises und der Finckensteiner Forst (burggräflich zu Dohnasches Revier).

Vor der Ordenszeit war der Kreisraum fast ganz von Wäldern und Mooren erfüllt; der Landschaftsname Pomesanien (po median = unter dem Walde) und der des prußischen Gebiets Resia (reisis = Haselnuß), in dem Riesenburg, Riesenkirch und Riesenwalde liegen, deuten auf Bewaldung hin. Als der Deutsche Ritterorden das Gebiet in Besitz nahm und die deutsche Besiedlung begann, waren in ihm kaum 20 prußische Dörfer vorhanden, so daß die drei Landesherren (nach 1286), der Deutsche Orden, der Bischof von Pomesanien (Westteil) und das Domkapitel (Mitte), Güter und Dörfer auf Waldboden gründen konnten. Bis zum Anfang des 15. Jahrhunderts entstanden im Kreisgebiet fünf Städte, 26 deutsche Güter und 64 deutsche Dörfer mit 37 Kirchen. Um 1400 war die Bevölkerung fast völlig deutsch; es gab wohl noch prußische, aber kein einziges polnisches Dorf. Masowier wanderten erst im 16. Jahrhundert ein.

Nach der Blütezeit im 14. Jahrhundert wurde das Kreisgebiet in den Jahren 1414, 1416, 1422, 1432 und im 13jährigen Kriege (1454/1466) von den Polen verheert; mehrfach verübten sie entsetzliche Greuel und zerstörten das Aufbauwerk. 1414 wurden die Dörfer Schöpkau, Golbetin, Liegenwalde, Langenau, Jakobau dem Erdboden gleichgemacht, die ersten drei nicht neu aufgebaut. In Riesenburg, wo sich der polnische König 1410 wochenlang aufhielt, wurden 54 Menschen getötet und ein ungeheurer Schaden angerichtet. Im Jahre 1416 erschlugen polnische Banden über tausend Menschen im Kreisgebiet oder verschleppten sie. In Bischofswerder ließ der polnische König Jagiello die Einwohner in die Kirche treiben, die Stadt plündern und in Brand stecken. Ahnlich erging es den Städten Riesenburg, Rosenberg, Freystadt und mehreren Dörfern. Im Gebiet des Domkapitels waren 521 Hufen wüst, d. h. unbesetzt. 1422 übergab der feige bischöfliche Vogt den Polen Schloß und Stadt Riesenburg, die geplündert und gebrandschatzt wurden. Im Ständekriege (1454/1466) verkauften die Ordenssöldner die Stadt Deutsch Eylau an den Preußischen Bund und den König von Polen; aber die ordenstreuen Bürger vereitelten die Übergabe. Das Land wurde arg verwüstet, ebenso im Reiterkriege 1519/1521. Das Schloß Schönberg, die Städte Deutsch Eylau und Rosenberg ergaben sich freiwillig den Polen, Riesenburg dagegen leistete Widerstand.

Als der Deutschordensstaat 1525 in ein evangelisches Herzogtum umgewandelt worden war, blieb von den drei Amtern, Riesenburg, Schönberg und Deutsch Eylau, nur Riesenburg in landesherrlicher Verwaltung. Das Amt Schönberg verlieh der Herzog 1532 dem samländischen Bischof Georg von Polenz als Erbhauptamt, es blieb bis 1824 im Besitz der Familie, kam dann an die Grafen Finck von Finckenstein. Das Amt Deutsch Eylau wurde 1548 Erbhauptamt der Grafen Finck von Finckenstein, 1784 ging es durch Kauf an die Burggrafen zu Dohna über. Der Adel gewann im 15./16. Jahrhundert großen Einfluß und zahlreiche Güter im Kreisgebiet; er hat sie zum Teil jahrhundertelang besessen. Der Kreis Rosenberg hatte bis in die jüngste Vergangenheit von allen Landkreisen Ostpreußens die meisten und umfangreichsten Großgüter, obgleich nach 1900 mehrere gesiedelt worden waren. 1931 waren noch 32 landwirtschaftliche Betriebe mit mehr als 250 ha vorhanden, elf von ihnen waren mehr als 1.000 ha groß: Schönberg (Graf Finck von Finckenstein) 7.679 ha, Januschau (von Oldenburg-Januschau) 2.801 ha, Groß Bellschwitz (Graf von Brünneck) 1.953 ha, Klein Tromnau (Freiherr von Hoverbeck) 1.800 ha, Groß Plauth (von Puttkammer) 1.664 ha, Groß und Klein Sehren mit Hansdorf (Erbprinz Heinrich Reuß j. L.) 1.351 ha u. a. Es ist daher nicht verwunderlich, daß Land- und Forstwirtschaft im Kreise im Vordergrund standen, sie beeinflußten Handel, Handwerk und Industrie und gaben ihm das besondere Gepräge. Es wurden hauptsächlich Weizen, Zuckerrüben, Roggen, Sommergetreide und Kartoffeln angebaut. Die Warmblutzucht wurde besonders von bäuerlichen Betrieben und einigen Großgütern, z. B. Finckenstein, Januschau (Scheckenzucht), Groß Bellschwitz (Schimmel) und Groß Plauth gefördert. Die Schafhaltung war ebenfalls gut vertreten, es gab Stammherden von 200 bis 1.500 Muttertieren. Mehrfach wurde der Kartoffelsaatanbau gepflegt. Die Begüterung Finckenstein des Burggrafen zu Dohna hielt 400 Pferde, 800 Rinder, 6.000 Merino-Wollschafe, 2.000 Mastschweine, um einen Einblick in die Tierhaltung eines Großbetriebes zu geben.

Seit 1945 liegt der Kreis Rosenberg im polnisch verwalteten Teil Ostpreußens. 1920 hatte die Bevölkerung ihr Deutschtum bei der Abstimmung eindeutig bewiesen; 33.498 Stimmen entfielen auf Deutschland, 1.073 (= 3,1 v. H.) auf Polen.

Die Kreisstadt Rosenberg liegt auf ebenem Gelände am Rosenberger See. Sie wurde um 1305 vom pomesanischen Domkapitel gegründet und erhielt 1315 eine erneuerte Handfeste. In dem fast kreisrunden Mauerring, von dem geringe Reste erhalten geblieben sind, breitet sich ein rechtwinkliges Straßennetz aus, in dessen Mitte der fast quadratische Markt liegt. Das 1391 erwähnte Rathaus dürfte 1669 zerstört worden sein. Die in der Südostecke an der Stadtmauer gelegene Kirche ist zwischen 1310/1330 erbaut worden. Eine polnische Kirche bestand um 1600 vor der Stadt. Die katholische Kapelle wurde erst 1903/1904 erbaut. Im Süden vor der Stadt lag der vor 1376 angelegte Hof des Domkapitels; er war von 1532 bis 1817 Sitz der Lehnsherren der Stadt (von Polenz, von Tettau, Schack von Wittenau); als Rosenberg 1818 Kreisstadt wurde, diente er fortan den Landräten als Verwaltungs- bzw. Wohnsitz, soweit sie ihr Amt nicht von ihren Gütern aus wahrnahmen. Die Stadt wurde mehrfach von Bränden und Zerstörungen (1669, 1709, 1786), von Pest (1709/1711) und Cholera (1831) heimgesucht. Im 18./20. Jahrhundert hatte sie eine Garnison. 1789 erwarb die Stadt den Rosenberger See, der zu einem Kleinod der Stadt für Freude und Erholung wurde. Seit dem 16. Jahrhundert hatte sie eine Schule, sie wurde im Laufe der Zeit erweitert, 1850 kam eine höhere Schule hinzu. Obgleich Rosenberg mehrere Kreisbehörden beherbergte, 1876 Anschluß an die Eisenbahnstrecke Marienburg-Deutsch Eylau erhielt, blieb es unbedeutend. In alter Zeit trieben die Bewohner Ackerbau, Gewerbe und Handel, in der jüngsten Vergangenheit wurde das Wirtschaftsleben von Sägewerken, Getreidehandel, einer Zement- und einer Kalksandsteinfabrik bestimmt. Bei der Abstimmung 1920 stimmten 2.430 für Deutschland, nur acht für Polen. 1939 hatte Rosenberg 4.500, 1943 4.440 meist ev. Einwohner. Ende Januar 1945 wurde die Stadt zu 45 v. .H. von den Russen zerstört.

Eine günstigere Lage und größere Bedeutung als Rosenberg hat die Stadt Riesenburg. Sie ist in dem prußischen Gebiet Resia (Reisen) südlich des Sorgensees gegründet worden. Hier erbaute der Bischof von Pomesanien 1276/1277 am hohen Steilhang des Schloßsees die Riesenburg und machte sie zum bischöflichen Wohnsitz; sie wurde 1330/1340 vergrößert. Der geistig und politisch bedeutsame Bischof Hiob von Dobeneck sammelte einen Kreis von gelehrten Männern um sich und machte Riesenburg zum „Musenhof", den der Erfurter Humanist Helius Eobanus Hesse geschildert hat. Der Bischof hatte ihn 1509 an seinen Hof berufen, er blieb aber nur bis 1513 in Riesenburg. Als das Schloß 1688 und dann nochmals 1787 abbrannte, verfiel es, so daß nur noch Ruinen, Kellergewölbe und hohe Stützmauern des Parchams, übriggeblieben sind.

Die Stadt Riesenburg hat sich zwischen 1286/1321 aus einer Siedlung vor der Bischofsburg entwickelt; sie erhielt 1330 eine erneuerte Handfeste. Der Grundriß der planmäßig angelegten Stadt mit rechtwinkligem Straßennetz paßt sich dem Gelände an. Die Stadtmauer ist nur noch an einigen Stellen erhalten, von den Türmen der des Marienwerderer Tores. Das auf dem Markt erbaute Rathaus brannte 1688 ab und wurde nicht wieder erneuert. Die nach 1310 in Backsteingotik erbaute Pfarrkirche ist wie die meisten pomesanischen Gotteshäuser gekennzeichnet durch den mächtigen, rechteckigen, 40 m hohen Turm an der Nordseite des Chors, er ist „von ungewöhnlicher Schönheit"; sein Erdgeschoß enthält die Sakristei mit Rippengewölben. Die etwa 1380/1390 vor der Stadtmauer errichtete Kleine Kirche ist an ihrer originell behandelten Westfront mit zierlichem Achtecktürmchen waagerecht abgeschlossen; die Kirche wurde 1723 und 1781 restauriert. Nach der Reformation fiel Riesenburg an den Herzog von Preußen, es wurde Sitz eines Amtshauptmanns. Im Kriegsjahr 1628 wurde die Stadt durch Brand und Kontribution geschädigt. 1688 brannte fast die ganze Stadt nieder. Da sie völlig verarmt war und in den Pestjahren 1709/1710 933 Bewohner an der Seuche gestorben, andere aufs Land gezogen waren, wurde die zerstörte Kirche mit Hilfe des Königs Friedrich Wilhelms I. bis 1725 wiederhergestellt. Er soll auch 1728 eine Wasserleitung haben anlegen lassen; das Wasser wurde durch hölzerne Röhren von einer Anhöhe in die Stadt geleitet. Die Bewohner trieben hauptsächlich Ackerbau, Obstbau, Viehzucht, Handel und Gewerbe. Zur wirtschaftlichen Belebung trug auch die Garnison im 18./19. Jahrhundert bei. Eine raschere Entwicklung setzte ein, als die Landstraßen ausgebaut und Riesenburg 1876 an die Eisenbahnstrecke Marienburg-Deutsch Eylau angeschlossen war. 1899 erhielt die Stadt Eisenbahnverbindung nach Freystadt, 1908 nach Miswalde. 1878 war die katholische Kirche erbaut worden. Das Stadtgebiet wurde durch mehrere Vorstädte, zuletzt durch das eingemeindete Stadtdorf Sonnenberg erweitert. Die schon früh in Riesenburg bestehenden Schulen entwickelten sich zu mehreren Volks-, höheren und Fachschulen. 1920 gaben 3.321 Personen ihre Stimme für Deutschland, 50 für Polen ab. Im Doktorwald entstand 1928 die Provinzial-Heil- und Pflegeanstalt. In jüngster Zeit beruhte das Wirtschaftsleben der Stadt vor allem auf Mühlen- und Sägewerksbetrieben wie der 1886 erbauten Zuckerfabrik. 1939 hatte Riesenburg 8.100, 1944 7.581 meist ev. Einwohner. Im Januar 1945 wurde die Stadt zum größten Teil zerstört.

Die Stadt Freystadt, auf einem welligen Bergrücken zwischen Stadtsee und Gadengafluß gelegen, ist von der Siedler- und Grundbesitzerfamilie Stange zwischen 1315/1320 gegründet worden, sie erhielt 1331 eine Handfeste. Der Stadtgrundriß paßt sich dem Gelände an; er zeigt eine Hauptstraße, die sich nur am Ostende gabelt, wo der Markt liegt. Von der Stadtbefestigung sind geringe Reste vorhanden. Die 1331/1340 erbaute Kirche steht abseits der Hauptstraße im südlichen Stadtteil; ihr Turm brannte 1653 ab und wurde erst 1856/1857 massiv, 45 m hoch, errichtet. Der barocke Altar von 1696 zeigt die knienden Stifter-Gestalten, Otto Friedrich von der Groeben (Gründer der brandenburgischen Kolonie in Afrika) und seine Gattin. Die Stadt, die 1414, dann wieder 1455 abbrannte, geriet bis 1466 in den Besitz des Königs von Polen. Vom Ende des 14. Jahrhunderts bis um 1525 war der pomesanische Bischof Landesherr der Stadt; nach der Reformation ging sie an den Herzog von Preußen über. Von 1719 bis 1850 hatte Freystadt eine Garnison, im Siebenjährigen Kriege russische und 1806/1807 französische Besatzung, die sie arg schädigten. 1775 und 1819 zerstörten Brände Teile der Stadt, 1831 wütete die Cholera. Freystadt war 1831 „eine kleine, schlecht gebaute Stadt" mit 1.157 Einwohnern, die Ackerbau und Gewerbe trieben. Ein wirtschaftlicher Auftrieb trat nach dem Ausbau der Landstraßen und nach dem Anschluß an die Eisenbahnstrecken nach Marienwerder und Riesenburg ein (1899). Bedeutung erlangten Gerberei, Molkerei, Ziegelei, Sägewerk und eine Maschinenfabrik. Bei der Abstimmung 1920 wurden 1.875 Stimmen für Deutschland, 36 für Polen abgegeben. Die Eisenbahnstrecke nach Goßlershausen wurde 1920 infolge der Grenzziehung eingestellt. 1925 erhielt Freystadt Eisenbahnverbindung mit Bischofswerder. Das Schulwesen wurde in den zwanziger Jahren ausgebaut. Die Landwirtschaftsschule war 1906 eingerichtet worden. In den dreißiger Jahren entstanden die Stadtrandsiedlungen. 1937 hatte Freystadt 3.092, 1943 3.313 meist ev. Einwohner. Im Kriegsjahr 1945 drangen die Russen am 23. Januar in die Stadt ein, sie wurde teilweise zerstört und mehrere Personen ermordet. - Der Freystädter Sohn Karl Thom schoß im Ersten Weltkriege 28 feindliche Flugzeuge ab, er war Inhaber des Ordens Pour le merite.

Die Stadt Bischofswerder ist im Jahre 1325 von dem pomesanischen Bischof Rudolf in einer Niederung an der Ossa gegründet worden, sie erhielt 1331 die Handfeste. Der rechteckige Stadtplan zeigt regelmäßige Häuserblocks um einen ein ha großen Marktplatz, auf dem bis 1870 das Rathaus stand. Von der mittelalterlichen Stadtmauer sind Reste an der Nordseite erhalten. Die etwa 1331/1340 erbaute Kirche im Südosten der Stadt hat einen rechteckigen Chor, an dessen nördlicher Seite der Turm steht; sein Erdgeschoß enthält die Sakristei mit zwei Kreuzgewölben. Als 1726 fast die ganze Stadt abbrannte, wurde auch die Kirche teilweise zerstört und wie die Stadt in drei Jahren erneuert. 1527 kam Bischofswerder aus bischöflichem Besitz an Herzog Albrecht. Er verlieh der Stadt das wüste Dorf Stangenwalde. 1540 wurde die Reformation durchgeführt, aber 1625 war die Stadt noch „halb katholisch". Obgleich sie durch eine Vorstadt vergrößert worden war, von 1710 bis 1806 eine Garnison hatte, blieb sie eine Ackerbürgerstadt, in der Märkte, Tuch- und Schuhmachergewerbe und Brauerei die hauptsächlichsten wirtschaftlichen Grundlagen bildeten. Dies änderte sich kaum, als die Stadt 1871 Anschluß an die Eisenbahnstrecke Allenstein-Deutsch Eylau-Thorn erhielt. 1893 wurde die katholische Kirche erbaut. Obgleich 1920 1.270 Stimmen für Deutschland und nur 227 für Polen abgegeben wurden, verlor die Stadt bei der Grenzziehung 1920 den Bahnhof und ein etwa 90 v. H. großes Wirtschaftsgebiet an Polen. 1925 erhielt die abgelegene Grenzstadt Eisenbahnverbindung nach Freystadt. 1927 erbaute sie das Rathaus. Sie hatte 1937 2.046 (davon 248 kath.), 1943 1.945 Einwohner. Ende Januar 1945 besetzten die Russen die Stadt. - In Bischofswerder wurde am 19. August 1851 der Quellenkritiker der Monumenta Germaniae, Oswald Holder-Eggert, als Sohn eines Arztes geboren (+ 1911).

Die in einer reizvollen Landschaft gelegene Stadt Deutsch Eylau ist auf einer in den südlichen Geserichsee vorspringenden Landzunge entstanden. Ihr stark erweitertes Stadtgebiet wird im Osten vom Eylenzfluß begrenzt. Die Stadt wurde 1305 von Christburg aus gegründet und erhielt 1317 die Handfeste. Das an den Ecken abgerundete Viereck der Altstadt hat ein rechtwinkliges Straßennetz und einen großen Marktplatz, an dem jahrhundertelang Laubenhäuser standen. Das ordenszeitliche Rathaus dürfte bei dem großen Brand im Jahre 1706 vernichtet worden sein. Das jetzige Rathaus ist erst 1910/1912 in der Kaiserstraße erbaut worden. Von der ordenszeitlichen Stadtmauer, den Türmen und Toren sind nur geringe Reste erhalten. Die um 1320 am Südostrand an der Stadtmauer errichtete Kirche bietet mit ihrer Ostansicht ein anziehendes Bild; unmittelbar nördlich des Chors erhebt sich der mächtige Glockenturm, dessen obere Stockwerke gleichzeitig Wehrturm für den anschließenden Ordenshof waren, den Verwaltungssitz des Kammeramts Deutsch Eylau; er unterstand anfangs dem Komtur in Christburg, später dem in Osterode. Im Kriegsjahr 1457 verkauften verräterische böhmische Söldner Ordenshof und Stadt an den Preußischen Bund und den König von Polen; im 2. Frieden zu Thorn (1466) kamen sie an den Deutschen Orden zurück. 1513/1521 waren Stadt und Kammeramt Lehnsbesitz des Bischofs von Pomesanien, seit 1522 verschiedener Lehnsherren (Fasolt, von Diebes, von Kreytzen, Finck von Finckenstein bis 1784, von Dohna-Schlodien bis 1848). 1525 wurde die Stadt evangelisch. In den Jahren 1686 und 1706 brannte sie fast ganz ab, die Kirche blieb vom Feuer verschont. Seit 1719 hatte Deutsch Eylau bis in die Neuzeit hinein eine oft recht starke Garnison. 1758/1762 war sie von Russen, 1807 und 1812 von Franzosen besetzt und mußte harte Einquartierungslasten auf sich nehmen. 1822 erwarb die Stadt vom Reichs- und Burggrafen zu Dohna auf Raudnitz den fischreichen Kleinen Geserichsee in Erbpacht, 1845 als Eigentum. Er bereicherte die Einnahmen der Stadt, deren Bewohner Ackerbau, Gerberei, Tuch- und Hutmacherei wie Handel trieben, und wurde in den späteren Jahrzehnten zu einem wichtigen Erholungs- und Anziehungspunkt für Fremde. Als in der Mitte des 19. Jahrhunderts mehrere Landstraßen nach Deutsch Eylau ausgebaut und die Brücke über den Geserichsee vollendet waren, wurde Deutsch Eylau ein Verkehrsmittelpunkt, der noch bedeutender wurde, als 1862 der Oberländer Kanal vollendet und der Schiffahrtsweg nach Elbing eröffnet war. Als dann noch 1873 der Eisenbahnanschluß nach Osterode, 1877 nach Marienburg hergestellt waren, entwickelte sich die Stadt, in der Schiffahrt und Handel mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen, Holz, Spiritus und Fischen auch weiter eine Rolle spielten, zu einem ansehnlichen Industrieort. Maschinen-, Dachpappen- und Holzindustrie wie eine Eisengießerei und eine Kartoffelflocken-, Stärke- und Glukosefabrik belebten die Wirtschaft, so daß sie sich beträchtlich vergrößerte und ihre Einwohnerzahl wuchs. Nach dem Ersten Weltkrieg entstanden die Siedlungen Oberwald und Freundshof, nach 1933 neue Stadtteile mit den Siedlungsgebieten Glodowo, Gajerrek u. a. Von 1895 (6.699) bis 1943 verdoppelte sich die Einwohnerzahl auf 13.691. Die seit dem 16. Jahrhundert bestehende Schule wurde seit dem 19. Jahrhundert stark ausgebaut, es bestanden mehrere Volks-, höhere und Fachschulen für beide Bekenntnisse. 1860 wurde die katholische Kirche eingeweiht. Bei der Abstimmung 1920 fielen 4.746 Stimmen auf Deutschland, 235 auf Polen. Durch die Grenzziehung im Jahre 1920 verlor die Stadt ein großes Wirtschaftsgebiet, den Löbauer Kreis, an Polen; die seit 1902 bestehende Eisenbahnstrecke nach Neumark mußte eingestellt werden. Am 20. Januar 1945 wurde Deutsch Eylau von den Bewohnern geräumt; es entbrannten um die Stadt heftige Kämpfe, bei denen sie zu 75 v. H. zerstört wurde.

In Finckenstein ließ der Generalfeldmarschall Albrecht Conrad Graf Finck von Finckenstein in dem 1705 erworbenen Habersdorf (Amt Schönberg) 1716/1720 „ein wirklich königliches Schloß in den Formen eines strengen Barocks" erbauen, das zu den schönsten des Landes gehörte. König Friedrich Wilhelm I. gab ihm 1718 bei einem Besuch den Namen Finckenstein. Von 1782 bis zur Vertreibung war das Gut mit sechs Vorwerken im Besitz der Grafen zu Dohna. Wiederholt haben preußische Könige in Finckenstein gewohnt, auch Napo1eon I. vom 1. April bis 6. Juni 1807. Beim Anblick des Schlosses soll er ausgerufen haben: „Enfin un chäteau!" Bei seinem Aufenthalt in Finckenstein weilte die polnische Gräfin Walewska bei ihm. „Er soll mit ihr seine glücklichste Episode erlebt haben." Eine amerikanische Filmgesellschaft hat 1934 in Finckenstein den Film gedreht „Maria Waleska", der sehr schöne Architekturaufnahmen vom Schlosse enthält, es ist am 22. Januar 1945 zerstört worden. - In Hansdorf wurde am 15. März 1854 Emil von Behring geboren, der Entdecker des Diphtherieserums und Nobelpreisträger der Medizin von 1901 (+ 1917). - Groß Plauth ist der Geburtsort des am 25. Juli 1757 geborenen Hans Jakob von Auerswald, Mitarbeiter Steins an der Bauernbefreiung und Freund des Christian Jakob Kraus, er starb 1833. - Das Gut Neudeck ostwärts Freystadt war von 1755 bis 1926 im Besitz der Familie von Beneckendorff und von Hindenburg. Es wurde von den vaterländischen Verbänden gekauft, die es dem Generalfeldmarschall und Reichspräsidenten Paul von Beneckendorff und von Hindenburg zu seinem 80. Geburtstag am 2. Oktober 1927 schenkten. 1933 übergab ihm die Staatsregierung am Jahrestage der Schlacht bei Tannenberg die Staatsdomäne Langenau und den Preußenwald. Hindenburg starb am 2. August 1934 in Neudeck. - Das malerisch gelegene, romantische Schloß Schönberg (nordwestlich der Stadt Deutsch Eylau) ist vom Domkapitel von Pomesamen im 14. Jahrhundert erbaut worden. Das rechteckige Haus mit einem Innenhof erhebt sich auf einem Hügel in den Ossawiesen am langgestreckten Haussee. Seine ursprünglich niedrigere Wehrmauer war durch Ecktürme und mehrere Zwischentürme verstärkt. Der massige Baukörper neben der starken Tordurchfahrt und der Westflügel mit dem spätmittelalterlichen Remter und der Fachwerkwand stammen noch aus dem Ende des 14. Jahrhunderts (vor 1386); es ist der älteste erhaltene Fachwerkbau mit typisch gotischem Ständerwerk des Landes. Die Burg diente den Pröpsten des Domkapitels in Marienwerder als Sommerwohnsitz. Seit 1532 ist das Schloß Privatbesitz, zuerst der Familie von Polenz, seit 1699 der Finck von Finckenstein. Beide Familien haben Wohnräume, Giebel und andere Teile des Schlosses umgebaut und erweitert, so daß das in allen Jahrhunderten bewohnt gewesene Schloß Bauteile von der Gotik bis zur Barockzeit aufweist, die sich harmonisch zu einem malerisch wirksamen Gesamtbilde zusammenfügen.

Patenschaftsträger für den Kreis Rosenberg ist der Landkreis Halle (Westfalen).

Quellen:
Wappen: Archivmaterial;

Text: Guttzeit: Ostpreußen in 1440 Bildern, Rautenberg, 1972-1996, Seite 97-102;
Fotos: 10.000 Ansichtskarten, The Yorck-Project, Berlin,
Stichworte: "Deutsch Eylau" und "Finkenstein", 2001

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weitere Informationen:

Dienstantritt des Landrates Friedensburg im Kreis Rosenberg 1921

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Stand: 01. Januar 2021